Brauchtum in BayernBräuche, belegt erzählt
Tracht und Schützen · Altbayern

Gebirgsschützen

Gebirgsschützen in Bayern: Geschichte seit der Landesdefension, Bund mit 48 Kompanien, Patronatstag zu Ehren der Patrona Bavariae, Tracht und Böllerschützen.

Kurz gesagt

Die Bayerischen Gebirgsschützen sind traditionelle Schützenkompanien entlang der Alpen zwischen Werdenfelser Land und Berchtesgadener Land, die ihre Geschichte auf die Landesverteidigung früherer Jahrhunderte zurückführen. Im Bund der Bayerischen Gebirgsschützen-Kompanien, gegründet 1951, sind heute 48 Kompanien mit rund 12.000 Mitgliedern organisiert. Ihr höchstes Fest ist der Patronatstag am Sonntag, der dem Marienfest Patrona Bavariae am 1. Mai am nächsten liegt.

Wer an einem Sonntag im Mai in ein Dorf am Alpenrand gerät und plötzlich Hunderte Männer in grünen Hüten, roten Westen und schwarzen Lederhosen sieht, die mit geschultertem Gewehr hinter einer Marienfahne marschieren, ist nicht in einen Film geraten. Er ist bei den Gebirgsschützen gelandet, genauer: beim Patronatstag. Kaum eine Formation in Bayern verbindet Kirche, Heimatgeschichte und Tracht so selbstverständlich wie diese Kompanien, die sich nicht als gewöhnlichen Verein verstehen, sondern als eine Institution mit sehr langem Gedächtnis.

Wer sind die Gebirgsschützen?

Gebirgsschützen sind örtliche Schützenkompanien im oberbayerischen Alpenvorland und Gebirge. Ihr Gebiet ist schmal: Es reicht vom Werdenfelser Land im Westen bis ins Reichenhaller und Berchtesgadener Land im Osten, sein historischer Schwerpunkt liegt im Miesbacher Oberland und im Tölzer Isarwinkel. Wer nördlich von München nach Gebirgsschützen sucht, sucht vergeblich.

Eine Kompanie hat einen Hauptmann, eine Fahne, Salutschützen mit Gewehren und Marketenderinnen; bei großen Festen marschieren Blaskapellen und Spielmannszüge mit. Sie rückt zu kirchlichen Festen, zu Gedenktagen und bei staatlichen Anlässen aus. Die Kompanien betonen ihr Bekenntnis zu einem christlichen Weltbild, zur Heimat und zur Pflege des Schützenbrauchtums. Militärische Aufgaben haben die Kompanien seit über 150 Jahren nicht mehr, die Gewehre sind heute vor allem Symbol für die Verteidigung der Heimat.

Woher kommen die Gebirgsschützen?

Die Kompanien führen sich auf das bäuerliche Landaufgebot zurück, mit dem sich das Land in Notzeiten selbst verteidigte. Eine wichtige Phase sieht der Bund im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts: Ab 1488 wurden in Bayern verstärkt Musterungen der wehrfähigen Bürger und Bauern abgehalten. Unter Herzog Maximilian I. folgte die organisierte Landesdefension, auf die sich die Gebirgsschützen bis heute ausdrücklich berufen.

Zum Gründungsmythos gehört das Jahr 1705. Habsburgische Truppen besetzten damals Altbayern, es kam zum Volksaufstand der Oberländer, der in der sogenannten Sendlinger Mordweihnacht blutig endete. Daran erinnern die Gebirgsschützen jedes Jahr um Weihnachten am Oberländer-Denkmal in Waakirchen. Im Jahr 1805 ließ Kurfürst Max IV. Joseph ein eigenes Korps von Gebirgsschützen aufstellen.

Zum letzten Mal wurden die Gebirgsschützen 1866 aufgeboten, im Krieg zwischen Preußen und dem Deutschen Bund. Mit der Abschaffung der Landwehr zum 1. Januar 1870 trennte sich der Staat von den Kompanien als militärischem Element. Die meisten lösten sich auf, nur in Schliersee, Gmund, Lenggries, Wackersberg und Gaißach überlebten sie. Viele Aufgaben übernahmen Veteranen-, Trachten- und Schuhplattlervereine sowie die Feuerwehren.

Der Bund der Bayerischen Gebirgsschützen-Kompanien

Die Wiederbelebung begann nach dem Zweiten Weltkrieg im Tegernseer Tal. Sepp Bachmair, Hauptmann der Tegernseer Kompanie, organisierte 1949 in Rottach-Egern einen „Tag des Alpenländischen Volkstums“, 1950 kamen dazu bereits rund 25.000 Besucher. Im Mai 1951 wurde auf seine Initiative der Bund der Bayerischen Gebirgsschützen-Kompanien gegründet, im August 1951 gab er sich eine Satzung.

Eine Besonderheit dieser Satzung ist die Regel, dass eine Kompanie nur dort wiedergegründet werden darf, wo vor 1810 nachweislich eine bestanden hat. Wer also in einem Neubaugebiet eine Kompanie aufmachen will, braucht zuerst einen Archivfund. Viele Kompanien entstanden in den 1960er-Jahren neu, angeregt durch das Gedenken an 250 Jahre Sendlinger Mordweihnacht, Miesbach etwa erst 1979.

Heute zählt der Bund nach eigenen Angaben 48 Kompanien in sechs oberbayerischen Landkreisen mit rund 12.000 Mitgliedern, gegliedert in fünf Gaue oder Bataillone. An der Spitze steht der Landeshauptmann. Das größte Bataillon ist Inn-Chiemgau mit 17 Kompanien. Im April 2019 beschloss die Bundesversammlung in Raubling, sich um eine Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes zu bewerben.

Patronatstag: das höchste Fest der Gebirgsschützen

Der Patronatstag gilt der Gottesmutter als Patrona Bavariae, der Schutzfrau Bayerns. Die Idee ist alt: Herzog Maximilian machte die Marienverehrung um 1600 zum Staatsprogramm und ließ 1616 an der Fassade der Münchner Residenz eine Bronzemadonna als Patrona Boiariae anbringen. 1638 folgte die Mariensäule auf dem Münchner Marktplatz. Auf Bitten König Ludwigs III. genehmigte Papst Benedikt XV. am 26. April 1916 ein eigenes Fest Patrona Bavariae, das heute am 1. Mai im Kalender steht.

Die Gebirgsschützen feiern ihren Patronatstag an dem Sonntag, der diesem Fest am nächsten liegt, in der Praxis also meist am ersten Sonntag im Mai. Der erste fand 1952 in Reichersbeuern statt, das bis 1957 Gastgeber blieb. Seitdem wandert das Fest jedes Jahr zu einer anderen Kompanie, zweimal auch nach München (1983 und 2008). Zum Ablauf gehören ein Feldgottesdienst, ein Festzug durch den Ort mit Blaskapellen und Spielmannszügen und eine Festrede. 2018 in Bichl marschierten so rund 4.000 Gebirgsschützen aus allen Kompanien.

Der Patronatstag 2026 fand am 3. Mai 2026 in Traunstein statt, für 2027 nennt der Bund Beuerberg als Ort. Den genauen Termin gibt der Bund in seinem Kalender bekannt. Wer das Fest einmal erleben will, findet es in der Übersicht zum Mai im bayerischen Jahreskreis in guter Gesellschaft mit Maibaum und Maiandacht.

Tracht und Ausrüstung: Was die Gebirgsschützen tragen

Eine einheitliche Uniform gibt es nicht. Jede Kompanie trägt die ortstypische Tracht ihres Heimatorts, wie sie dort überliefert ist, und genau daran erkennt der Kenner, wer da marschiert. Allen gemeinsam ist der Grundgedanke einer historisch gewachsenen bayerischen Tracht, keine Fantasieuniform.

Wie das konkret aussieht, zeigt die Kompanie Miesbach-Parsberg-Wies: grüner Stopselhut mit weißer Gockelfeder und weiß-blauer Kokarde, rote doppelreihige Weste, dunkelbrauner Gehrock, schwarze Bundlederhose, altweiße Kniestrümpfe und Haferlschuhe. Die Dienstgrade erkennt man an Rangstreifen in Silber oder Gold am Revers. Offiziere tragen einen historischen Säbel, Pioniere Faschinenmesser und Axt, die Salutschützen ein Gewehr. In Miesbach etwa braucht, wer mit einer echten Waffe ausrückt, eine Waffenbesitzkarte und muss regelmäßig an Übungen teilnehmen.

Zu jeder Kompanie gehören Marketenderinnen. Früher versorgten sie die Truppe, heute kümmern sie sich um die Bewirtung von Schützen und Gästen, gern aus dem kleinen Schnapsfässchen. Wer mehr über die Sprache der Trachtenstücke wissen will, findet bei der Schwester-Site eine ausführliche Trachtenkunde aus München.

Gebirgsschützen und Böllerschützen: nicht dasselbe

Im Alltag werden beide gern verwechselt, weil es bei beiden kracht. Die Salutschützen der Gebirgsschützen schießen mit Gewehren Salut, wenn ihre Kompanie ausrückt, etwa an Fronleichnam. Böllerschützen dagegen schießen mit Böllern, also Geräten, die nur mit Schwarzpulver geladen werden und kein Geschoss abfeuern. Nach Angaben der Stadt München wird in Bayern seit dem späten 15. Jahrhundert geböllert.

Es gibt drei klassische Gerätetypen: den Handböller mit Holzschaft, den Schaftböller, auch Prangerstutzen genannt, und den Standböller, der am Boden steht und mit einer Abzugsschnur ausgelöst wird. Dazu kommen Kanonen. Bekanntester Auftritt ist das Böllerschießen von rund 60 Böllerschützen in Tracht auf den Stufen unter der Bavaria zum Abschluss des Oktoberfests.

Böllerschießen ist streng geregelt. Nach den Hinweisen des Bayerischen Sportschützenbunds braucht man in der Regel ein Mindestalter von 21 Jahren, eine Unbedenklichkeitsbescheinigung der Kreisverwaltungsbehörde, einen Lehrgang mit Prüfung und eine Bedürfnisbescheinigung des Vereins und eine Erlaubnis nach Paragraf 27 Sprengstoffgesetz, die in der Regel fünf Jahre gilt. Jeder Böller muss außerdem alle fünf Jahre vom Beschussamt geprüft werden.

Wann rücken die Kompanien aus?

Eine Kompanie wie Miesbach rückt nach eigenen Angaben rund zwanzigmal im Jahr aus. Fixpunkte sind der Patronatstag, Fronleichnam, der Volkstrauertag, Gedenkveranstaltungen und Ehrerweisungen.

Jeden Herbst trifft man sich zum Bundesschießen. Das 63. Bundesschießen lief vom 25. bis 27. September 2026 auf den Ständen in Kreuth, Bad Tölz und Partenkirchen. Im Dezember lädt der Bund zu einem Adventssingen ein. Und wer um die Weihnachtszeit nach Waakirchen fährt, sieht die Kompanien am Oberländer-Denkmal, wo an die Toten von 1705 erinnert wird.

Wo gibt es Gebirgsschützen?

Kompanien gibt es in den Landkreisen am Alpenrand, von Garmisch-Partenkirchen, Mittenwald, Murnau und Ohlstadt über Kochel, Benediktbeuern, Lenggries und Bad Tölz, das Tegernseer Tal mit Gmund, Tegernsee, Rottach-Egern und Kreuth sowie Schliersee, Miesbach und Bayrischzell bis nach Rosenheim, Raubling, Flintsbach, Oberaudorf, Aschau, Prien, Traunstein und Bad Reichenhall. Die Liste der bisherigen Patronatstage liest sich wie eine Landkarte dieses Gürtels.

Wer die Region an kirchlichen Festtagen besucht, begegnet den Kompanien leicht, ähnlich wie anderen großen Umzügen des Oberlands, etwa dem Leonhardiritt im November. Verwandte Themen zu Gewand, Musik und Tanz bündelt die Rubrik Tracht, Musik und Tanz, darunter das Goaßlschnalzen, eine weitere laute Spezialität derselben Landschaft. Einen Überblick über die Region gibt die Seite zu Altbayern.

Häufige Fragen

Wer ist der Patron der Gebirgsschützen?

Patronin der Bayerischen Gebirgsschützen ist die Gottesmutter Maria als Patrona Bavariae, die Schutzfrau Bayerns. Ihr Bild ziert die Fahnen der meisten Kompanien. Ihr zu Ehren feiern die Gebirgsschützen jedes Jahr den Patronatstag, ihr höchstes Fest.

Wann ist der Patronatstag der Gebirgsschützen?

Der Patronatstag fällt auf den Sonntag, der dem kirchlichen Fest Patrona Bavariae am 1. Mai am nächsten liegt, meist also auf den ersten Sonntag im Mai. Der Ort wechselt jedes Jahr zwischen den Kompanien. Das genaue Datum veröffentlicht der Bund der Bayerischen Gebirgsschützen-Kompanien in seinem Terminkalender.

Wo ist der Patronatstag 2026 und 2027?

Der Patronatstag 2026 fand am Sonntag, 3. Mai 2026, in Traunstein statt. Für 2027 nennt der Bund Beuerberg als Austragungsort. Ein bestätigtes Datum für 2027 lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor.

Wie viele Gebirgsschützenkompanien gibt es in Bayern?

Nach Angaben des Bundes gehören ihm 48 Kompanien in sechs oberbayerischen Landkreisen an, zusammen rund 12.000 Mitglieder. Gegliedert ist der Bund in fünf Gaue beziehungsweise Bataillone. Das größte ist das Bataillon Inn-Chiemgau mit 17 Kompanien.

Was ist das Bundesschießen der Gebirgsschützen?

Das Bundesschießen ist der jährliche Schießwettbewerb des Bundes, 2026 wurde es zum 63. Mal ausgetragen. Es findet im Herbst an drei Tagen auf mehreren Schießständen statt, 2026 in Kreuth, Bad Tölz und Partenkirchen. Die Ergebnisse veröffentlicht der Bund für das Gesamtfeld und für jede Kompanie.

Sind Gebirgsschützen und Böllerschützen dasselbe?

Nein. Gebirgsschützen sind historische Kompanien mit eigener Tracht, Fahne und Salutschützen, die mit Gewehren schießen. Böllerschützen feuern Böller ohne Geschoss ab, sind meist in Schützenvereinen organisiert und brauchen dafür eine Erlaubnis nach dem Sprengstoffgesetz.

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