Brauchtum in BayernBräuche, belegt erzählt
Faschingszeit · Altbayern, Schwaben

Schäfflertanz

Schäfflertanz in Bayern: woher der Tanz der Fassmacher kommt, warum er nur alle sieben Jahre stattfindet, wo außer München getanzt wird und wann wieder.

Kurz gesagt

Der Schäfflertanz ist ein Zunfttanz der Fassmacher, der in München und vielen anderen Orten Bayerns nur alle sieben Jahre aufgeführt wird, jeweils vom Dreikönigstag am 6. Januar bis zum Faschingsdienstag. Belegt ist er in München seit 1702. Die letzte Saison war 2026, der nächste reguläre Schäfflertanz in München findet 2033 statt.

Ein Wintertag in der Münchner Altstadt, Minusgrade, und plötzlich bildet sich ein Kreis: Männer in roten Jacken und grünen Kappen, Reifen in den Händen, dazu eine Blaskapelle. Wer das sieht, hat Glück, denn der Schäfflertanz kommt nur alle sieben Jahre. Was viele für einen rein Münchner Brauch halten, wird in Wahrheit in Dutzenden Orten zwischen Bodensee und Donau getanzt, meist im selben Rhythmus.

Was ist der Schäfflertanz?

Schäffler ist das altbayerische Wort für den Fassmacher oder Böttcher. Der Schäfflertanz ist ursprünglich ein Zunfttanz dieses Handwerks: Die Gesellen zogen durch die Stadt und tanzten auf ihren Plätzen. Heute tragen ihn Vereine, und Tänzer müssen längst keine Schäffler mehr sein.

Getanzt wird in der Faschingszeit, vom Dreikönigstag am 6. Januar bis zum Faschingsdienstag. Damit gehört der Schäfflertanz zu den großen Bräuchen des Faschings in Bayern, auch wenn er mit Verkleidung und Narretei wenig zu tun hat.

Woher kommt der Schäfflertanz?

Die bekannteste Geschichte ist eine Legende. Im Jahr 1517 soll in München die Pest gewütet haben, die Menschen trauten sich nicht mehr auf die Straße, bis die Schäffler mit ihrem Tanz das Leben in die Stadt zurückholten. Herzog Wilhelm IV. habe daraufhin angeordnet, den Tanz alle sieben Jahre zu wiederholen.

Volkskundlich hält diese Erzählung nicht. Die Legende dürfte erst im 19. Jahrhundert entstanden sein, und ob es 1517 in München überhaupt eine Pestepidemie gab, wird bezweifelt: Die Sterberegister zeigen für dieses Jahr keine auffälligen Todesraten. Belegt ist der Tanz erst für das Jahr 1702. Der siebenjährige Rhythmus hat sich im 18. Jahrhundert eingespielt. 2017 feierten die Münchner Schäffler trotzdem ein 500-jähriges Jubiläum, Legenden haben eben ihren eigenen Kalender.

Auch die Musik stammt aus dem 19. Jahrhundert: Die Melodie des sogenannten Neuen Münchner Schäfflertanzes von 1886 komponierte Johann Wilhelm Siebenkäs. Seit 1871 organisiert in München der Fachverein der Schäffler den Tanz.

Ablauf: Figuren, Reifenschwinger und Kasperl

Ein Auftritt der Münchner Schäffler dauert etwa 25 bis 30 Minuten. Er beginnt und endet mit dem Bayerischen Defiliermarsch. Dazwischen drehen sich die Tänzer im Kreis und formen feste Figuren: die Laube, das Kreuz, die Schlange und die Krone. In München tanzen 25 Schäffler, begleitet von zehn Musikanten.

Einige Rollen stechen heraus:

  • Vortänzer und Chargen: Sie führen die Gruppe an und sind an Silberborten und Zeptern zu erkennen.
  • Reifenschwinger: Er schwingt einen Fassreifen, in dem ein volles Glas Wein oder Schnaps steht, ohne einen Tropfen zu verschütten. Die Fliehkraft macht es möglich, die Nerven müssen trotzdem halten.
  • Fassschlager: Sie schlagen mit Hämmern den Takt auf Fässer.
  • Kasperl: Die Spaßmacher im Rautenkostüm, mit der Gretl mit der Buttn am Gürtel. Sie schwärzen den Zuschauern mit Schminke die Nase, als Erinnerung an die Pest und als Glücksbringer, und nehmen gern die Lokalprominenz aufs Korn. Das bairische Wort dafür ist derblecken, bekannt vom Nockherberg in der Starkbierzeit.

Zur Tracht gehören rote Jacke, Lederschurz, Kniehose, Schärpe und eine grüne Kappe, in Kelheim mit weißem Federbusch. Beim letzten Tanz der Saison wird der Reifen zerbrochen, in München endet die Saison zusätzlich mit dem Kasperlderschießen.

Schäfflertanz in München

In München ist der Schäfflertanz ein Ereignis für die ganze Stadt. Die Saison 2026 lief vom 6. Januar bis zum Faschingsdienstag, 17. Februar 2026, mit über 450 Auftritten. Der letzte Tanz fand vor St. Michael in der Neuhauser Straße statt. Eine Ausnahme vom Rhythmus gab es 2022: Wegen der Corona-Pandemie zeigten die Schäffler damals vom 5. bis 8. Mai über 20 öffentliche Aufführungen. Die Münchner Tradition mit ihren Tanzplätzen und Figuren vertieft das Schwesterprojekt Schäfflertanz in München.

Der nächste reguläre Schäfflertanz in München findet 2033 statt.

Schäfflertanz in ganz Bayern

Ab etwa 1830 trugen wandernde Schäfflergesellen den Tanz aus München hinaus, später übernahmen vor allem Turnvereine den Brauch. So entstand ein dichtes Netz von Schäfflergruppen in Ober- und Niederbayern und Bayerisch-Schwaben. Einige Beispiele mit belegten Daten:

Ort Seit Hinweis
Nonnenhorn (Bodensee) 1846 Ein Wandergeselle brachte den Tanz aus München mit
Dinkelscherben (Landkreis Augsburg) belegt 1893 Getanzt von unverheirateten Männern aus dem Ort, seit 2019 eingetragener Verein
Kelheim 1911 Vom Turnverein mit Erlaubnis der Münchner Schäffler übernommen, 2026 an 17 Tanztagen
Berchtesgaden 1928 Getragen vom TSV, einzige Unterbrechung 1942 wegen des Kriegs

Dazu kommen Gruppen in Ingolstadt, Mainburg, Geisenfeld, Pfaffenhofen an der Ilm, Partenkirchen, Großmehring, Geiselhöring und Wasserburg am Inn. Im Landkreis München tanzen die Schäffler aus Ismaning sowie die Schäfflerzünfte Aschheim und Kirchheim, 2026 traten sie an mehreren Tagen vor dem Landratsamt am Mariahilfplatz auf. Kelheim hängte 2026 wegen der großen Nachfrage sogar einen zusätzlichen Tanztag an und feierte an einem Freitag im Februar eine eigene Schäfflernacht. Wie groß so ein Zug ist, zeigt ebenfalls Kelheim: 24 Tänzer in der Stammgruppe, dazu Kasperl und Kapelle, zusammen rund 45 Leute. Die allermeisten Gruppen folgen dem Münchner Rhythmus, haben 2026 getanzt und sind 2033 wieder dran. Einige Orte wie Bad Griesbach im Rottal oder Eichstätt tanzen versetzt.

In Dinkelscherben sind die Regeln besonders streng: Mittanzen dürfen nur unverheiratete Männer ab 18, die im Ort wohnen. Frauen übernehmen dort Schminke, Musik und die Rolle der Herbergsmütter. Ursprünglich galt Ähnliches überall, erst ab den 1960er-Jahren ließen viele Gruppen auch verheiratete und berufsfremde Tänzer zu.

Verwandte Zunft- und Tanzbräuche

Der Schäfflertanz steht in einer Reihe mit anderen Handwerksbräuchen. Die Münchner Metzger kannten mit dem Metzgersprung ein eigenes Ritual in der Faschingszeit. Wer sich für Tanz und Rhythmus in der bayerischen Volkskultur interessiert, findet beim Schuhplattler und beim Goaßlschnalzen weitere Formen. Einen Überblick gibt die Rubrik Tracht, Musik und Tanz, die Termine der Faschingszeit stehen im Januar.

Häufige Fragen

Wann ist der nächste Schäfflertanz?

Der nächste reguläre Schäfflertanz in München findet 2033 statt, wieder vom Dreikönigstag bis zum Faschingsdienstag. Die meisten anderen Orte mit siebenjährigem Rhythmus haben 2026 getanzt und sind damit ebenfalls 2033 wieder an der Reihe. Einige Gruppen, etwa in Bad Griesbach im Rottal oder Eichstätt, tanzen in einem versetzten Turnus.

Warum findet der Schäfflertanz nur alle sieben Jahre statt?

Woher der siebenjährige Rhythmus kommt, ist nicht geklärt. Erzählt werden eine wiederkehrende Pest, die Glückszahl Sieben und ein Erlass von Herzog Wilhelm IV., keine dieser Erklärungen ist belegt. Fest steht nur, dass sich der Turnus im 18. Jahrhundert eingespielt hat.

Wie lange dauert ein Schäfflertanz?

Die Münchner Schäffler brauchen für einen Auftritt etwa eine halbe Stunde, genauer 25 bis 30 Minuten. Dabei tanzen 25 Schäffler, begleitet von zehn Musikanten mit Blasmusik. Während einer Saison kommen in München über 450 Auftritte zusammen.

Was bedeutet der Schäfflertanz?

Der Tanz gilt als Zeichen von Lebensfreude und Neubeginn nach schweren Zeiten. Die Kasperl schwärzen Zuschauern die Nase, was an die Pest erinnern und Glück bringen soll. Volkskundlich ist er ein Zunftbrauch, mit dem die Schäffler sich und ihr Handwerk in der Stadt zeigten.

Wo gibt es außer in München einen Schäfflertanz?

Unter anderem in Kelheim, Dinkelscherben, Nonnenhorn am Bodensee, Berchtesgaden, Ingolstadt, Mainburg, Geisenfeld, Pfaffenhofen an der Ilm, Partenkirchen, Großmehring, Geiselhöring und Wasserburg am Inn sowie im Landkreis München in Ismaning, Aschheim und Kirchheim. Viele dieser Gruppen entstanden im 19. und frühen 20. Jahrhundert, oft über Turnvereine.

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