Fischessen am Aschermittwoch
Fischessen am Aschermittwoch in Bayern: warum Fisch statt Fleisch, woher das Heringsessen kommt, was die Kirche vorschreibt und wann Aschermittwoch 2027 ist.
FebruarStarkbierzeit in Bayern: wie die Paulanermönche das Fastenbier Salvator erfanden, was beim Derblecken am Nockherberg passiert und die Starkbierfeste 2027.
Die Starkbierzeit ist in Bayern die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern, in der Brauereien ihre besonders kräftigen Fastenbiere ausschenken. Sie geht auf die Paulanermönche in der Münchner Au zurück, die im 17. Jahrhundert das Salvator brauten. Höhepunkt ist das Starkbierfest am Nockherberg, 2027 vom 26. Februar bis 21. März, eröffnet mit dem Derblecken der Politiker.
Man muss es den Paulanermönchen lassen: Sie haben das Fasten mit einer Gründlichkeit ernst genommen, die bis heute Folgen hat. Weil feste Nahrung in der Fastenzeit tabu war, brauten sie ein Bier, das fast eine Mahlzeit ersetzte. Daraus ist die Starkbierzeit geworden, eine der eigenwilligsten Jahreszeiten Bayerns: Zwischen Aschermittwoch und Ostern trinkt man ausgerechnet in der Bußzeit das stärkste Bier des Jahres.
Die Starkbierzeit beginnt nach dem Aschermittwoch und endet spätestens zu Ostern. In der Praxis feiern die Brauereien ihre Starkbierfeste im Februar und März, mit Schwerpunkt im März. In München spricht man gern von der fünften Jahreszeit, ein Titel, den andernorts der Fasching für sich beansprucht. Das Wort ist eng mit der Landeshauptstadt verbunden, Starkbierfeste gibt es aber in ganz Altbayern.
Für 2027 heißt das: Der Aschermittwoch fällt auf den 10. Februar, Ostern auf den 28. März. Der Löwenbräukeller in München beginnt am 12. Februar 2027 mit dem Ausschank, der Nockherberg folgt am 26. Februar und schenkt bis 21. März 2027 aus.
Die Geschichte führt in die Münchner Au, ins Kloster Neudeck ob der Au. Dort lebten Paulanermönche, Angehörige eines Ordens aus Italien, die ein besonders starkes Bier brauten. Den ältesten schriftlichen Beleg liefert ein Beschwerdebrief: Am 24. Februar 1634 klagten Münchner Bürgerbrauer beim Stadtrat über die Konkurrenz aus dem Kloster. Die Brauerei führt diesen Brief bis heute als Gründungsdatum. Andere Darstellungen nennen frühere oder spätere Jahre für das erste Starkbier; die Datierung ist also nicht ganz einheitlich, belegt ist der Ausschank aber seit der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts.
Theologisch hatten die Mönche eine elegante Begründung. Sie hielten sich an den Grundsatz Liquida non frangunt ieiunium, Flüssiges bricht das Fasten nicht. Ein nahrhaftes, kalorienreiches Bier war damit erlaubt. Ob die Brüder darin eher Askese oder Schlupfloch sahen, verraten die Quellen nicht.
Aus dem Klosterbier wurde Schritt für Schritt ein öffentliches Ereignis. Zunächst schenkten die Mönche ihr Bier im Kloster aus, offiziell nur für den Eigenbedarf und für Gäste. 1751 durften sie es offiziell am Salvatortag ausschenken, 1780 erhielt das Kloster unter Kurfürst Karl Theodor eine uneingeschränkte Schankerlaubnis. Schon im 18. Jahrhundert bekam der Kurfürst beim Anstich den ersten Krug, heute ist es der bayerische Ministerpräsident.
Das Rezept, das bis heute als Grundlage dient, wird Bruder Barnabas zugeschrieben, mit bürgerlichem Namen Valentin Stephan Still, der 1773 ins Kloster kam. Nach der Säkularisation 1806 übernahm der Brauer Franz Xaver Zacherl den Betrieb. Aus der Klosterbrauerei wurde die heutige Paulaner-Brauerei, die ihr Starkbierfest heute am Nockherberg feiert.
Ihr Fastenbier nannten die Mönche zu Ehren ihres Ordensgründers „Sankt-Vater-Bier“. Daraus wurde im Lauf der Zeit Salvator. Der Name war so erfolgreich, dass andere Brauereien die Endung übernahmen. So entstand eine ganze Familie von Ator-Bieren:
Starkbier ist in Deutschland eine gesetzliche Gattung: Gemeint ist Bier mit ab 16 Prozent Stammwürze, also dem Anteil gelöster Stoffe vor der Gärung. Die Münchner Fastenbiere liegen nach Angaben des Tourismusamts bei mindestens 18 Prozent Stammwürze und um 7,5 Prozent Alkohol. Zum Vergleich: Ein gewöhnliches Münchner Bier vom Fass hat etwa 5 Prozent. Wer eine Maß Starkbier trinkt, hat also deutlich mehr im Krug, als das gewohnte Maß vermuten lässt.
Bundesweit bekannt ist die Starkbierzeit durch einen Abend: die Salvatorprobe am Nockherberg, auch Starkbieranstich genannt. Paulaner lädt dazu die bayerische Politik ein, und die muss sich vor laufender Kamera verspotten lassen. Das heißt auf Bairisch derblecken, jemanden mit spitzer Zunge aufziehen. Zur festen Tradition machte es nach Angaben der Stadt München der Münchner Humorist Jakob Geis bei einer Starkbierprobe im Jahr 1891.
Der Abend hat zwei Teile. Zuerst hält ein Kabarettist die Fastenpredigt, eine Rede, in der die Anwesenden der Reihe nach ihr Fett abbekommen. Danach folgt das Singspiel, ein Musiktheater, in dem Schauspieler die Politiker darstellen und in eine absurde Handlung verwickeln. Der Bayerische Rundfunk überträgt die Salvatorprobe live, im Saal sitzen nur geladene Gäste. 2026 fand sie am 4. März statt. Den Termin für 2027 haben Brauerei und Sender noch nicht veröffentlicht.
Das Prinzip kennt Bayern auch aus anderen Ecken: Bei der Fastnacht in Franken in Veitshöchheim sitzt die Landespolitik ebenfalls im Saal und lässt sich auf der Bühne auf den Arm nehmen. Manche Kasperl beim Schäfflertanz pflegen das Derblecken im Kleinen.
Nach der Salvatorprobe öffnet der Nockherberg für alle. Daneben gibt es eine Reihe weiterer Feste. In München schenken unter anderem der Löwenbräukeller, der Augustiner-Keller, der Hofbräukeller und der Giesinger Bräu aus, vor den Toren der Stadt lädt das Ayinger Bräustüberl zum Celebrator. Wer die Münchner Starkbierfeste im Detail sucht, findet sie beim Schwesterprojekt Starkbierzeit in München.
Außerhalb Münchens veranstalten viele Brauereien und Städte in Altbayern eigene Starkbierfeste. Termine stehen meist erst kurz nach dem Jahreswechsel fest; der Kalender für den März sammelt sie, sobald sie veröffentlicht sind.
Mit kirchlichem Fasten hat die Starkbierzeit heute wenig zu tun, der Termin erinnert aber an ihren Ursprung. Wer es genau nimmt, beginnt die Fastenzeit mit dem Fischessen am Aschermittwoch und landet ein paar Wochen später beim Salvator. Das Ende markiert Ostern, eingeläutet am Palmsonntag mit dem Palmbuschen. Was davor im Fasching passiert, beschreibt die Seite Fasching in Bayern.
Freitag, 26. Februar 2027 bis 21. März 2027. München, Paulaner am Nockherberg, Landeshauptstadt München. Quelle: Veranstalter.
Freitag, 12. Februar 2027 bis 20. März 2027. München, Löwenbräukeller, Landeshauptstadt München. Quelle: Veranstalter.
Termine nach Angaben der Veranstalter, ohne Gewähr. Kurzfristige Änderungen veröffentlichen die Gemeinden und Vereine.
Die Starkbierzeit beginnt nach dem Aschermittwoch, 2027 also nach dem 10. Februar, und endet spätestens zu Ostern am 28. März 2027. Das Starkbierfest am Nockherberg läuft 2027 vom 26. Februar bis 21. März, der Löwenbräukeller schenkt vom 12. Februar bis 20. März 2027 aus. Weitere Häuser veröffentlichen ihre Termine meist erst im Winter.
Rechtlich ist Starkbier ein Bier mit ab 16 Prozent Stammwürze. Die Münchner Fastenbiere liegen nach Angaben des Münchner Tourismusamts bei mindestens 18 Prozent Stammwürze und um 7,5 Prozent Alkohol. Ein normales Helles vom Fass hat rund 5 Prozent.
*Derblecken* ist bairisch und heißt so viel wie jemanden spöttisch aufziehen. Beim Starkbieranstich am Nockherberg werden Politiker aller Parteien in einer Fastenpredigt und einem Singspiel verspottet, während sie im Saal sitzen. Nach Angaben der Stadt München machte der Humorist Jakob Geis das Derblecken 1891 zur festen Tradition.
Die Paulanermönche nannten ihr Fastenbier zu Ehren ihres Ordensgründers Sankt-Vater-Bier. Aus dem Sankt Vater wurde im Volksmund Salvator. Viele Brauereien haben die Endung später übernommen und nennen ihre Starkbiere Triumphator, Maximator oder Optimator.
Die Mönche beriefen sich auf den Grundsatz, dass Flüssiges das Fasten nicht bricht. Ein kräftiges, kalorienreiches Bier half ihnen über die Wochen ohne feste Nahrung. Aus diesem Fastenbier wurde später ein öffentlicher Ausschank und schließlich das Starkbierfest.
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MärzStand: 21. Oktober 2026. Redaktion Brauchtum in Bayern, Chinesischer Turm e.V. Hinweise und Korrekturen an servus@brauchtum-in-bayern.de.