Brautentführung
Wie Brautstehlen und Brautverziehen ablaufen, wer im Wirtshaus auslöst und welche Hochzeitsbräuche dazugehören.
Am HochzeitstagBräuche im Lebenslauf begleiten in Bayern die großen Übergänge des Lebens: Geburt und Taufe, Brautwerbung und Hochzeit, Einzug in ein eigenes Haus und den Tod. Dazu gehören etwa der Kindsbaum zur Hochzeit, die Lumpenmacherei-Schilder nach der Geburt, der Hochzeitslader und die Brautentführung, Brot und Salz zum Einzug sowie Leichenschmaus und Totenbrett. Viele dieser Bräuche sind regional sehr verschieden.
Ein Dorf merkt sich die großen Tage seiner Leute. Wenn an einem Haus plötzlich ein Schild mit der Aufschrift Lumpenmacherei hängt, weiß jeder, dass hier ein Bub geboren wurde. Wenn nachts Gstanzl aus dem Wirtshaus dringen, ist Hochzeit. Und wenn am Waldrand ein neues bemaltes Brett lehnt, ist jemand gestorben. Bräuche im Lebenslauf machen Privates öffentlich, und genau das ist ihr Sinn.
Die Taufe selbst folgt der kirchlichen Liturgie: Die Taufkerze wird an der Osterkerze entzündet, das weiße Taufkleid steht für den neuen Anfang, und die Paten antworten stellvertretend für das Kind. Rund um das kirchliche Fest sind eigene Bräuche gewachsen. Schon vorher, zur Hochzeit, stellen Freunde in Südbayern oft einen Kindsbaum auf: einen Stamm mit Babysachen und einem Storch an der Spitze. Kommt binnen eines Jahres kein Kind, wird eine Brotzeit fällig. Ist das Kind da, hängen in Altbayern Schilder wie Lumpenmacherei für einen Buben oder Bixnmacherei für ein Mädchen am Haus.
Die Paten bleiben dem Kind ein Leben lang verbunden. In Bayern zeigt sich das zum Beispiel an Allerheiligen, wenn sie ihren Patenkindern einen Allerheiligenstriezel schenken, ein geflochtenes Hefegebäck.
Brautwerbung war in Bayern eine Sache mit festen Regeln. Beim Gasslgehen sagten junge Männer am Fenster der Angebeteten einstudierte Sprüche auf und bekamen ebenso überlieferte Antworten, aus denen Zustimmung oder Abfuhr herauszuhören war. Daraus entwickelte sich das Kammerfensterln mit der Leiter. Hineingelassen wurde man dabei in der Regel nicht, ein tatsächliches Eindringen konnte sogar vor Gericht enden. Wer es lieber übersinnlich wollte, hoffte in Altbayern auf die Thomasnacht vor dem 21. Dezember, in der eine junge Frau im Traum den Zukünftigen sehen könne.
Die bayerische Bauernhochzeit hat einen Zeremonienmeister, den Hochzeitslader. Er lädt die Gäste ein, führt durch den Tag und singt Gstanzl über Brautpaar und Gesellschaft. Zu den bekanntesten Programmpunkten gehört die Brautentführung, bei der die Braut entführt und wieder ausgelöst werden muss, bei Bauernhochzeiten oft unter Gstanzlgesang. Im Rupertiwinkel binden die Mädchen und ledigen Frauen des Dorfes den Kranz über dem Hauseingang des Brautpaars, und dort wie im Berchtesgadener Land wird mit Schüssen geweckt. Die ganze Bandbreite, auch mit fränkischen und schwäbischen Formen, steht unter Hochzeitsbräuche in Bayern. Einen Brauch rund um das Ledigsein beschreibt die Seite zum Hungerbaum.
Wer in ein eigenes Haus oder eine neue Wohnung zieht, bekommt Brot und Salz geschenkt, gern mit dem Spruch „Brot und Salz, Gott erhalt's“. Der Brauch ist weit über Bayern hinaus verbreitet, auch Gäste werden vielerorts mit Brot und Salz begrüßt. Die Deutung ist einfach und alt. Brot steht für das, was man zum Leben braucht, Salz für die Würze und für das Bewahren, denn es machte Lebensmittel haltbar. Weil beides früher von Missernten und Kriegen bedroht war, galten Brot und Salz als Gaben, die man erbitten musste. Zur Hochzeit verschenkt, stehen sie für ein dauerhaftes Bündnis. Einen genauen Ursprung kennt man nicht.
Bevor Särge in Bayern üblich wurden, im 17. und 18. Jahrhundert, bahrte man die Toten auf einem Brett in der Stube auf. Im Bayerischen Wald und im Oberpfälzer Wald wird ein solches Totenbrett bis heute beschriftet und als Erinnerungsmal am Wegrand aufgestellt. Nach der Beerdigung folgt der Leichenschmaus, in Süddeutschland auch Leichentrunk, in Altbayern Kremess genannt: ein gemeinsames Essen, bei dem erzählt und manchmal auch gelacht werden darf. Auch Wegkreuze und Marterl gehören zur bayerischen Erinnerungskultur. Das Gedenken an alle Verstorbenen hat seinen festen Termin an Allerheiligen, wenn die Gräber gesegnet werden.
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GanzjährigWer in ein neues Haus oder eine neue Wohnung einzieht, bekommt traditionell Brot und Salz geschenkt, oft mit dem Spruch „Brot und Salz, Gott erhalt's“. Die Gabe wünscht Sesshaftigkeit, Wohlstand und Fruchtbarkeit. Brot steht für das Lebensnotwendige, Salz für die Würze des Lebens und zugleich für das Bewahren, weil es früher Lebensmittel haltbar machte.
Der Hochzeitslader, in Altbayern auch Progoder genannt, lädt die Gäste ein, oft in überlieferten Reimen, und führt dann durch die Feier. Bei Bauernhochzeiten in Ober- und Niederbayern gehört das Gstanzlsingen dazu, bei dem er sich scherzhaft bis derb über Brautpaar und Gäste lustig macht.
Der Leichenschmaus ist das gemeinsame Essen der Trauergäste nach der Beerdigung, oft vom Nachlass bezahlt. In Süddeutschland spricht man auch vom Leichentrunk, in Altbayern von der Kremess. Er gilt im Kulturvergleich als das am weitesten verbreitete Totenritual und gibt Raum, Geschichten über den Verstorbenen zu erzählen.
Ein Kindsbaum ist ein geschmückter Stamm mit Babysachen und einem Storch, den Freunde einem Brautpaar zur Hochzeit aufstellen. Kommt binnen eines Jahres kein Kind, ist eine Brotzeit oder ein Essen fällig. Nach der Geburt melden in Altbayern Schilder wie Lumpenmacherei oder Bixnmacherei, ob ein Bub oder ein Mädchen angekommen ist.