Brauchtum in BayernBräuche, belegt erzählt
Regionen

Bayerisch-Schwaben, das Allgäu und ihr Brauchtum

Bayerisch-Schwaben ist der Regierungsbezirk Schwaben im Südwesten Bayerns mit Sitz in Augsburg, im Süden liegt das Allgäu. Die Gebiete kamen 1803 und 1805 zu Bayern, gesprochen werden überwiegend schwäbisch-alemannische Mundarten. Typisch sind Funkenfeuer, Viehscheid, Klausentreiben und die schwäbisch-alemannische Fasnet, in Augsburg das Friedensfest am 8. August.

Schwaben ist der bayerische Landesteil, über den in München am wenigsten nachgedacht wird, und das ist ein Versäumnis. Zwischen dem Nördlinger Ries und dem Oberstdorfer Talkessel liegt eine Region, die eine alte Reichsstadt mit eigenem Feiertag, den Viehscheid und einen Feuerbrauch hat, der im übrigen Freistaat kaum bekannt ist.

Was gehört zu Bayerisch-Schwaben?

Gemeint ist der Regierungsbezirk Schwaben im Südwesten Bayerns, zugleich ein kommunaler Bezirk, beide mit Sitz in Augsburg. Im Süden liegt das Allgäu, das die Tourismuswerbung gern getrennt von „Bayerisch-Schwaben“ vermarktet, kulturgeschichtlich aber dazugehört. Nicht zu verwechseln ist das bayerische Schwaben mit dem württembergischen. Beide teilen Mundart und viele Bräuche, haben aber seit über 200 Jahren unterschiedliche Landesherren.

Bayerisch wurde die Region 1803, als Gebiete in Schwaben an Bayern fielen und zu einer Provinz zusammengefasst wurden. Mit dem Frieden von Pressburg kamen 1805 weitere Teile dazu. Ab 1837 hieß der Kreis „Schwaben und Neuburg“, 1938 wurde der Name verkürzt. Konfessionell ist der Bezirk überwiegend katholisch, nach dem Zensus 2011 zu gut 60 Prozent, mit evangelischen Schwerpunkten im Nördlinger Ries und in den ehemaligen Reichsstädten.

Wie spricht man in Schwaben?

Überwiegend schwäbisch-alemannisch, also im Kern wie jenseits der Landesgrenze in Württemberg, mit eigenen regionalen Färbungen. Der Lech bildet die Sprachgrenze zum Bairischen. Östlich davon gehört ein Teil des Bezirks bereits zum bairischen Sprachraum, und am Lechrain zwischen Landsberg und Schongau, schon auf oberbayerischem Gebiet, ist der Übergang besonders gut zu hören.

Welche Bräuche sind typisch für Schwaben und das Allgäu?

Am deutlichsten unterscheidet sich der Fasching. Die schwäbisch-alemannische Fasnet reicht bis nach Bayerisch-Schwaben hinein, und am Sonntag nach dem Aschermittwoch, dem Funkensonntag, brennen im Allgäu die Funkenfeuer. Auf der Spitze des Holzstoßes sitzt eine Hexenpuppe, und wenn sie mit einem Knall explodiert, gilt das als gutes Zeichen. Die Hexe ist vermutlich eine Zutat des 19. Jahrhunderts, der Brauch selbst wird heute eher mit dem Ende der Fastnacht und dem alten Beginn der Fastenzeit erklärt als mit heidnischer Winteraustreibung.

Der Allgäuer Herbst gehört dem Viehscheid. Nach dem Abtrieb von den Gemeinschaftsalpen werden die Tiere an ihre Besitzer zurückgegeben, angeführt von der geschmückten Kranzkuh. Im Advent ziehen beim Klausentreiben am 5. oder 6. Dezember vermummte Gestalten mit Fellen, Hörnern und Kuhglocken lärmend durch die Orte. Die Bittprozessionen vor Christi Himmelfahrt heißen vielerorts Öschprozessionen. Auch der Schuhplattler und die Trachtenvereine sind im Allgäu fest verankert, und beim Fingerhakeln fanden schon Deutsche Meisterschaften im Ostallgäuer Stötten am Auerberg statt.

Augsburg hat seine eigenen Termine. Am 8. August feiert die Stadt seit 1650 das Hohe Friedensfest, das nur im Stadtgebiet gesetzlicher Feiertag ist. Damit hat Augsburg mehr Feiertage als jeder andere Ort in Deutschland, mehr dazu unter Feiertage in Bayern. Um Michaeli feiert die Stadt das Turamichele-Fest. Im Norden des Bezirks steht das Nördlinger Stabenfest im bayerischen Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes.

Und ein Stück Bauernwissen hat hier seine frühe Druckgeschichte: Eine der ältesten gedruckten Sammlungen von Wetterregeln, die Bauernpraktik von 1508, stammt von einem unbekannten ostschwäbischen Verfasser. Was aus solchen Regeln geworden ist, steht unter Bauernregeln.

Wie das Kirchenjahr im übrigen Bayern verläuft, zeigt der Brauchtumskalender. Viele Bräuche, etwa der Maibaum, sind in Schwaben ebenso zu Hause wie in Altbayern und Franken.

11Typisch für Schwaben
Herbst

Almabtrieb in Bayern

Almabtrieb in Bayern: warum das Vieh im Herbst geschmückt von der Alm kommt, was Aufkranzen und Fuikl bedeuten, wann Almabtriebe sind und wo man sie erlebt.

September
Tracht

Charivari

Charivari: was die Silberkette an der Lederhose ist, was Grandln, Fuchszähne und Münzen bedeuten, wie man sie trägt und was Katzenmusik damit zu tun hat.

Ganzjährig zur Tracht, beson
Fastenzeit

Funkenfeuer

Funkenfeuer im Allgäu und in Schwaben: wann der Funkensonntag 2027 ist, wie der Funken gebaut wird, was die Funkenhexe bedeutet und was ins Küchle gehört.

Februar
Karwoche

Heiliges Grab

Heiliges Grab in Bayern: was die barocken Grabkulissen der Karwoche zeigen, was die Glaskugeln bedeuten und wo man Heilige Gräber wie in Höglwörth sieht.

März
Advent

Klausentreiben

Klausentreiben im Allgäu: wann Klausen und Bärbele unterwegs sind, wie alt der Brauch belegt ist, wer mitlaufen darf und was 2026 in Sonthofen ansteht.

Dezember
Advent

Klöpfelnächte

Klöpfelnächte in Bayern: warum Kinder an den Donnerstagen im Advent an Türen klopfen, singen und Gaben sammeln, und was der Brauch seit 1454 erlebt hat.

Dezember
Faschingszeit

Schäfflertanz

Schäfflertanz in Bayern: woher der Tanz der Fassmacher kommt, warum er nur alle sieben Jahre stattfindet, wo außer München getanzt wird und wann wieder.

Januar
Volkstanz

Schuhplattler

Schuhplattler in Bayern: woher der Tanz kommt, wie Plattler, Burschenplattler und Holzhacker funktionieren, was beim Preisplatteln und Gaufest zählt.

Ganzjährig, Höhepunkt der Sa
Faschingszeit

Schwäbisch-alemannische Fasnet in Bayern

Fasnet in Bayerisch-Schwaben und im Allgäu: was Häs, Larve und Narrenzunft bedeuten, wie ein Narrensprung abläuft und wann die Fasnet 2027 am heißesten ist.

Februar
Tracht

Trachtenhut

Trachtenhut in Bayern: Miesbacher Scheibling, Werdenfelser und Chiemgauer Hut, Priener Hut für Frauen, dazu Gamsbart, Adlerflaum und Spielhahnfeder erklärt.

Ganzjährig zur Tracht, beson
Herbst

Viehscheid im Allgäu

Viehscheid im Allgäu: was am Scheidplatz passiert, warum das Kranzrind nur nach einem guten Sommer geschmückt wird und welche Termine 2027 schon feststehen.

September
Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Welche Bräuche gibt es im Allgäu?

Zu den bekanntesten gehören der Viehscheid im Herbst, bei dem die Tiere einer Gemeinschaftsalpe nach dem Abtrieb an ihre Besitzer zurückgegeben werden, das Funkenfeuer am Sonntag nach dem Aschermittwoch und das Klausentreiben am 5. oder 6. Dezember. Dazu kommen Schuhplattler, Trachtenvereine und die alemannisch geprägte Fasnet.

Ist Schwäbisch in Bayern dasselbe wie in Württemberg?

Es ist eng verwandt. Im Regierungsbezirk Schwaben werden überwiegend schwäbisch-alemannische Mundarten gesprochen, wie im benachbarten Baden-Württemberg, mit eigenen regionalen Färbungen. Östlich des Lechs beginnt dagegen der bairische Sprachraum, am Lechrain mischen sich beide.

Seit wann gehört Schwaben zu Bayern?

Seit 1803, als Bayern schwäbische Gebiete erhielt und daraus eine Provinz Schwaben bildete. 1805 kamen mit dem Frieden von Pressburg weitere Teile hinzu. Der Kreis hieß ab 1837 Schwaben und Neuburg, seit 1938 nur noch Schwaben.