Brauchtum in BayernBräuche, belegt erzählt
Regionen

Altbayern und sein Brauchtum

Altbayern umfasst die Regierungsbezirke Oberbayern, Niederbayern und Oberpfalz, also die Landesteile, die schon vor 1800 zum Herzogtum und Kurfürstentum Bayern gehörten. Es ist der Raum der bairischen Mundarten und überwiegend katholisch geprägt. Typisch sind Maibaum, Kirta, Leonhardi- und Georgiritte, Krampus und Perchten, im Bayerischen Wald Wolfauslassen und Totenbretter.

Altbayern ist das Bayern, das man aus dem Fernsehen kennt, und zugleich viel mehr als das. Zwischen Zugspitze und Fichtelgebirge, zwischen Lech und Böhmerwald liegen Landschaften, die außer der Sprache und dem Kirchturm im Dorf wenig gemeinsam haben. Ein Holzfäller im Bayerischen Wald und ein Bauer aus dem Chiemgau würden sich trotzdem sofort als Landsleute erkennen.

Was ist Altbayern?

Als Altbayern bezeichnet man die Teile des Freistaats, die in der Tradition des mittelalterlichen Stammesherzogtums der Bajuwaren stehen und in denen Bairisch gesprochen wird. Das sind im Kern die Regierungsbezirke Oberbayern, Niederbayern und Oberpfalz. Der Begriff zielt auf den Unterschied zu Franken und Schwaben: Diese Landesteile kamen vor allem nach 1801 zum bayerischen Staat und zählen nicht zu Altbayern.

Konfessionell ist Altbayern überwiegend katholisch geprägt. Das erklärt, warum hier so viele Bräuche an Heiligentagen, Wallfahrten und Prozessionen hängen.

Wie klingt Altbayern?

Bairisch ist nicht gleich Bairisch. In Ober- und Niederbayern und im Süden der Oberpfalz spricht man Mittelbairisch, die Variante mit dem höchsten Ansehen, auch weil die großen Städte des Sprachraums an der Donau liegen. Typisch ist die Schwächung harter Konsonanten: Aus dem Tag wird ein Dåg. Im größten Teil der Oberpfalz spricht man Nordbairisch, die altertümlichste Form, mit eigenen Zwielauten und niad statt net. Und im Werdenfelser Land um Garmisch beginnt bereits das Südbairische, das sich bis nach Tirol und Kärnten zieht. Nach Westen bildet der Lech die Grenze, am Lechrain um Schongau und Landsberg mischt sich schon Schwäbisches hinein.

Welche Bräuche sind typisch für Altbayern?

Vieles, was als „typisch bayerisch“ gilt, stammt aus Altbayern, oft genauer aus dem Oberland. Hier wurde 1883 in Bayrischzell der erste Gebirgstrachten-Erhaltungsverein gegründet, hier formten die Vereine den Schuhplattler zum Vereinstanz, und hier stehen die Gebirgsschützen, deren Bund nach eigenen Angaben 48 Kompanien zählt. Der Maibaum gehört zu fast jedem Dorf.

Der Jahreslauf ist dicht mit Heiligentagen besetzt. Die Pferdewallfahrten an Leonhardi im November und um Georgi im April sind altbayerisch, mit der seit 1772 belegten Tölzer Leonhardifahrt und dem Traunsteiner Georgiritt am Ostermontag als bekanntesten Beispielen. Die Kirchweih heißt hier Kirta, und seit 1866 feiern viele Orte sie gemeinsam am dritten Sonntag im Oktober, weil die Obrigkeit das ständige Feiern für übertrieben hielt. Im Advent kommt der Nikolaus mit dem Krampus, im Berchtesgadener Land mit Kramperl und Buttnmandln.

Oberbayern, Niederbayern, Oberpfalz: wo liegen die Unterschiede?

  • Oberbayern prägen Alpen und Voralpenland: Almwirtschaft und Almabtrieb, Trachtenvereine, Perchten und im Rupertiwinkel das Aperschnalzen. Im Oberland war das Haberfeldtreiben zu Hause, ein nächtliches Rügegericht, das zwischen 1700 und 1900 rund 130 Mal aktenkundig wurde.
  • Niederbayern hat mit dem Bayerischen Wald eigene Bräuche bewahrt. Am Abend vor Martini ziehen beim Wolfauslassen Jugendliche mit schweren Glocken durch die Dörfer, das größte Treffen ist in Rinchnach. In Landshut wird seit 1903 die Landshuter Hochzeit von 1475 nachgespielt, heute alle vier Jahre, seit 2018 bundesweites Immaterielles Kulturerbe.
  • Die Oberpfalz feiert die Kirwa ähnlich wie Franken über den Sommer verteilt. Hier liegen Bad Kötzting mit dem Pfingstritt, der auf ein Gelöbnis von 1412 zurückgeführt wird, und Furth im Wald mit dem Drachenstich, der als ältestes Volksschauspiel Deutschlands gilt.

Ostbayern verbindet außerdem ein Tanz: Der Zwiefache mit seinem Wechsel zwischen geradem und ungeradem Takt ist vor allem in Niederbayern, der Holledau und der Oberpfalz verbreitet und steht seit 2016 im bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes. Und im Bayerischen und im Oberpfälzer Wald stehen bis heute an Wegrändern die Totenbretter, auf denen früher die Verstorbenen aufgebahrt wurden.

Für die Landeshauptstadt selbst, mit Schäfflern, Auer Dult und Oktoberfest, ist die Schwesterseite zuständig, die auch das Kirchenjahr aus Münchner Sicht erklärt.

27Typisch für Altbayern
Herbst

Almabtrieb in Bayern

Almabtrieb in Bayern: warum das Vieh im Herbst geschmückt von der Alm kommt, was Aufkranzen und Fuikl bedeuten, wann Almabtriebe sind und wo man sie erlebt.

September
Winterbrauch

Aperschnalzen

Aperschnalzen im Rupertiwinkel: was hinter dem rhythmischen Peitschenknallen steckt, wie eine Passe schnalzt und wann das Rupertigau-Preisschnalzen 2027 ist.

Januar
Tracht

Charivari

Charivari: was die Silberkette an der Lederhose ist, was Grandln, Fuchszähne und Münzen bedeuten, wie man sie trägt und was Katzenmusik damit zu tun hat.

Ganzjährig zur Tracht, beson
Pfingsten

Englmarisuchen in Sankt Englmar

Englmarisuchen in Sankt Englmar am Pfingstmontag: Legende des seligen Engelmar, Festzug zum Kapellenberg, Suche der Figur, Ochsenwagen, Pfingstl und Geschichte.

Mai
Brautwerbung

Fensterln und Kammerfensterln

Fensterln in Bayern: was Kammerfensterln bedeutet, woher der nächtliche Werbebrauch kommt, was Mythos und was belegt ist und was davon heute noch übrig ist.

Kein fester Termin, nächtlic
Sommer

Further Drachenstich

Further Drachenstich in Furth im Wald: Festspiel seit 1879, Ursprung in einer Prozession von 1590, Laufroboter-Drache, Festzug und alle Termine 2027.

August
Tracht und Schützen

Gebirgsschützen

Gebirgsschützen in Bayern: Geschichte seit der Landesdefension, Bund mit 48 Kompanien, Patronatstag zu Ehren der Patrona Bavariae, Tracht und Böllerschützen.

Ganzjährig; Patronatstag am
Musik und Brauch

Goaßlschnalzen

Goaßlschnalzen in Bayern: Herkunft des Peitschenknallens der Fuhrleute, Bau der Goaßl, Schnalzen im Takt, Meisterschaft und Unterschied zum Aperschnalzen.

Ganzjährig bei Festen; Leonh
Rügebrauch

Haberfeldtreiben

Haberfeldtreiben im bayerischen Oberland: was die Haberer nachts taten, woher der Name kommt, warum Miesbach 1893 das Ende brachte und was blieb.

Nachts, ohne festen Termin
Karwoche

Heiliges Grab

Heiliges Grab in Bayern: was die barocken Grabkulissen der Karwoche zeigen, was die Glaskugeln bedeuten und wo man Heilige Gräber wie in Höglwörth sieht.

März
Rügebrauch

Hungerbaum

Was ist ein Hungerbaum? Der bayerische Brauch für Paare, die nach sieben Jahren noch nicht verheiratet sind: Regeln, Bedeutung, Herkunft und Kritik.

Ganzjährig, nach sieben Jahr
Geburt

Kindsbaum und Bräuche zur Geburt

Kindsbaum, Lumpenmacherei, Bixnmacherei und Weisertwecken: was die bayerischen Bräuche zu Hochzeit und Geburt bedeuten, woher sie kommen und was man schreibt.

Kindsbaum zur Hochzeit, meis
Advent

Klöpfelnächte

Klöpfelnächte in Bayern: warum Kinder an den Donnerstagen im Advent an Türen klopfen, singen und Gaben sammeln, und was der Brauch seit 1454 erlebt hat.

Dezember
Advent

Krampuslauf

Krampuslauf in Bayern: wer der Krampus ist, woher der Brauch kommt, welche Regeln für die Rute gelten und wo Krampusläufe in Bayern 2026 stattfinden.

Dezember
Martini

Leonhardiritt und Leonhardifahrt

Leonhardiritt und Leonhardifahrt in Bayern: Bad Tölz, Kreuth, Benediktbeuern und weitere Orte, Termine November 2026, Truhenwagen, Segnung und Geschichte.

November
Zunftbrauch

Metzgersprung

Metzgersprung am Münchner Fischbrunnen: wie Metzgerlehrlinge freigesprochen werden, woher der Brauch kommt, der Dreijahresturnus und der Sprung in Salzburg.

September
Rauhnächte

Perchtenlauf

Perchtenlauf in Bayern: was Perchten sind, wie alt der Brauch ist, was Schön- und Schiachperchten unterscheidet und alle Lauftermine in Kirchseeon 2026/27.

Januar
Pfingsten

Pfingstritt

Pfingstritt in Bayern: Geschichte und Ablauf des Kötztinger Pfingstritts, Pfingstbraut und Pfingsthochzeit, dazu die Pfingstritte in Ochsenfurt und Kemnath.

Mai
Fastenzeit

Politischer Aschermittwoch

Politischer Aschermittwoch in Bayern: wie aus dem Vilshofener Viehmarkt ein Brauch wurde, warum Passau dazugehört, wie der Tag abläuft und wann er 2027 ist.

Februar
Faschingszeit

Schäfflertanz

Schäfflertanz in Bayern: woher der Tanz der Fassmacher kommt, warum er nur alle sieben Jahre stattfindet, wo außer München getanzt wird und wann wieder.

Januar
Volkstanz

Schuhplattler

Schuhplattler in Bayern: woher der Tanz kommt, wie Plattler, Burschenplattler und Holzhacker funktionieren, was beim Preisplatteln und Gaufest zählt.

Ganzjährig, Höhepunkt der Sa
Fastenzeit

Starkbierzeit

Starkbierzeit in Bayern: wie die Paulanermönche das Fastenbier Salvator erfanden, was beim Derblecken am Nockherberg passiert und die Starkbierfeste 2027.

März
Totenbrauchtum

Totenbretter

Totenbretter im Bayerischen Wald und in der Oberpfalz: vom Aufbahrungsbrett zum Gedenkzeichen am Wegrand, Inschriften, Sprüche, Volksglaube und Standorte.

Ganzjährig; aufgestellt nach
Tracht

Trachtenhut

Trachtenhut in Bayern: Miesbacher Scheibling, Werdenfelser und Chiemgauer Hut, Priener Hut für Frauen, dazu Gamsbart, Adlerflaum und Spielhahnfeder erklärt.

Ganzjährig zur Tracht, beson
Pfingsten

Wasservogel

Wasservogel-Tradition in Bayern: Wasservogelsingen im Bayerischen Wald, Pfingstl, Pfingstlümmel und Pfingstochse. Ablauf, Geschichte und was belegt ist.

Mai
Faschingszeit

Werdenfelser Fasnacht

Werdenfelser Fasnacht in Mittenwald und Garmisch-Partenkirchen: wer die Maschkera sind, woher die Holzlarven stammen und was am Unsinnigen Donnerstag los ist.

Februar
Martini

Wolfauslassen im Bayerischen Wald

Wolfauslassen im Bayerischen Wald: warum am Vorabend von Martini Gruppen mit schweren Glocken durch Rinchnach ziehen, dazu Hirtenspruch, Termin und Herkunft.

November
Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Was gehört zu Altbayern?

Im Kern die Regierungsbezirke Oberbayern, Niederbayern und Oberpfalz, dazu kleinere angrenzende Gebiete wie das Sechsämterland um Wunsiedel in Oberfranken. Die heutigen Verwaltungsgrenzen decken sich nur ungefähr mit dem Kulturraum, entscheidend ist die Tradition des alten bayerischen Stammesherzogtums und die bairische Mundart.

Welche Dialekte spricht man in Altbayern?

In Ober- und Niederbayern und im Süden der Oberpfalz spricht man Mittelbairisch, erkennbar an weichen Konsonanten wie in Dåg für Tag. Im größten Teil der Oberpfalz spricht man Nordbairisch, die altertümlichste Form mit eigenen Zwielauten und niad statt net. Im Werdenfelser Land um Garmisch beginnt das Südbairische, das bis nach Tirol reicht.

Was ist typisch für Brauchtum in Oberbayern?

Für Oberbayern stehen besonders Maibaum, Trachtenvereine, Schuhplattler, Gebirgsschützen, Leonhardifahrten wie in Bad Tölz und Georgiritte wie in Traunstein. Im Südosten kommen Perchtenläufe und das Aperschnalzen im Rupertiwinkel dazu. Der erste Gebirgstrachten-Erhaltungsverein wurde 1883 in Bayrischzell gegründet.