Schäfflertanz
Schäfflertanz in Bayern: woher der Tanz der Fassmacher kommt, warum er nur alle sieben Jahre stattfindet, wo außer München getanzt wird und wann wieder.
JanuarMetzgersprung am Münchner Fischbrunnen: wie Metzgerlehrlinge freigesprochen werden, woher der Brauch kommt, der Dreijahresturnus und der Sprung in Salzburg.
Der Metzgersprung ist ein Zunftbrauch der Münchner Metzgerinnung: Frisch ausgelernte Metzgergesellen werden öffentlich freigesprochen und springen dafür in den Fischbrunnen am Marienplatz. Er findet seit 1995 alle drei Jahre an einem Sonntag im September statt, zuletzt am 14. September 2025. Eine ähnliche Tradition gibt es in Salzburg, wo die Gesellen im Fasching in ein Holzfass im Hof von St. Peter steigen.
Am Marienplatz ist man einiges gewohnt, Touristen mit Selfiestangen, das Glockenspiel, Fußballfeiern auf dem Rathausbalkon. Aber dass junge Leute in weißen Gewändern, behängt mit Kälberschwänzen, nacheinander in den Fischbrunnen springen und die Zuschauer mit Eimern nass spritzen, das kommt nur alle drei Jahre vor. Dann ist Metzgersprung, und für ein paar Minuten gehört der Platz den Metzgern.
Der Metzgersprung ist ein Zunftbrauch, mit dem die Münchner Metzgerinnung ihre frisch ausgelernten Gesellen feiert. Er verbindet zwei Dinge: die Freisprechung, also die feierliche Entlassung aus der Lehre, und den Sprung in den Brunnen, der als eine Art Taufe verstanden wird. Wer springt, wäscht symbolisch die Lehrzeit und die Jugendsünden ab. Heute entspricht der Sprung dem Erhalt des Gesellenbriefs.
2013 sprangen die Jahrgangsbesten des Metzgerhandwerks, beim Metzgersprung 2025 waren es acht Gesellen. Ihren Abschluss feiern sie damit vor Publikum, mitten in der Stadt, und ziemlich nass.
Der Tag beginnt mit einem Festzug. 2022 etwa startete er um 9.15 Uhr am Viktualienmarkt und zog über das Tal zum Gottesdienst am Alten Peter. Danach ging es mit Zunftlade und Fahnenabordnungen über den Oberanger und die Sendlinger Straße zum Marienplatz. Mit dabei ist traditionell ein Meisterssohn in historischer Tracht zu Pferd.
Nach dem Glockenspiel um 12 Uhr beginnt das eigentliche Ritual am Fischbrunnen. Die Gesellen tragen weiße Gewänder, an denen die sogenannten Kälberschwanzerl hängen, heute aus Kunstfaser statt aus echtem Fell. Sie springen in das Becken, werden untergetaucht und beim Auftauchen noch einmal mit Wasser aus Eimern übergossen. Früher warfen sie anschließend Nüsse, Äpfel und Münzen unter die Zuschauer, die dafür ebenfalls ihre Ladung Wasser abbekamen.
Danach folgt die Freisprechungsfeier, bei der der Obermeister der Innung die Prüfungszeugnisse überreicht. 2013 fand sie im Hofbräuhaus statt, 2025 ging es in den Augustiner Keller, vorneweg Oberbürgermeister und Obermeister in der Pferdekutsche. Zum Umziehen diente zuletzt ein umfunktionierter Kühllaster, was zum Beruf passt.
Die Metzgerinnung erzählt die Herkunft so: Vor rund 450 Jahren, als die Pest in München gewütet hatte, seien die Zünfte der Metzger und der Schäffler tanzend und musizierend durch die verödeten Gassen gezogen, um die verängstigten Bürger wieder aus ihren Häusern zu locken. Der übermütige Sprung in den Brunnen auf dem Marktplatz habe dazugehört. Als Lohn hätten die Metzger das Privileg erhalten, den Umzug jedes Jahr am Fastnachtsmontag zu wiederholen. Es ist dieselbe Legende, die auch den Schäfflertanz erklärt, und wie dort gilt: Es ist eine Überlieferung, kein Urkundenbefund.
Belegt ist, dass der Brauch eng mit dem Münchner Fasching verbunden war. Ein Stich aus dem 18. Jahrhundert zeigt das Brunnenspringen der Metzger, und ein undatiertes Flugblatt im Tiroler Volksliedarchiv stellt den Münchner Metzgersprung in einen Zusammenhang mit der Faschingszeit und dem Hanswurst. Das ausgelassene Treiben führte offenbar so oft zu Ausschreitungen, dass der Kurfürst den Metzgersprung 1793 verbot.
König Maximilian II. ließ den Brauch im 19. Jahrhundert wieder aufleben. Bis zum Zweiten Weltkrieg zogen die Lehrlinge dann wieder jedes Jahr am Faschingsmontag zum Brunnen. Nach dem Krieg wurde der Metzgersprung 1954 erneut aufgeführt, seit 1995 findet er regelmäßig alle drei Jahre statt, und zwar nicht mehr im Fasching, sondern an einem Sonntag im September, laut Innung am letzten Sonntag der Sommerferien.
Der jüngste Metzgersprung fand am Sonntag, 14. September 2025, statt. Davor waren unter anderem 2022 und 2013 Sprungjahre, was zum Dreierrhythmus passt. Nach diesem Takt wäre 2028 der nächste Termin an der Reihe. Ein offizielles Datum hat die Metzgerinnung bislang nicht veröffentlicht, deshalb steht der Metzgersprung derzeit nur als Regel im Jahreskreis unter September.
Der Turnus hat einen praktischen Nebeneffekt: Wer einen Metzgersprung erlebt hat, kann sich ziemlich sicher sein, dass die nächsten zwei Jahre im September am Fischbrunnen nichts passiert.
Ohne Fischbrunnen kein Metzgersprung. Ein Brunnen auf dem Marienplatz ist schon 1318 belegt, 1343 wird an der Stelle des heutigen ein Bürgerbrunnen genannt. Der Name erinnert an den Fischmarkt, der hier stattfand: Die Händler hielten ihre lebenden Fische in Körben im Brunnenwasser frisch.
Der Bildhauer Konrad Knoll schuf ab 1862 einen neugotischen Brunnen, der 1866 in Betrieb ging. Im Zweiten Weltkrieg wurde er 1944 fast vollständig zerstört. Josef Henselmann gestaltete 1954 die heutige, schlichtere Anlage und übernahm dabei drei erhaltene Bronzefiguren: Metzgerburschen, die Wasser aus Eimern ins Becken gießen. Den Fisch auf der Mittelsäule schuf Otto Kallenbach. Das Becken ist aus Nagelfluh, das Wasser ist kein Trinkwasser, was beim Metzgersprung durchaus von Belang ist.
Der Fischbrunnen hat noch einen zweiten Brauch: Am Aschermittwoch waschen Münchner dort ihre leeren Geldbeutel, damit sie sich im Lauf des Jahres wieder füllen. Dieses Geldbeutelwaschen lässt sich bis 1426 zurückverfolgen, seit den 1950er-Jahren wäscht auch der Oberbürgermeister symbolisch das Stadtsäckel. Mehr zum Tag nach dem Fasching steht beim Fischessen am Aschermittwoch.
Den Metzgersprung gibt es auch in Salzburg. Dort fand er ursprünglich am Florianibrunnen auf dem Alten Markt statt, heute steigen die neuen Fleischergesellen in ein großes Holzfass im Innenhof der Erzabtei St. Peter. Anders als in München gehört der Salzburger Sprung bis heute zur Faschingszeit, 2026 etwa fand er am 15. Februar statt, bei winterlichen Temperaturen. Nach örtlicher Überlieferung war der Brauch dort rund 200 Jahre unterbrochen und wurde 1984 wiederbelebt.
Für andere bayerische Städte ließ sich bei der Recherche kein heute lebendiger Metzgersprung belegen. Der Autor Clemens Zerling deutet den Sprung als Wiedergeburtsritual und vergleicht ihn mit anderen Zunft- und Hochzeitstaufen. Damit gehört der Metzgersprung in die Reihe der Bräuche, die Übergänge im Leben markieren, wie sie die Rubrik Lebenslauf versammelt, vom Berufsstart bis zur Brautentführung auf der Hochzeit.
Der Metzgersprung ist einer der wenigen Handwerksbräuche, die mitten in einer Großstadt öffentlich gefeiert werden. Er stellt ein Handwerk ins Rampenlicht, und zwar mit einem Bild, das man nicht vergisst. 2013 verkauften die Metzger zwischen Brunnen und Feier auf dem Viktualienmarkt Leberkässemmeln für einen guten Zweck. Ein Brauch, der Wasser, Fleisch und Wohltätigkeit verbindet, ist in München offenbar gut aufgehoben. Weitere Bräuche aus der Landeshauptstadt und ihrem Umland finden sich unter Altbayern.
Der Metzgersprung findet alle drei Jahre statt, zuletzt am Sonntag, 14. September 2025. Nach diesem Rhythmus wäre 2028 der nächste an der Reihe. Ein offizielles Datum hat die Metzgerinnung München noch nicht veröffentlicht.
Der Sprung in den Brunnen gilt als eine Art Taufe, mit der die neuen Gesellen ihre Lehrzeit und ihre Jugendsünden symbolisch abwaschen. Er ist mit der Freisprechung verbunden, also der offiziellen Entlassung aus der Lehre. Die Legende verknüpft den Brauch außerdem mit dem Ende einer Pestzeit in München.
Ein Festzug mit Zunftlade und Fahnen zieht vom Viktualienmarkt über einen Gottesdienst am Alten Peter zum Marienplatz. Nach dem Glockenspiel springen die Gesellen in weißen Gewändern mit Kälberschwänzen in den Fischbrunnen und spritzen die Umstehenden nass. Danach folgt die Freisprechungsfeier.
Ja. In Salzburg steigen die neuen Fleischergesellen in ein großes Holzfass im Innenhof der Erzabtei St. Peter, als Teil der Faschingszeit. Der Brauch war dort lange unterbrochen und wurde 1984 wiederbelebt, 2026 fand er am 15. Februar statt.
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Am Hochzeitstag, meist währeStand: 21. Oktober 2026. Redaktion Brauchtum in Bayern, Chinesischer Turm e.V. Hinweise und Korrekturen an servus@brauchtum-in-bayern.de.