Brauchtum in BayernBräuche, belegt erzählt
Regionen

Bayerns Regionen und ihr Brauchtum

Bayern besteht kulturgeschichtlich aus drei großen Räumen: Altbayern mit den Regierungsbezirken Oberbayern, Niederbayern und Oberpfalz, Franken mit Ober-, Mittel- und Unterfranken und Schwaben mit dem gleichnamigen Regierungsbezirk samt Allgäu. Franken und Schwaben kamen erst ab 1803 zu Bayern. Die drei Räume unterscheiden sich in Mundart, Konfessionsgeschichte und Brauchtum deutlich.

Wer von Garmisch nach Würzburg fährt, bleibt die ganze Strecke in Bayern und kommt doch in eine andere Welt. Aus dem bairischen Bruada wird erst ein Bruda und in Teilen Frankens ein Brurer, und aus dem Kirta ist irgendwo zwischen Donau und Main die Kerwa geworden. Wo genau, darüber lässt sich trefflich streiten, denn Sprachgrenzen sind breite Übergangszonen und keine Linien auf der Landkarte. Bayern ist ein junges Land, das aus alten Teilen zusammengesetzt ist, und das Brauchtum zeigt die Nähte bis heute.

Wie ist Bayern gegliedert?

Verwaltungstechnisch hat der Freistaat sieben Regierungsbezirke: Oberbayern, Niederbayern, Oberpfalz, Oberfranken, Mittelfranken, Unterfranken und Schwaben. Kulturgeschichtlich lassen sie sich zu drei Räumen bündeln. Altbayern umfasst die drei alten Landesteile des Herzogtums, Franken die drei fränkischen Bezirke, und Schwaben den Regierungsbezirk im Südwesten mit dem Allgäu. Die Grenzen der heutigen Bezirke decken sich dabei nur ungefähr mit den Kulturräumen. Das Sechsämterland um Wunsiedel etwa liegt in Oberfranken, spricht aber nordbairisch.

Dass die Teile so verschieden sind, hat mit der Geschichte zu tun. Franken und Schwaben kamen erst ab 1803 unter napoleonischem Druck zu Bayern, durch Säkularisation und Mediatisierung, durch Tausch und Friedensschlüsse. Die fränkischen Bezirke tragen ihre heutigen Namen seit 1838, Schwaben hieß ab 1837 zunächst Schwaben und Neuburg. Bis dahin hatten diese Landschaften jahrhundertelang eigene Herren, eigene Konfessionen und eigene Feste gehabt.

Wie kamen Franken und Schwaben zu Bayern?

Die fränkischen Gebiete fielen in mehreren Schüben an Bayern. Ab 1803 kamen geistliche Herrschaften und Reichsstädte durch Säkularisation und Mediatisierung, 1806 Nürnberg und das zuvor preußische Ansbach, 1810 Bayreuth, 1814 nach dem Wiener Kongress Würzburg und Aschaffenburg. Vorher hatte der Fränkische Reichskreis seit 1512 einen lockeren Rahmen gebildet, der mit dem Alten Reich 1806 endete.

In Schwaben ging es ähnlich. Aus den 1803 erworbenen Gebieten wurde eine Provinz Schwaben gebildet, 1805 kamen mit dem Frieden von Pressburg weitere Teile hinzu. 1837 hieß der Kreis „Schwaben und Neuburg“, erst 1938 wurde der Name auf Schwaben verkürzt.

Woran erkennt man die Regionen im Brauchtum?

Am deutlichsten an drei Dingen.

  • Mundart: In Altbayern wird Bairisch gesprochen, in Franken Ostfränkisch, in Schwaben überwiegend Schwäbisch-Alemannisch. Der Lech gilt als westliche Grenze des Bairischen.
  • Konfession: Altbayern ist überwiegend katholisch geprägt. In Franken und in den ehemaligen schwäbischen Reichsstädten hat die Reformation tiefe Spuren hinterlassen. Das wirkt sich bis in den Kalender aus, etwa beim Feiertag Mariä Himmelfahrt, der nur in überwiegend katholischen Gemeinden gilt.
  • Festformen: Dasselbe Fest sieht in jeder Region anders aus. Die Kirchweih heißt in Altbayern Kirta und wird vielerorts am dritten Sonntag im Oktober gefeiert, in Franken und der Oberpfalz als Kerwa oder Kirwa übers ganze Sommerhalbjahr verteilt.

Manche Bräuche sind dagegen fest an eine Landschaft gebunden. Die Osterbrunnen gehören zur Fränkischen Schweiz, der Viehscheid zum Allgäu, das Wolfauslassen zum Bayerischen Wald.

Wie sind die Regionenseiten aufgebaut?

Jede Regionenseite erklärt, was zu dieser Region gehört, wie sie bayerisch wurde, wie man dort spricht und welche Bräuche typisch sind. Am Ende jeder Seite stehen alle Bräuche, die dieser Region zugeordnet sind. Bräuche, die in ganz Bayern gepflegt werden, wie der Maibaum, erscheinen auf allen drei Seiten.

Region

Altbayern

Brauchtum in Altbayern: was Oberbayern, Niederbayern und Oberpfalz verbindet, wie Bairisch klingt und welche Bräuche vom Kirta bis Leonhardi typisch sind.

79 Bräuche
Region

Franken

Brauchtum in Franken: wie Ober-, Mittel- und Unterfranken bayerisch wurden, wie Fränkisch klingt und welche Bräuche von Kerwa bis Osterbrunnen typisch sind.

57 Bräuche
Region

Schwaben

Brauchtum in Bayerisch-Schwaben und im Allgäu: wie Schwaben bayerisch wurde, wie man dort spricht und welche Bräuche von Funkenfeuer bis Viehscheid gelten.

63 Bräuche
Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Welche Regierungsbezirke hat Bayern?

Bayern hat sieben Regierungsbezirke: Oberbayern, Niederbayern, Oberpfalz, Oberfranken, Mittelfranken, Unterfranken und Schwaben. Die ersten drei bilden zusammen Altbayern, die drei fränkischen Bezirke Franken.

Was ist Altbayern?

Altbayern ist der Teil des Freistaats, der in der Tradition des mittelalterlichen Herzogtums Bayern steht und in dem bairische Mundarten gesprochen werden, also im Kern Oberbayern, Niederbayern und die Oberpfalz. Der Begriff grenzt diese Landesteile von Franken und Schwaben ab, die vor allem nach 1801 zum bayerischen Staat kamen.

Gehört Franken zu Bayern?

Der größte Teil Frankens gehört zu Bayern, aufgeteilt auf die Regierungsbezirke Ober-, Mittel- und Unterfranken. Kleinere Teile liegen in Baden-Württemberg, Hessen und Thüringen. Bayerisch wurde Franken schrittweise ab 1803, zuletzt kamen 1814 Würzburg und Aschaffenburg dazu.