Brauchtum in BayernBräuche, belegt erzählt
Tanz · Ganz Bayern

Kathreintanz

Kathreintanz: warum um den 25. November das letzte Tanzfest vor dem Advent steigt, was „Kathrein stellt den Tanz ein“ heißt, mit Münchner Kathreintanz 2026.

Kurz gesagt

Der Kathreintanz ist das traditionelle letzte Tanzfest vor dem Advent, benannt nach dem Gedenktag der heiligen Katharina am 25. November. Er findet meist am letzten Samstag vor diesem Tag statt und wird in Bayern, Österreich und Südtirol von Volkstanz- und Trachtengruppen gepflegt. Der Münchner Kathreintanz ist 2026 am Samstag, 21. November, im Hofbräuhaus.

Ende November hat der bayerische Tanzboden noch einmal Hochbetrieb. In Wirtshaussälen und Festsälen drehen sich Paare im Dreher und Boarischen, die Musikanten spielen sich durch Walzer, Polka und Zwiefache, und am Rand stehen die, die sich erst nach dem dritten Bier trauen. Dann ist Schluss, zumindest nach alter Ordnung. Denn „Kathrein stellt den Tanz ein“: Mit dem Kathreintanz um den 25. November verabschiedet sich die Volkstanzszene in die stille Zeit des Advents.

Was ist der Kathreintanz?

Der Kathreintanz ist ein Volkstanzfest, das traditionell die Tanzsaison des Jahres abschließt. Seinen Namen hat er vom Kathreintag, dem Gedenktag der heiligen Katharina von Alexandrien am 25. November. Gefeiert wird er meist am letzten Samstag vor diesem Datum, gepflegt in den deutschsprachigen Alpenländern und im fränkischen Raum. In Bayern laden vielerorts Trachtenvereine, Heimatvereine oder Volksmusikgruppen dazu ein, in den Städten auch kommunale Kultureinrichtungen.

Getanzt wird, was die bairische Volkstanztradition hergibt: Walzer, Dreher, Polka, Schottischer, Boarischer und Zwiefacher. Der Zwiefache, ein Rundtanz mit wechselndem Takt, steht übrigens seit 2016 im Bayerischen Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes. Wer die Tänze und die Musik dahinter kennenlernen will, findet unter Tracht, Musik und Tanz eine Übersicht.

Kathrein stellt den Tanz ein: was der Spruch bedeutet

Der Spruch „Kathrein stellt den Tanz ein“ gehört zu den bekanntesten bayerischen Kalendersprüchen. Er stammt aus einer Zeit, in der der Advent als Bußzeit galt. Öffentliche Tanzveranstaltungen waren in dieser Zeit verboten, und zwar vom Kathreintag bis Epiphanias, also bis Dreikönig am 6. Januar. Wer vorher noch einmal tanzen wollte, musste das am Kathreinwochenende erledigen.

Damit war der Kathreintanz über lange Zeit der letzte große Tanzabend vor einer gut sechswöchigen Pause. Der Brauch ist im ganzen Alpenraum bekannt, und die Logik ist überall dieselbe: Wer die stille Zeit ernst nimmt, tanzt sich vorher noch einmal aus.

Gilt das Tanzverbot im Advent noch?

Ein allgemeines Tanzverbot im Advent gibt es heute nicht mehr. Geblieben sind die stillen Tage, die das Bayerische Feiertagsgesetz schützt. Im Herbst und Winter sind das Allerheiligen, der Volkstrauertag zwei Sonntage vor dem ersten Advent, der Buß- und Bettag, der Totensonntag und der Heilige Abend ab 14 Uhr. An diesen Tagen sind öffentliche Unterhaltungsveranstaltungen nur erlaubt, wenn der ernste Charakter des Tages gewahrt bleibt. Der Schutz gilt in der Regel von 2 Uhr früh bis Mitternacht, am Heiligen Abend ab 14 Uhr. Mehr dazu auf der Seite zu den Feiertagen in Bayern.

Der Kathreintanz ist also heute kein Pflichttermin mehr, sondern ein Brauch, den man freiwillig pflegt. Gerade das macht ihn für viele reizvoll: Wer im November zum Kathreintanz geht, entscheidet sich bewusst für Volkstanz statt Club.

Wie läuft ein Kathreintanz ab?

Anders als in der Diskothek tanzt beim Kathreintanz nicht jeder, was er will. Bei größeren Veranstaltungen wie in München führen Tanzmeister durch das Programm und sagen die Tänze an. So können auch Gäste mitmachen, die nicht jede Woche im Volkstanzkreis stehen, und wer ohne Partner kommt, findet vor Ort einen. Neben den Paartänzen gehören Gruppentänze wie die Münchner Francaise dazu. Die Musik kommt live, in München etwa von Tanzlmusiken und einem Musikantenstammtisch, nicht aus der Konserve.

Der Münchner Kathreintanz 2026

Der bekannteste Kathreintanz in Bayern findet in München statt. Veranstalter ist Volkskultur in München, die Fachstelle des Kulturreferats der Landeshauptstadt, gemeinsam mit dem Hofbräuhaus. Nach Jahren im Löwenbräukeller ist der Tanz in die Festsäle des Hofbräuhauses am Platzl gezogen.

2026 ist der Münchner Kathreintanz am Samstag, 21. November, von 19 bis 23.30 Uhr, Einlass ab 18 Uhr. Getanzt wird im zweiten Stock auf drei Räume verteilt:

  • Festsaal: die Äff-tam-tam Musikanten, die Tanzmeister Katharina Mayer und Magnus Kaindl führen durch das Programm, einschließlich der Münchner Francaise.
  • Erkerzimmer: das Trio ZAKK mit Tänzen von bairisch bis international.
  • Münchner Zimmer: der Rengschburga Musikantenstammtisch mit einem Programm unter dem Motto „Zwiefache spezial“.

Tanzvorkenntnisse sind laut Veranstalter nicht nötig, wer allein kommt, findet vor Ort einen Partner. Zur Vorbereitung bietet Volkskultur in München kostenlose Tanzworkshops im Hofbräuhaus an, 2026 am 29. Oktober, 12. November und 20. November. Der Kartenvorverkauf über München Ticket beginnt am 2. November.

Zum Münchner Kathreintanz kommen ganze Volkstanzkreise ebenso wie Einzelpersonen, und schon ab dem Sommer gibt es Übungsabende. Das Publikum hat sich in den vergangenen Jahren verjüngt. Als Gründe gelten der allgemeine Trachtenboom, junge Tanzmeister und die Beliebtheit des Kocherlballs im Englischen Garten.

Kathreintanz in Bayern, Österreich und Südtirol

Außerhalb Münchens gibt es weitere Kathreintänze in Altbayern, Schwaben und Franken, ausgerichtet von Trachten- und Heimatvereinen oder Volksmusikgruppen. Die Termine geben die Veranstalter selbst bekannt.

Auch jenseits der Grenze ist der Brauch lebendig. Der Wiener Kathreintanz gilt mit rund 1.000 Teilnehmern als bedeutendste Veranstaltung des österreichischen Volkstanzes. Veranstalter ist die Arbeitsgemeinschaft der Wiener Volkstanzgruppen, die Spielorte haben mehrfach gewechselt: ab 1950 die Sofiensäle, nach deren Brand ab 1989 das Konzerthaus, von 2003 bis 2008 der Kursalon Hübner und seit 2011 das Palais Ferstel. Das Programm mischt Volkstänze mit Rundtänzen, sodass auch Gäste ohne Volkstanzerfahrung mitkommen. In Südtirol bildet der Landes-Kathrein-Tanz im Meraner Kursaal den Abschluss des Tanzjahres.

Der Kathreintanz im Jahreslauf

Der Kathreintanz steht am Ende einer Reihe von Herbstfesten. Auf die Kirchweih im Oktober mit Musik und Tanz folgen im November die stilleren Bräuche wie Allerheiligen und der Martinsumzug, bevor Kathrein den Tanzboden noch einmal öffnet und dann schließt. Wer sich für die männliche Tanzkunst mit Schlägen auf Schenkel und Schuhsohlen interessiert, liest beim Schuhplattler weiter. Die Kleidung, in der viele zum Kathreintanz kommen, beschreibt die Seite zur bayerischen Tracht.

Termine der Saison

Sa21.Nov 2026

Münchner Kathreintanz

Samstag, 21. November 2026, 19:00 Uhr. München, Hofbräuhaus am Platzl 9, 2. Stock, Landeshauptstadt München. Quelle: Veranstalter.

Termine nach Angaben der Veranstalter, ohne Gewähr. Kurzfristige Änderungen veröffentlichen die Gemeinden und Vereine.

Häufige Fragen

Was bedeutet Kathrein stellt den Tanz ein?

Der Spruch erinnert daran, dass der Advent früher als Bußzeit galt, in der öffentliche Tanzveranstaltungen verboten waren. Mit dem Kathreintag am 25. November endete deshalb die Tanzsaison, erst nach Dreikönig durfte wieder getanzt werden. Der Kathreintanz war die letzte Gelegenheit davor.

Wann ist Kathreintanz?

Der Kathreintanz findet traditionell am letzten Samstag vor dem 25. November statt, dem Gedenktag der heiligen Katharina. 2026 fällt der 25. November auf einen Mittwoch, viele Kathreintänze sind daher am Samstag, 21. November. Örtliche Veranstalter weichen teils ab.

Wann ist der Münchner Kathreintanz 2026?

Der Münchner Kathreintanz findet am Samstag, 21. November 2026, von 19 bis 23.30 Uhr im Hofbräuhaus am Platzl statt, Einlass ist ab 18 Uhr. Veranstalter ist Volkskultur in München, die Fachstelle des städtischen Kulturreferats. Tanzvorkenntnisse sind nicht nötig, vorab gibt es kostenlose Übungsabende.

Gilt im Advent heute noch ein Tanzverbot?

Nein, ein allgemeines Tanzverbot im Advent gibt es nicht mehr. In Bayern sind nur noch die gesetzlich stillen Tage geschützt, im November etwa Allerheiligen, der Volkstrauertag, der Buß- und Bettag und der Totensonntag, dazu der Heilige Abend ab 14 Uhr. Der Kathreintanz lebt als Brauch weiter, nicht als Pflicht.

Volkstanz

Schuhplattler

Schuhplattler in Bayern: woher der Tanz kommt, wie Plattler, Burschenplattler und Holzhacker funktionieren, was beim Preisplatteln und Gaufest zählt.

Ganzjährig, Höhepunkt der Sa
Herbst

Kirchweih in Bayern: Kirta und Kerwa

Kirchweih in Bayern: warum die Kirta am dritten Sonntag im Oktober ist, was Kerwa und Kirwa in Franken bedeuten, dazu Kirtahutschn, Kirtanudeln und Gans.

Oktober
Martini

Martinsumzug und Martinsgans

Martinsumzug in Bayern: warum Kinder am 11. November mit Laternen ziehen, woher Martinsgans und Martinsfeuer kommen und was der Pelzmärtel in Franken tut.

November
Tracht

Bayerische Tracht

Bayerische Tracht erklärt: Geschichte von Lederhose und Dirndl, Gebirgstracht und Miesbacher Tracht, Trachtenvereine und der Unterschied zur Landhausmode.

Ganzjährig, besonders zu Gau