Brauchtum in BayernBräuche, belegt erzählt
Winterbrauch · Altbayern

Aperschnalzen

Aperschnalzen im Rupertiwinkel: was hinter dem rhythmischen Peitschenknallen steckt, wie eine Passe schnalzt und wann das Rupertigau-Preisschnalzen 2027 ist.

Kurz gesagt

Aperschnalzen ist ein Winterbrauch im Rupertiwinkel an Salzach und Saalach, bei dem Gruppen von meist neun Burschen und Männern mit langen Peitschen, den Goaßln, im festen Takt knallen. Geschnalzt wird zwischen dem Stephanitag am 26. Dezember und dem Faschingsdienstag. Höhepunkt ist das Rupertigau-Preisschnalzen mit mehr als 1.500 Schnalzern, 2027 am 30. und 31. Januar in Loig bei Wals im Salzburger Land.

Wer an einem klaren Januarsonntag zwischen Laufen und Freilassing über die Felder fährt, hört es, bevor er es sieht: ein trockenes, rhythmisches Knallen, das über die verschneiten Wiesen rollt, Schlag auf Schlag, immer im selben Takt. Dahinter steht eine Reihe von Burschen und Männern mit Peitschen, die ihre Goaßl mit vollem Körpereinsatz durch die Luft ziehen. Das ist Aperschnalzen, ein Brauch, den es so nur an Salzach und Saalach gibt.

Was ist Aperschnalzen?

Beim Aperschnalzen treten Gruppen, die Passen, in einer Reihe an und schnalzen nacheinander mit langen Peitschen. Es kommt nicht auf Lautstärke allein an, sondern auf einen gleichmäßigen, sauberen Rhythmus, in dem sich die Knalle wie ein einziges Instrument anhören. Geschnalzt wird zwischen dem Stephanitag am 26. Dezember und dem Faschingsdienstag, also mitten in der dunklen Jahreszeit.

Zu Hause ist der Brauch im historischen Rupertiwinkel, dem Gebiet beiderseits der Grenzflüsse Salzach und Saalach. Auf bayerischer Seite gehören dazu Orte in den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein, auf österreichischer Seite der Salzburger Flachgau. Die Grenze spielt beim Schnalzen kaum eine Rolle: Bayerische und Salzburger Passen treten in denselben Wettbewerben an. Seit 2013 steht das Aperschnalzen im historischen Rupertiwinkel im österreichischen Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes.

Woher kommt das Aperschnalzen?

Der Name verrät eine Deutung. Aper heißt im Alpenraum schneefrei, die österreichische UNESCO-Kommission leitet das Wort vorsichtig aus dem Althochdeutschen ab. Am weitesten verbreitet ist die Erklärung, der Lärm solle den Winter und böse Mächte vertreiben. Andere sehen einen Fruchtbarkeitsbrauch, der die Saat unter dem Schnee wecken soll. Gern wird der Brauch als vorchristlich bezeichnet, auch die Schnalzervereinigung tut das, räumt aber zugleich unterschiedliche Auffassungen über die Entstehung ein. Schriftlich belegen lässt sich ein so hohes Alter nicht. Die Geschichte von einem Verständigungssignal in der Pestzeit ist ebenfalls nicht belegt.

Fassbar wird der Brauch erst spät. Ein erster Hinweis aus Gois stammt angeblich von 1730, urkundlich belegt ist das Schnalzen seit 1810. 1829 erließ die Stadt Laufen ein Schnalzverbot wegen Ruhestörung, ein früher Beleg dafür, dass der Brauch damals schon verbreitet und laut war. Die österreichische UNESCO-Kommission sieht seine Wurzeln im geschickten Umgang mit der Peitsche aus Zeiten, in denen die Arbeit mit Tieren zum Alltag gehörte.

Im frühen 20. Jahrhundert rückte das Schnalzen in die Faschingszeit, und es entstanden Wettbewerbe. 1954 fand das erste Rupertigau-Preisschnalzen statt, 1957 gründete sich die Schnalzervereinigung Rupertiwinkel, um den Brauch zu pflegen.

Wie wird geschnalzt?

Die Goaßl

Das Werkzeug heißt Goaßl, eine Peitsche aus einem Holzstiel und einem Hanfseil, das mit schwarzem Pech eingelassen ist. Am Ende sitzt ein Bast, der durch den schnellen Richtungswechsel den Knall erzeugt. Vor dem Zweiten Weltkrieg waren die Goaßln fast doppelt so lang wie heute. Der richtige Griff ist eine Wissenschaft für sich, an der Nachwuchsschnalzer lange üben.

Die Passe

Eine Passe besteht immer aus einer ungeraden Zahl, meist aus neun Schnalzern. Der erste ist der Aufdreher, meist der Kleinste der Gruppe. Er eröffnet mit einem Ruf, danach setzen die anderen der Reihe nach ein. Den Abschluss, das Draufschnalzen, übernimmt der Kräftigste. Jeder schnalzt in zwei Durchgängen neun- oder elfmal.

Für das Preisschnalzen gelten feste Regeln. In der allgemeinen Klasse sind nur Passen mit sieben, neun oder elf Schnalzern zugelassen. Auf der Schnalzerwiese werden neun Standplätze ausgelegt. Taktzeichen mit Armen oder Beinen und jede Art von Hilfsmitteln sind verboten. Wer im Jahr vor dem Wettbewerb 18 geworden ist, schnalzt nicht mehr in der Jugend, sondern bei den Erwachsenen.

In der Jugend sind die Regeln etwas großzügiger. Eine Jugendpasse braucht mindestens sieben Schnalzer, meist sind es sieben, neun oder elf, bei Kinderpassen ausnahmsweise auch acht oder zehn. Fällt jemand krank aus, darf eine Passe einen einzigen Ersatzmann aus einer anderen Passe holen, das Umistehn. Er muss am Wettkampftag bei der Anmeldung gemeldet werden. Fehlt mehr als einer, tritt die Passe eben zu siebt an. Dass die Schnalzervereinigung solche Details schriftlich festhält, zeigt, wie ernst der Wettbewerb genommen wird.

Das Rupertigau-Preisschnalzen

Höhepunkt der Saison ist das Rupertigau-Preisschnalzen. Es findet seit 1954 einmal im Jahr statt, eine Woche vor dem Faschingssonntag, jedes Jahr an einem anderen Ort. Es beginnt mit einem Festzug, beteiligt sind mehr als 1.500 aktive Schnalzer aus Bayern und Salzburg.

Bewertet wird streng. Sieben Preisrichter hören die Passen, ohne sie zu sehen, und vergeben Punkte für gleichmäßigen Takt und Lautstärke. Am Ende steht der Generalpasch, bei dem alle Passen gemeinsam schnalzen.

2026 war Kirchanschöring Gastgeber des 71. Rupertigau-Preisschnalzens: Freitag mit Probeschnalzen, Samstag mit rund 80 Jugendpassen, Sonntag mit rund 130 Passen der allgemeinen Klasse. 2027 findet das Rupertigau-Preisschnalzen am 30. und 31. Januar in Loig bei Wals auf Salzburger Seite statt.

Vor dem großen Wettbewerb laufen die Gemeinde- und Gebietspreisschnalzen, etwa in Surheim, Weng, Moosen, Gois, St. Georgen, Waging am See und Anger. Die Zählung verrät, wie lange diese Treffen schon bestehen: 2026 fand in Surheim das 52. Gebietspreisschnalzen Saaldorf-Surheim und Freilassing statt, in Weng das 51. Ainringer Gemeindepreisschnalzen. Die Termine veröffentlicht die Schnalzervereinigung jeweils für die laufende Saison.

Verwandte Bräuche

Das Aperschnalzen ist nicht das einzige Knallen im bayerischen Winter. Mit dem Goaßlschnalzen teilt es das Werkzeug, die Goaßl; worin sich beide Bräuche unterscheiden, erklärt die eigene Seite. In dieselbe dunkle Jahreszeit fallen die Rauhnächte und der Perchtenlauf, die ebenfalls gern als Winteraustreiben gedeutet werden. Wenn die Saison am Faschingsdienstag endet, übernimmt der Fasching in Bayern. Weitere Bräuche aus dem Südosten Oberbayerns stellt die Seite Altbayern vor, die Termine des Winters stehen im Januar.

Termine der Saison

Sa30.Jan 2027

Rupertigau-Preisschnalzen 2027

Samstag, 30. Januar 2027 bis 31. Januar 2027, 11:00 Uhr. Loig, Amselweg 11, 5071 Wals (Salzburg), Land Salzburg (Österreich). Quelle: Veranstalter.

Termine nach Angaben der Veranstalter, ohne Gewähr. Kurzfristige Änderungen veröffentlichen die Gemeinden und Vereine.

Häufige Fragen

Wann ist das Rupertigau-Preisschnalzen 2027?

Das Rupertigau-Preisschnalzen 2027 findet am Samstag, 30. Januar, und Sonntag, 31. Januar 2027 in Loig bei Wals im Salzburger Land statt. Veranstalter ist die Schnalzergruppe Loig, Beginn ist samstags um 11 Uhr und sonntags um 10 Uhr. 2026 war Kirchanschöring auf bayerischer Seite Gastgeber.

Was bedeutet Aperschnalzen?

*Aper* heißt im Alpenraum schneefrei, das Schnalzen soll der verbreitetsten Deutung nach den Winter vertreiben und den Boden aper machen. Andere sehen darin einen Fruchtbarkeitsbrauch, der die Saat unter dem Schnee wecken soll. Beide Deutungen sind volkstümlich, sicher belegt ist keine; auch die Idee eines Verständigungssignals in der Pestzeit ist nicht belegt.

Wie viele Schnalzer gehören zu einer Passe?

Eine Passe besteht immer aus einer ungeraden Zahl, meist aus neun Schnalzern. In der allgemeinen Klasse sind beim Preisschnalzen nur Passen mit sieben, neun oder elf Schnalzern zugelassen, in der Jugend mindestens sieben. Jeder schnalzt in zwei Durchgängen neun- oder elfmal.

Wie wird beim Preisschnalzen bewertet?

Sieben Preisrichter bewerten nach einem Punktesystem den gleichmäßigen Takt und die Lautstärke, ohne die Passe zu sehen. Hilfsmittel aller Art und Taktzeichen mit Armen oder Beinen sind verboten und führen zur Disqualifikation.

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