Aperschnalzen
Aperschnalzen im Rupertiwinkel: was hinter dem rhythmischen Peitschenknallen steckt, wie eine Passe schnalzt und wann das Rupertigau-Preisschnalzen 2027 ist.
JanuarGoaßlschnalzen in Bayern: Herkunft des Peitschenknallens der Fuhrleute, Bau der Goaßl, Schnalzen im Takt, Meisterschaft und Unterschied zum Aperschnalzen.
Goaßlschnalzen ist das rhythmische Knallen mit der Fuhrmannspeitsche, der Goaßl, das in Bayern, Österreich und Südtirol gepflegt wird. Es geht auf die Fuhrleute zurück, die mit eigenen Knallfolgen ihre Ankunft ankündigten und vor Gefahrenstellen warnten. Heute schnalzen Einzelne und Gruppen das ganze Jahr über bei Festen, oft im Takt zur Blasmusik, und messen sich seit 1989 bei der Bayerischen Meisterschaft.
Es beginnt mit einem einzelnen trockenen Knall, dann setzt ein zweiter ein, ein dritter, und plötzlich steht eine Reihe von Burschen in Tracht auf der Bühne und schlägt mit langen Peitschen einen Rhythmus in die Luft, so präzise, dass die Blaskapelle daneben fast überflüssig wirkt. Goaßlschnalzen ist laut, das sei gleich gesagt. Wer in der ersten Reihe steht, spürt die Knalle eher im Brustkorb als in den Ohren. Und doch ist es eine der feinsten Geschicklichkeitskünste, die das bayerische Brauchtum zu bieten hat.
Der Name erklärt sich aus zwei Dialektwörtern. Die Goaßl ist die Geißel, also die Fuhrmannspeitsche. Schnalzen bezeichnet das laute, schnelle Knallen damit. Goaßlschnalzen wird in Bayern, in Österreich und in Südtirol gepflegt, wo es Goaßlschnöllen heißt.
Der Knall entsteht nicht dadurch, dass die Peitsche irgendwo aufschlägt. Er entsteht in der Luft, am Ende der Schnur, das man Schmitz nennt. Bei der schnellen Gegenbewegung beschleunigt diese kleine Schlaufe so stark, dass sie die Schallgeschwindigkeit durchbricht. Messungen von 1998 kamen nach einem Bericht auf rund 2.000 Kilometer pro Stunde, deutlich mehr als die Schallgeschwindigkeit, erreicht innerhalb von etwa einer Sekunde. Der Knall ist also ein kleiner Überschallknall.
Die Wurzel ist praktisch, nicht mystisch. Fuhrleute mit Pferde- und Ochsengespannen knallten mit der Peitsche, wenn sie in eine Ortschaft einfuhren oder sich einer unübersichtlichen Kurve näherten. Das war die Hupe vor der Hupe. Damit man ein Gespann vom anderen unterscheiden konnte, entwickelten die Fuhrleute eigene Knallfolgen, aus denen regelrechte Erkennungsmelodien wurden.
Dabei bildeten sich feste Schlagarten heraus: der Vorhandschlag, der Rückhandschlag, der Doppelschlag und später die Triangel. Manche Fuhrleute wurden darin so geschickt, dass sie auch in ihrer freien Zeit übten. Auch Hirten nutzten die Goaßl, um sich über die Almen hinweg zu verständigen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwanden die Fuhrwerke endgültig aus dem Alltag. Das Schnalzen blieb, nun als Sport und gepflegte Tradition, meist getragen von Trachtenvereinen. Gelegentlich liest man, das Knallen solle böse Geister vertreiben. Diese Deutung ist verbreitet, für das Goaßlschnalzen aber nicht belegt; belegt ist die Herkunft aus dem Fuhrwesen.
Eine Goaßl besteht aus drei Teilen. Der Stecken ist ein etwa hüfthoher Stock aus Fichtenholz von rund fünf Zentimetern Durchmesser, der langsam gewachsen sein soll, damit er zäh ist. Daran hängt die Schnur aus Hanffasern, drei- oder vierfach gedreht und zum Ende hin immer dünner. Sie stammt der Form nach von den alten Zugstricken der Ochsen- und Pferdegespanne ab.
Am Ende sitzt der Schmitz, das eigentliche Knallstück. Er ist ein Verschleißteil und muss regelmäßig ersetzt werden. Manche Schnalzer verwenden heute Nylonschnur, die ohne Knoten angenäht wird. Gute Hanfschnüre fertigen nur noch wenige Seiler, genannt werden Werkstätten in Garmisch-Partenkirchen und Traunstein. Wer eine Goaßl kaufen will, ist deshalb mit dem Rat des örtlichen Vereins meist besser bedient als mit dem erstbesten Angebot im Netz.
Die Grundbewegung ist eine liegende Acht, die der Schnalzer mit der Schnur in die Luft zeichnet. Bei jedem Richtungswechsel knallt es. Die Kunst besteht darin, dass die Schnur dabei den eigenen Körper nicht trifft, was Anfängern erfahrungsgemäß nicht sofort gelingt. Wer Goaßlschnalzen lernen will, tut das am besten in einer Schnalzergruppe, mit Abstand zu Zuschauern und zu Fensterscheiben.
Bewertet werden bei Wettbewerben vor allem Tempo, Lautstärke und Rhythmus. Dazu kommt bei Gruppen die Frage, ob alle Knalle wirklich gleichzeitig fallen.
Richtig eindrucksvoll wird Goaßlschnalzen in der Gruppe. Die Schnalzer stellen sich in zwei Reihen auf, die man die Oberen und die Unteren nennt, und schlagen Klangfolgen zu drei oder vier Schlägen. Einer beginnt, die anderen setzen im selben Sekundenbruchteil ein. Das funktioniert nur mit Sichtkontakt. Kommt einer aus dem Takt, ist die Folge vorbei.
Häufig wird zur Musik geschnalzt, die Knalle setzen dann wie ein zusätzliches Schlagwerk ein. Für Wettbewerbe sind die Grenzen genau festgelegt: Seit 1979 dürfen höchstens drei Begleitmusiker spielen, es gibt nur einen Durchgang, und die Schnalzdauer ist auf drei Minuten begrenzt. Zusammen mit dem Schuhplattler gehört das Goaßlschnalzen zum festen Repertoire vieler Heimatabende, und wie dort zählt die passende bayerische Tracht zum Auftritt dazu.
Beide Bräuche nutzen eine Goaßl, und beide heißen im Alltag oft einfach „Schnalzen“. Trotzdem sind es zwei verschiedene Dinge.
| Goaßlschnalzen | Aperschnalzen | |
|---|---|---|
| Zeit | ganzjährig, bei Festen und Auftritten | 26. Dezember bis Faschingsdienstag |
| Region | Oberbayern, Österreich, Südtirol | historischer Rupertiwinkel an Salzach und Saalach |
| Form | Einzel, Doppel, Gruppe, oft mit Musik | eine Pass aus meist neun Schnalzern, ohne Musik |
| Peitsche | Goaßl mit hüfthohem Stecken | besonders lange Goaßl, über fünf Meter |
| Wettbewerb | Bayerische Meisterschaft seit 1989 | Rupertigau-Preisschnalzen |
Beim Aperschnalzen schnalzen die Mitglieder einer Pass nacheinander in festgelegter Reihenfolge, angeführt vom Aufdraher. Der Brauch ist im Winter verankert, die verbreitete Deutung als Austreiben des Winters ist allerdings nicht belegt. Das Aperschnalzen im Rupertiwinkel steht seit 2013 im österreichischen Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes. Das Goaßlschnalzen ist dagegen eine Vorführkunst ohne festen Kalenderplatz.
Ein erstes Preisschnalzen gab es 1963 beim Zentral-Landwirtschaftsfest, das parallel zum Oktoberfest stattfand. Angemeldet waren rund 30 Einzelschnalzer, eine Gruppe aus Prien trat mit Musik außer Konkurrenz an. Beim nächsten Landwirtschaftsfest 1966 kam ein Gruppenschnalzen dazu. Die Goaßlschnalzer hatten damit eine Bühne mitten in München, vor einem Publikum, das sonst eher Blasmusik im Bierzelt kennt.
In Miesbach fand 1972 das erste Vergleichsschnalzen mit fünf Gruppen statt. Bis 1977 wuchs die Zahl auf 23 Gruppen, im selben Jahr wurde erstmals die Goldene Goaßl als Siegespreis vergeben. 1989 wurde aus dem Miesbacher Goaßlschnalzen die Bayerische Meisterschaft im Goaßlschnalzen. An der ersten nahmen 36 Gruppen teil, Sieger waren die Hochberger aus Traunstein. Gewertet wird bis heute nach den Miesbacher Richtlinien von 1989, die 2002 geändert wurden. Als Rekordmeister galt 2003 die Gruppe aus Traunwalchen.
Die sicherste Gelegenheit bietet die Leonhardifahrt in Bad Tölz am 6. November. Dort bildet das Leonhardidreschen, ein Goaßlschnalzen in der Marktstraße, den Abschluss des Umzugs. Wer die Termine im Herbst sucht, findet sie im Überblick zum November.
Daneben schnalzen Gruppen bei Trachtenfesten, Volksfesten und Heimatabenden in ganz Oberbayern, vom Oberland bis in den Chiemgau. Tölzer Gruppen sind sogar bei der Expo 2000 in Hannover und in Kairo aufgetreten. Wer tiefer in die Münchner Seite des Brauchs einsteigen möchte, findet bei der Schwester-Site einen eigenen Beitrag zum Goaßlschnalzen in München. Weitere Bräuche zwischen Gewand, Klang und Bewegung versammelt die Rubrik Tracht, Musik und Tanz.
Am besten in einer Schnalzergruppe eines Trachtenvereins, wo Erfahrene Technik und Takt vermitteln. Die Grundbewegung ist eine liegende Acht, die man mit der Schnur in die Luft zeichnet, ohne den eigenen Körper zu treffen. Das gelingt Anfängern selten auf Anhieb, deshalb empfiehlt sich Geduld und Abstand zu Zuschauern.
Der Knall entsteht in der Luft, nicht durch einen Schlag auf den Boden. Bei der schnellen Richtungsänderung beschleunigt das Schnurende, der Schmitz, so stark, dass es die Schallgeschwindigkeit übersteigt. Messungen von 1998 ergaben laut einem Bericht rund 2.000 Kilometer pro Stunde.
Gute Goaßln werden traditionell von Hand gefertigt: ein Stecken aus Fichtenholz und eine gedrehte Hanfschnur, die ein Seiler herstellt. Seiler mit diesem Handwerk gibt es nur noch wenige, genannt werden etwa Werkstätten in Garmisch-Partenkirchen und Traunstein. Viele Schnalzer lassen sich über ihren Verein beraten oder fertigen den Stecken selbst.
Aperschnalzen ist ein Winterbrauch im Rupertiwinkel, bei dem Gruppen von neun Schnalzern zwischen dem 26. Dezember und dem Faschingsdienstag mit sehr langen Goaßln schnalzen. Goaßlschnalzen ist dagegen nicht an eine Jahreszeit gebunden und wird oft als Vorführung im Takt zur Musik gezeigt.
Die erste Bayerische Meisterschaft fand 1989 statt, hervorgegangen aus dem Miesbacher Vergleichsschnalzen, das es seit 1972 gab. Gewertet wird nach den Miesbacher Richtlinien von 1989, die 2002 geändert wurden. Es gibt Einzel-, Doppel- und Gruppenwettbewerbe.
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