Brauchtum in BayernBräuche, belegt erzählt
Volkstanz · Altbayern, Schwaben

Schuhplattler

Schuhplattler in Bayern: woher der Tanz kommt, wie Plattler, Burschenplattler und Holzhacker funktionieren, was beim Preisplatteln und Gaufest zählt.

Kurz gesagt

Der Schuhplattler ist ein Volkstanz des Ostalpenraums, bei dem Burschen im Dreivierteltakt mit den Händen auf Schenkel, Knie und Schuhsohlen schlagen. Er entstand aus dem Ländler als Werbetanz um das Mädchen und wurde ab 1883 von den Trachtenvereinen in Oberbayern zum Vereinstanz geformt. Getanzt wird er heute vor allem in Altbayern und im Allgäu, bei Heimatabenden, Gaufesten und im Wettbewerb beim Preisplatteln.

Es gibt Geräusche, die in Bayern mehr erklären als jede Broschüre. Das trockene Klatschen einer flachen Hand auf eine kurze Lederhose gehört dazu. Wenn auf einer Bühne im Festzelt acht Burschen gleichzeitig auf Schenkel, Knie und Schuhsohlen schlagen, dazu stampfen und ein Juchzer durch das Zelt fliegt, dann ist das ein Schuhplattler. Wer ihn zum ersten Mal sieht, hält ihn oft für eine Folklorenummer für Touristen. Ganz falsch ist das nicht, ganz richtig auch nicht. Der Tanz hat eine längere und verwickeltere Geschichte, als man ihm ansieht.

Was ist ein Schuhplattler?

Der Schuhplattler ist ein Volkstanz, bei dem die Tänzer mit den Händen in festgelegten Folgen auf Oberschenkel, Knie und Schuhsohlen schlagen. Dazu kommen Sprünge, Hüpfer und Stampfer. Das Verb dazu heißt platteln oder mundartlich schuhplattln, also mit der flachen Hand schlagen, und der Tänzer selbst ist der Plattler. Getanzt wird klassisch zur Musik eines Ländlers im Dreivierteltakt.

Wichtig für das Verständnis: Der Schuhplattler ist kein Solotanz eines Mannes, sondern ursprünglich ein Paartanz. Während der Bursche plattelt, dreht sich das Mädchen in Schrittfolgen um sich selbst. Am Ende finden beide wieder zusammen und tanzen gemeinsam weiter. Wer genau hinschaut, erkennt im Plattler deshalb noch heute die alte Werbung: Der Bursche zeigt, was er kann, das Dirndl lässt sich bitten.

Woher kommt der Schuhplattler?

Die Volkstanzforschung verortet den Schuhplattler im Ostalpenraum. Der Tanzforscher Karl Horak nannte 1961 Tirol, Südtirol, Salzburg und Oberbayern als die Zentralgebiete mit bodenständiger Überlieferung. Entwickelt hat sich der Tanz aus dem Ländler, einem gemächlichen Dreher im Dreivierteltakt, der auf dem Land bei Jung und Alt beliebt war. Aus dem Ländler wurde ein Einzelpaartanz, in dem der Bursche mit spontanen Sprüngen und Schlägen um das Mädchen warb.

Eine exakte Ersterwähnung des Schuhplattlers gibt es nicht. Als frühe datierte Belege gelten die Auftritte der Zillertaler Sängerfamilie Rainer, die ab 1824 mit Tiroler Abenden durch das Ausland tourte und den Werbetanz dabei zum Schautanz umbaute. Der Reisende Hugues Krafft beschrieb den Tanz 1886 in Partenkirchen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war der Plattler auch in Städten wie München, Wien und Graz bekannt.

Gern erzählt werden zwei ältere Herkunftsgeschichten. Die eine bezieht sich auf das lateinische Ritterepos Ruodlieb aus dem 11. Jahrhundert, das einen ähnlichen Tanz beschreiben soll. Ein Schenkelklatschen kommt darin allerdings nicht vor. Die andere geht auf den Schriftsteller Karl Stieler zurück, der um 1875 den Tanz aus dem Balzen des Auerhahns ableitete. Beides sind hübsche Legenden, belegt ist keine davon.

Wie die Trachtenvereine den Plattler geformt haben

Den Schuhplattler, den man heute auf Bühnen sieht, haben im Wesentlichen die Trachtenvereine gemacht. Am 25. August 1883 gründete der Lehrer Josef Vogl in Bayrischzell mit anderen jungen Burschen den ersten bayerischen Trachtenverein. Weitere Vereine folgten rasch, 1890 entstand mit dem Gauverband I der erste Dachverband. Mit den Vereinen kamen Proben, Vorplattler und feste Figuren. Was vorher von Tal zu Tal verschieden und oft spontan war, wurde vereinheitlicht, und viele örtliche Spielarten gingen dabei verloren.

Der Bayerische Trachtenverband beschreibt bis heute zwei Grundrichtungen. Im südöstlichen Oberbayern wird eher straff und exakt geplattelt, mit lauten Schlägen und aufrechter Haltung. Im Oberland und im übrigen südlichen Bayern ist der Stil weicher, mit runderen und lockereren Bewegungen. Welche Gruppe zu welcher Schule gehört, hört ein geübtes Ohr nach wenigen Takten. Wie eng Tanz und Gewand zusammenhängen, zeigt die Seite zur bayerischen Tracht: Ohne kurze Lederhose klingt der Schenkelschlag nur halb so gut.

Welche Plattlerformen gibt es?

Unter dem Wort Schuhplattler verbirgt sich eine ganze Familie von Tänzen. Die wichtigsten Formen:

  • Ländlerplattler: die ursprüngliche Form als Einzelpaar- und Rundtanz. Der Bursche plattelt, das Mädchen dreht sich, am Schluss tanzen beide zusammen.
  • Burschenplattler: ab Anfang des 20. Jahrhunderts eine Gruppenform, die nur von Burschen getanzt wird. Damit war die Tanzpartnerin zum ersten Mal entbehrlich.
  • Watschentanz: ebenfalls aus dem frühen 20. Jahrhundert und von Anfang an als Attraktion für die Sommergäste gedacht. Eine Watschn ist im Bairischen eine Ohrfeige, der Name verrät also die Pointe.
  • Marschplattler: in den 1950er Jahren entstanden, der bekannteste ist der Holzhacker. Auch er entstand mit Blick auf die Touristen, getanzt wird er nur von Burschen. Marschplattler geben den Dreivierteltakt auf.
  • Dirndldrahn: das weibliche Gegenstück im Vereinstanz, bei dem sich die Mädchen drehen und der Rock je nach Region unterschiedlich schwingt.

Daneben pflegen die Vereine Figurentänze wie den Bandltanz oder den Kronentanz und Volkstänze wie Landler und Zwiefachen, die mit dem Plattler verwandt sind, aber ohne Schläge auskommen. Wer den bayerischen Volkstanz im Jahreslauf erleben will, findet beim Kathreintanz im November eine der letzten großen Tanzgelegenheiten vor dem Advent.

Gaufest und Preisplatteln: wo der Plattler zeigt, was er kann

Der wichtigste Termin im Jahr eines Trachtenvereins ist das Gaufest, auch Gautrachtenfest genannt. Fast jeder der 22 Gauverbände im Bayerischen Trachtenverband veranstaltet jedes Jahr eines, den Zuschlag bekommt meist ein Mitgliedsverein, der gerade Jubiläum feiert. Der Ablauf folgt einem festen Muster: Am Vormittag ein Festgottesdienst, oft unter freiem Himmel, am Nachmittag ein Festzug durch den Ort, danach Tänze und Plattler im Bierzelt. Viele Gaufeste haben zusätzlich einen Heimatabend.

Die Größenordnung ist beachtlich. Beim Gaufest des Gauverbands I in Teisendorf 2023 zogen nach Angaben des Verbands Mitglieder aus 113 Vereinen mit 46 Musikkapellen und vierzehn Pferdegespannen durch den Ort, insgesamt über 8.000 Trachtler. Der Gauverband I bezeichnet sein Gaufest als das größte Trachtenfest Bayerns.

Zum Gaufest gehört vielerorts das Preisplatteln, auch Gaupreisplattln. Es ist der Wettbewerb unter den Plattlern, ausgetragen in Einzel- und Gruppenwertung. Der Trachtenverband verweist auf Preisplatteln schon 1892 in Traunstein und 1893 in Reichenhall. Bewertet werden die Genauigkeit der Figuren, die Technik und die Tracht, die vollständig und korrekt sein muss. Die Preisrichter werden eigens geschult. Ein schief sitzender Hut kostet hier tatsächlich Punkte.

Schuhplattler lernen: Verein statt Video

Schuhplattler lernt man fast immer dort, wo er auch getanzt wird: im örtlichen Heimat- und Trachtenverein. Die Kinder- und Jugendgruppen beginnen mit Grundschritten und einfachen Schlagfolgen, ein Vorplattler leitet an. Auf Gauebene gibt es Gauvorplattler, die Lehrgänge für die Vorplattler der Vereine halten. Der Bayerische Trachtenverband unterstützt das mit Schulungen und Dokumentationen, darunter ein Buch über die Trachtentänze und eine CD für die Plattlerprobe.

Für Anfänger gilt dabei eine nüchterne Erkenntnis: Ein Plattler sieht von außen leichter aus, als er ist. Die Schläge müssen auf den Taktschlag fallen, die Gruppe muss gleichzeitig sein, und das funktioniert nur mit Probenstunden über Monate. Wer es ausprobieren will, fragt beim nächsten Trachtenverein nach einer Probe.

Schuhplattler heute: Bühne, Bierzelt, Olympia

Der Schuhplattler ist heute einer der bekanntesten Tänze Bayerns und zugleich ein Vereinstanz mit strengen Regeln. Gruppen des Trachtenverbands traten bei der Eröffnung der Olympischen Spiele 1972 in München auf und sind beim Bürgerball der Oidn Wiesn aufgetreten. Gleichzeitig ist der Plattler in Gegenden gewandert, wo er nie zu Hause war: In Nordamerika gibt es seit 1914 Schuhplattlervereine, der 1966 gegründete Gauverband Nordamerika zählt heute über 80 Vereine.

Typisch ist der Tanz vor allem für Oberbayern und das bayerische Oberland, gepflegt wird er aber in Trachtenvereinen in ganz Altbayern und im Allgäu. Zum selben Klangbild gehört das Goaßlschnalzen, bei dem Burschen mit der Peitsche im Takt knallen. Wer sich für die Münchner Plattlergruppen und Vereine interessiert, findet bei Brauchtum München einen eigenen Beitrag zum Schuhplattler in München. Weitere Bräuche rund um Gewand, Musik und Tanz versammelt die Rubrik Tracht, Musik und Tanz.

Häufige Fragen

Woher kommt der Schuhplattler?

Der Schuhplattler stammt aus dem Ostalpenraum, als Kerngebiete gelten Tirol, Südtirol, Salzburg und Oberbayern. Er hat sich aus dem Ländler entwickelt, einem Paartanz im Dreivierteltakt, bei dem der Bursche um das Mädchen warb. Geschichten über einen mittelalterlichen Ursprung oder den Balztanz des Auerhahns sind Legenden ohne Beleg.

Warum schlagen sich Schuhplattler auf die Oberschenkel?

Die Schläge auf Schenkel, Knie und Schuhsohlen sind der Kern des Tanzes und geben ihm den Namen: Geplattelt wird mit der flachen Hand. Die Schläge folgen festen Figuren im Takt der Musik und machen den Tanz hörbar. Die kurze Lederhose sorgt dafür, dass der Schlag auf den Schenkel ordentlich knallt.

Welche Musik spielt man zum Schuhplattler?

Klassisch wird zur Musik eines Ländlers im Dreivierteltakt geplattelt. Nur Marschplattler wie der bekannte Holzhacker verlassen den Dreivierteltakt. Für die Probe hat der Bayerische Trachtenverband eigens eine CD mit Plattlermusik herausgegeben.

Wie lernt man Schuhplattler?

Schuhplattler lernt man in der Regel im örtlichen Heimat- und Trachtenverein, wo ein Vorplattler die Jugend- und Aktivengruppe anleitet. Die Grundschritte und Schlagfolgen werden langsam eingeübt, bevor sie im Takt zusammenkommen. Wer als Anfänger einsteigt, sollte mit regelmäßigen Proben über eine ganze Saison rechnen.

Tanzen auch Frauen Schuhplattler?

Im überlieferten Plattler platteln nur die Burschen, die Dirndl drehen sich dazu, was der Trachtenverband als Dirndldrahn bezeichnet. Reine Frauengruppen, die selbst platteln, gibt es seit einigen Jahren vor allem in Österreich und Südtirol, in der Trachtenszene sind sie umstritten.

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Quellen

  1. Bayerischer Trachtenverband: Sachgebiet Volkstanz und Schuhplattler
  2. Gauverband I: Glücksmomente beim Festsonntag (Gaufest Teisendorf 2023) (Dokument inzwischen nicht mehr online abrufbar)
  3. Wikipedia: Schuhplattler
  4. Wikipedia: Gaufest
  5. Wikipedia: Trachtenverein

Stand: 21. Oktober 2026. Redaktion Brauchtum in Bayern, Chinesischer Turm e.V. Hinweise und Korrekturen an servus@brauchtum-in-bayern.de.