Schuhplattler
Schuhplattler in Bayern: woher der Tanz kommt, wie Plattler, Burschenplattler und Holzhacker funktionieren, was beim Preisplatteln und Gaufest zählt.
Ganzjährig, Höhepunkt der SaBayerische Volksmusik von Blasmusik über Stubenmusik bis Zwiefacher und Gstanzl: Herkunft, Besetzungen, bekannte bayerische Lieder und regionale Unterschiede.
Bayerische Volksmusik umfasst die überlieferte Musik Bayerns zum Singen, Tanzen und Zuhören: Blasmusik, Stubenmusik mit Zither, Hackbrett und Harfe, Tanzmusik wie den taktwechselnden Zwiefachen und Liedformen wie das Gstanzl. Gepflegt wird sie in ganz Bayern, von Musikkapellen, Sängern und Trachtenvereinen, mit eigenen Schwerpunkten in Altbayern, Franken und Schwaben. Ihre bewusste Pflege geht wesentlich auf Sammler wie den Kiem Pauli zurück, der ab 1927 Lieder in Oberbayern aufzeichnete.
Man erkennt sie oft schon am ersten Takt. Ein Flügelhorn über einer behäbigen Tuba im Bierzelt, ein Hackbrett, das in einer Wirtsstube perlt, eine Zither, die man fast überhört, oder ein Tanzboden, auf dem plötzlich alle Paare gleichzeitig den Schritt wechseln, weil der Zwiefache vom Dreier- in den Zweiertakt springt. Bayerische Volksmusik ist kein einzelner Stil, sondern eine ganze Landschaft von Klängen. Und sie ist, das wird gern übersehen, etwas anderes als die Musik, die im Fernsehen unter diesem Namen läuft.
Unter Volksmusik versteht man die in einer Region überlieferte Musik, die von Laien gesungen, gespielt und getanzt wird, häufig ohne bekannten Komponisten und lange nur mündlich weitergegeben. In Bayern gehören dazu Lieder und Jodler, Tanzmusik wie Landler, Polka und Zwiefacher, die Musik der Blaskapellen und kleine Besetzungen für die Stube. Die Forschungsstelle für fränkische Volksmusik fasst den Begriff bewusst weit und schließt auch populäre Gebrauchsmusik für Brauch, Fest, Tanz und Unterhaltung ein.
Abzugrenzen ist die volkstümliche Musik, also Schlager mit Trachtenkostüm, für Bühne und Fernsehen produziert. Sie leiht sich Instrumente und Bilder der Volksmusik, folgt aber anderen Regeln. Wer in Bayern nach „bairischer Musik“ fragt, meint oft beides. Diese Seite beschäftigt sich mit der überlieferten Volksmusik.
Die Musik selbst ist alt, ihre Pflege als bewusste Aufgabe dagegen jung. Am Anfang steht ein Münchner, Emanuel Kiem, bekannt als Kiem Pauli (1882 bis 1960). Nachdem ihm Ludwig Thoma um Weihnachten 1919 eine Sammlung österreichischer Volkslieder geschenkt hatte, begann er, bayerische Lieder aufzuschreiben, die nur mündlich überliefert waren. Ab 1927 fuhr er mit dem Fahrrad von Hof zu Hof durch Oberbayern und notierte, was man ihm vorsang, oft begleitet vom Musikwissenschaftler Kurt Huber mit einem frühen Phonographen. 1934 erschien seine „Sammlung oberbayrischer Volkslieder“.
Berühmt wurde das Preissingen am 29. und 30. März 1930 im Gasthaus Überfahrt in Rottach-Egern am Tegernsee. Im schriftlichen Vorlauf wurden fast 1.000 Lieder eingereicht, ein Schatz für den Sammler, und der Rundfunk übertrug die Veranstaltung, die weithin Beachtung fand. Heute kümmern sich die Bezirke mit eigenen Beratungs- und Forschungsstellen um das Erbe, ebenso der Bayerische Landesverein für Heimatpflege und der Trachtenverband mit seinem Sachgebiet Volkslied und Volksmusik.
Zahlenmäßig stark sind vor allem die Blaskapellen. Ihre Dachorganisation ist der Bayerische Blasmusikverband, nach Angaben des Landkreises Passau mit über 110.000 aktiven Musikern. Allein im Musikbund von Ober- und Niederbayern spielen fast 25.000 Musiker, und der Jugendanteil in den Mitgliedskapellen liegt bei 65 Prozent.
Neben den großen Kapellen gibt es kleine Besetzungen, die zum Volkstanz aufspielen, in Altbayern oft Tanzlmusi genannt, etwa beim Kathreintanz im November. Auch die Wirtshausmusik erlebt eine Wiederkehr: Die Beratungsstelle in Schwaben lädt zu Reihen wie „Aufspiel'n beim Wirt“.
Ganz anders klingt die Stubenmusik, bairisch Stubnmusi. Sie ist für die Stube gedacht, nicht für das Festzelt, und deshalb leise und konzertant. Die ursprüngliche Besetzung bestand nur aus Saiteninstrumenten: Zither, Gitarre, Harfe, ein gezupfter Kontrabass und das chromatische Salzburger Hackbrett. Als Erfinder gilt der Salzburger Tobi Reiser, der 1953 sein Quintett gründete und Gitarre und Hackbrett die Melodie übernehmen ließ, die vorher meist nur begleiteten. In Bayern hatte Wastl Fanderl mit seiner Stelzenberger Hausmusik schon um 1930 ähnlich musiziert.
Reisers Besetzung wurde zum Vorbild für zahllose Gruppen in Österreich und Bayern, seit den 1960er Jahren tragen viele Ensembles das Wort im Namen. Heute kommen oft Steirische Harmonika, Akkordeon oder Geigen dazu, die sich dem zarten Gesamtklang unterordnen.
Der Zwiefache ist das Kunststück der bayerischen Tanzmusik. Dreher im Zweiertakt und Walzer im Dreiertakt wechseln sich in einer festen, aber von Stück zu Stück verschiedenen Folge ab. Wer die Melodie nicht kennt, kommt aus dem Tritt. Nicht ohne Grund bot der Bezirk Oberpfalz beim Zwiefachentag 2023 einen eigenen Workshop zu Stücken mit ungeraden Taktarten an.
In der Oberpfalz hat er einen besonderen Stellenwert: Der Bezirk richtet eigens einen Zwiefachentag aus, 2023 zum fünften Mal, in Waldsassen im Stiftland und mit Gruppen auch aus Tschechien. Seit 2016 steht der Zwiefache im bayerischen Landesverzeichnis und im Bundesweiten Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes. Auch in Schwaben werden Zwiefache gepflegt, die Beratungsstelle des Bezirks hat ein Notenheft mit schwäbisch-alemannischen Zwiefachen herausgegeben.
Das Gstanzl ist eine bayerisch-österreichische Liedform aus vier gereimten Zeilen, meist im Dreivierteltakt und fast immer in Mundart. Inhaltlich ist es oft ein Spottlied, kann aber auch ernst oder innig sein. Gute Sänger dichten aus dem Stegreif und können stundenlang singen, ohne sich zu wiederholen. Beim Gstanzlsingen antworten sie aufeinander, und es gewinnt, wer schlagfertiger ist. Verwandt oder gleichbedeutend sind Schnaderhüpfl und Trutzgsangl.
Ein fester Ort für Gstanzl ist die Bauernhochzeit, auf der der Hochzeitslader jedem Gast ein paar Zeilen widmet; mehr dazu bei den Hochzeitsbräuchen in Bayern. Zu den bekanntesten Gstanzlsängern zählt der Roider Jackl mit seinen politischen Versen, an den heute Brunnen auf dem Münchner Viktualienmarkt und in Freising erinnern. Wer Gstanzl-Texte sucht, findet in Liederheften viele Beispiele, die besten entstehen aber immer noch im Moment.
Fragt man nach bayerischen Liedern zum Mitsingen, landet man schnell bei Stücken, die gar keine Volkslieder im engeren Sinn sind. Die Bayernhymne „Gott mit dir, du Land der Bayern“ entstand 1860, der Münchner Lehrer Michael Öchsner schrieb den Text, Konrad Max Kunz die Melodie. Seit 1953 wird sie auf Beschluss des Landtags in den Schulen gelehrt, die heute gültige Textfassung gab Ministerpräsident Franz Josef Strauß 1980 bekannt.
Der wohl bekannteste bayerische Mitsingklassiker hat eine überraschende Herkunft. „In München steht ein Hofbräuhaus“ komponierte 1935 Wilhelm „Wiga“ Gabriel, ein Berliner, der Text soll von seinem Freund Klaus Siegfried Richter stammen, uraufgeführt wurde es auf dem Dürkheimer Wurstmarkt in der Pfalz. Daneben gibt es den großen Schatz überlieferter Volkslieder, Jodler und Almlieder, den Sammler wie der Kiem Pauli zusammengetragen haben und den heute Singgruppen, offene Singen und Trachtenvereine weitertragen.
Bayerische Volksmusik ist mehr als Oberbayern. In Franken sammelt und erforscht seit 1981 die Forschungsstelle für fränkische Volksmusik, eine Einrichtung des Bezirks Mittelfranken mit Unterstützung von Ober- und Unterfranken, die Musik der Region. Zu den fränkischen Figuren gehört der Liedsammler und Komponist Ernst Steinbauer aus Windsbach (1900 bis 1972), dessen Lieder heute viele Gruppen singen. Mehr zur Region bietet die Übersicht zu Franken.
In Schwaben sitzen die Beratungsstelle für Volksmusik des Bezirks und die vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege getragene Forschungsstelle für Volksmusik in Krumbach. Zu den schwäbischen Besonderheiten zählen die Krumbacher Française, Großtanzformen wie die Lance aus Oberstaufen, Klarinettentrios aus alten Notenhandschriften und das Raffele, eine der Urformen der Zither im Alpenraum. Für Verdienste um die Volksmusik vergibt man in Schwaben die „Schwäbische Nachtigall“.
Am lebendigsten ist die Volksmusik dort, wo sie gebraucht wird: auf dem Tanzboden, bei Kirchweih und Kathreintanz, bei Hochzeiten, beim Wirtshaussingen und in den Proben der Trachtenvereine, wo Plattlermusik und Schuhplattler zusammengehören. Wie Stubnmusi und Zwiefacher in München klingen und wo man sie dort hört, beschreibt Brauchtum München in seinem Beitrag zur Volksmusik in München. Weitere Seiten zu Tracht, Musik und Tanz versammelt die Rubrik Tracht, Musik und Tanz.
Als Volksmusik bezeichnet man Musik, die in einer Region überliefert und von Laien gespielt, gesungen und getanzt wird, oft ohne festen Komponisten. Davon zu unterscheiden ist die volkstümliche Musik aus Fernsehen und Schlagerbranche, die sich an Volksmusik anlehnt, aber für den Markt produziert wird. Die Forschungsstelle für fränkische Volksmusik fasst den Begriff bewusst weit und bezieht auch populäre Gebrauchsmusik ein.
Der Zwiefache ist ein bayerischer Volkstanz, bei dem Dreher im Zweiertakt und Walzer im Dreiertakt einander abwechseln. Wer ihn tanzen will, muss die Melodie kennen, denn die Taktfolge wechselt von Stück zu Stück. Seit 2016 steht der Zwiefache im Landes- und Bundesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes.
Ein Gstanzl ist ein kurzes Spottlied aus vier gereimten Zeilen, meist im Dreivierteltakt und in Mundart. Gute Sänger dichten es aus dem Stegreif und antworten aufeinander, bei Hochzeiten nimmt der Hochzeitslader damit die Gäste aufs Korn. Andernorts heißt es Schnaderhüpfl.
Zu den bekanntesten zählt die Bayernhymne von 1860, Text von Michael Öchsner, Melodie von Konrad Max Kunz. Weltweit bekannt ist auch „In München steht ein Hofbräuhaus“, das allerdings 1935 der Berliner Wilhelm Gabriel komponiert hat. Daneben gibt es viele Volkslieder, die Sammler wie der Kiem Pauli ab den 1920er Jahren aufgeschrieben haben.
Eine Stubenmusik, bairisch Stubnmusi, ist eine kleine, leise Besetzung für kleine Räume, ursprünglich nur mit Saiteninstrumenten: Zither, Gitarre, Harfe, Hackbrett und gezupfter Kontrabass. Als ihr Erfinder gilt der Salzburger Tobi Reiser mit seinem 1953 gegründeten Quintett, in Bayern musizierte Wastl Fanderl schon um 1930 ähnlich.
Schuhplattler in Bayern: woher der Tanz kommt, wie Plattler, Burschenplattler und Holzhacker funktionieren, was beim Preisplatteln und Gaufest zählt.
Ganzjährig, Höhepunkt der SaTrachtenvereine in Bayern: was ein Trachtenverein macht, wie 1883 in Bayrischzell alles begann, welche Gauverbände es gibt und was der Trachtenverband tut.
Ganzjährig; Höhepunkte sindKathreintanz: warum um den 25. November das letzte Tanzfest vor dem Advent steigt, was „Kathrein stellt den Tanz ein“ heißt, mit Münchner Kathreintanz 2026.
NovemberHochzeitsbräuche in Bayern von Altbayern bis Franken: Hochzeitslader, Hochzeitsbaum, Baumstammsägen, Brautentführung, Kammerwagen und vergessene Bräuche.
Ganzjährig; Bräuche verteileGoaßlschnalzen in Bayern: Herkunft des Peitschenknallens der Fuhrleute, Bau der Goaßl, Schnalzen im Takt, Meisterschaft und Unterschied zum Aperschnalzen.
Ganzjährig bei Festen; LeonhStand: 21. Oktober 2026. Redaktion Brauchtum in Bayern, Chinesischer Turm e.V. Hinweise und Korrekturen an servus@brauchtum-in-bayern.de.