Brauchtum in BayernBräuche, belegt erzählt
Feiertag · Ganz Bayern

Allerheiligen und Allerseelen in Bayern

Allerheiligen in Bayern: warum der 1. November stiller Feiertag ist, was Gräbersegnung und Seelenzopf bedeuten und worin sich Allerseelen davon unterscheidet.

Kurz gesagt

Allerheiligen am 1. November ist in ganz Bayern gesetzlicher Feiertag und zugleich stiller Tag, an dem öffentliche Unterhaltung nur eingeschränkt erlaubt ist. Viele Familien besuchen an diesem Tag die Gräber ihrer Angehörigen, die am Nachmittag bei der Gräbersegnung gesegnet werden, dazu gehören Grablichter, Gestecke und regional der Allerheiligenstriezel. Allerseelen am 2. November ist der eigentliche Gedenktag für die Verstorbenen, aber kein Feiertag.

Am Nachmittag des 1. November sind die bayerischen Friedhöfe voller als an jedem anderen Tag des Jahres. Familien stehen in Mänteln an den Gräbern, die in den Tagen davor frisch hergerichtet wurden, mit Gestecken und Grablichtern. Dann kommt der Pfarrer zur Gräbersegnung durch die Reihen. Allerheiligen ist in Bayern einer der Tage, an denen man sieht, dass Brauchtum nicht nur aus Festen besteht, sondern auch aus Erinnern.

Ist Allerheiligen in Bayern ein Feiertag?

Ja, und zwar im ganzen Freistaat. Das Bayerische Feiertagsgesetz nennt Allerheiligen ausdrücklich unter den Feiertagen, die im gesamten Staatsgebiet gelten, anders als Mariä Himmelfahrt, das nur in überwiegend katholischen Gemeinden frei ist. Bayern teilt den Feiertag mit Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland, in den übrigen Bundesländern ist der 1. November ein gewöhnlicher Arbeitstag. Auch in Österreich, Liechtenstein und den katholisch geprägten Schweizer Kantonen ist Allerheiligen frei.

Für den Handel gilt Allerheiligen wie ein Sonntag: Läden bleiben geschlossen. 2026 fällt der 1. November ohnehin auf einen Sonntag, sodass sich für Berufstätige nichts ändert. 2027 dagegen ist Allerheiligen ein Montag, dann entsteht ein langes Wochenende. Eine Übersicht aller Feiertage im Freistaat bietet die Seite Feiertage in Bayern.

Allerheiligen als stiller Tag: Was ist verboten?

Allerheiligen ist in Bayern nicht nur Feiertag, sondern auch stiller Tag. Geschützt ist er von 2 Uhr früh bis Mitternacht. In dieser Zeit sind öffentliche Unterhaltungsveranstaltungen nur erlaubt, wenn sie den ernsten Charakter des Tages wahren. Laute Partys und Tanzveranstaltungen fallen damit praktisch aus, daher spricht man umgangssprachlich vom Tanzverbot an Allerheiligen.

Sport ist an Allerheiligen ausdrücklich erlaubt, das Gesetz nimmt nur Karfreitag und Buß- und Bettag davon aus. Ein Fußballspiel am 1. November ist also kein Problem. Allerseelen am 2. November ist weder Feiertag noch stiller Tag. Die stillen Tage im November reichen allerdings weiter: Auch der Volkstrauertag, der Buß- und Bettag und der Totensonntag sind geschützt. Wer im November noch einmal tanzen will, geht zum Kathreintanz Ende des Monats.

Was feiert man an Allerheiligen und Allerseelen?

Allerheiligen ist, wie es der Name sagt, das Sammelfest aller Heiligen. Gemeint sind nicht nur die offiziell Heiliggesprochenen, sondern auch die vielen Gläubigen, die still und unauffällig gelebt haben. In der Messe wird traditionell der Anfang der Bergpredigt gelesen, mit den Seligpreisungen. Auch die evangelische Kirche kennt den 1. November als Gedenktag der Heiligen, ihr eigenes Totengedenken begeht sie am Totensonntag im späten November, der in Bayern ebenfalls als stiller Tag geschützt ist.

Die Geschichte des Festes beginnt in Rom. Papst Bonifatius IV. weihte das Pantheon 609 oder 610 Maria und allen Märtyrern. Über hundert Jahre später weihte Papst Gregor III. in St. Peter eine Kapelle allen Heiligen, womöglich an einem 1. November. Verbindlich für die ganze Westkirche machte diesen Termin 835 Papst Gregor IV.

Allerseelen am 2. November ist jünger. Es geht auf die Benediktinerabtei Cluny zurück, wo Abt Odilo das Gedenken an alle Verstorbenen in den von Cluny abhängigen Klöstern einführte, sein Dekret von 998 ist erhalten. Gedacht wird der Toten, die nach katholischer Vorstellung noch im Fegefeuer auf die Vollendung warten, der Armen Seelen. Im Volksglauben hielt sich lange die Vorstellung, die Toten seien in diesen Tagen besonders nah bei den Lebenden. Im Alltag sind die beiden Tage längst ineinander übergegangen: Weil Allerheiligen frei ist, gehen die meisten schon am 1. November auf den Friedhof.

Gräbersegnung und Friedhofsgang

Der wichtigste Brauch ist der Friedhofsgang mit der Gräbersegnung. In Bayern findet sie meist am Nachmittag des Allerheiligentags statt, also schon vor dem eigentlichen Totengedenktag. Dabei segnet der Geistliche die Gräber, während die Angehörigen an den Gräbern ihrer Familie stehen. In Gegenden, in denen Allerheiligen kein Feiertag ist, findet die Segnung teils erst am Wochenende nach Allerseelen statt.

Vorher werden die Gräber hergerichtet. Der Gang zu geschmückten Gräbern ist schon für 1578 bezeugt. Heute gehören das Allerheiligengesteck oder Grabgesteck und das Grablicht dazu, die Familien in den Tagen vor dem Fest auf die Gräber bringen. Andere Formen des Totengedenkens, etwa die Totenbretter im Bayerischen Wald, erzählen von älteren Arten, an die Verstorbenen zu erinnern.

Seelenzopf und Allerheiligenstriezel

Zu Allerheiligen gehört in Teilen Bayerns und Österreichs ein besonderes Gebäck: der Allerheiligenstriezel, ein geflochtener Hefezopf, bestreut mit Hagelzucker oder Streuseln. Er hat viele Namen, darunter Seelenzopf, Allerseelenzopf, Seelenwecken, Seelenbrot oder, in der nördlichen Oberpfalz, Strietzel. Den Striezel schenken traditionell die Tauf- oder Firmpaten ihren Patenkindern. Für Kinder aus armen Familien auf dem Land war das früher eine echte Abwechslung. Je nach Gegend kommen Rosinen in den Teig, obendrauf Mohn oder Hagelzucker, verfeinert mit Rum oder Zitrone.

Eine frühe Erwähnung findet sich 1688 in den Aufzeichnungen des Pfarrers von Saxen in Oberösterreich. Häufig liest man, die Zopfform gehe auf ein altes Trauerritual zurück, bei dem Frauen sich die Zöpfe abschnitten. Diese Deutung ist verbreitet, aber nicht belegt.

Im Altmühltal gibt es zu Allerheiligen außerdem die Spitzl, rautenförmige Lebkuchen, die auf eigenen Spitzlmärkten verkauft werden. Vielerorts finden um den Feiertag auch Allerheiligenmärkte statt.

Allerheiligen, Halloween und der November

Am Vorabend von Allerheiligen, dem 31. Oktober, wird inzwischen auch in Bayern Halloween gefeiert. Der Name leitet sich von All Hallows Eve ab, dem Abend vor Allerheiligen. Die beiden großen Kirchen bemühen sich nach eigener Darstellung um einen kreativen Umgang damit, statt das Fest nur abzulehnen.

Mit Allerheiligen beginnt in Bayern der eigentliche Brauchtumsnovember. Es folgen die Pferdesegnungen beim Leonhardiritt um den 6. November, das Wolfauslassen im Bayerischen Wald und der Martinsumzug um den 11. November. Alle Bräuche des Monats finden sich gesammelt unter Brauchtum im November.

Häufige Fragen

Ist Allerheiligen in Bayern ein Feiertag?

Ja. Allerheiligen am 1. November ist nach dem Bayerischen Feiertagsgesetz im ganzen Staatsgebiet gesetzlicher Feiertag. Zusätzlich gehört er zu den stillen Tagen, an denen öffentliche Unterhaltungsveranstaltungen nur erlaubt sind, wenn sie den ernsten Charakter des Tages wahren. Allerseelen am 2. November ist dagegen kein gesetzlicher Feiertag.

Gilt an Allerheiligen in Bayern ein Tanzverbot?

Allerheiligen ist in Bayern ein stiller Tag, geschützt von 2 Uhr früh bis Mitternacht. In dieser Zeit sind öffentliche Unterhaltungsveranstaltungen nur zulässig, wenn der ernste Charakter des Tages gewahrt bleibt, was laute Tanzpartys praktisch ausschließt. Sportveranstaltungen wie Fußballspiele sind an Allerheiligen dagegen erlaubt.

Haben Geschäfte an Allerheiligen in Bayern geöffnet?

Nein, als gesetzlicher Feiertag gilt Allerheiligen für den Handel wie ein Sonntag, Verkaufsstellen bleiben geschlossen. 2026 fällt Allerheiligen ohnehin auf einen Sonntag.

Was ist der Unterschied zwischen Allerheiligen und Allerseelen?

Allerheiligen am 1. November ist das Fest aller Heiligen, auch der vielen, die nie offiziell heiliggesprochen wurden. Allerseelen am 2. November ist der Gedenktag für alle Verstorbenen. Weil Allerheiligen in Bayern Feiertag ist, finden Friedhofsbesuch und Gräbersegnung meist schon am 1. November statt.

Was ist ein Allerheiligenstriezel?

Der Allerheiligenstriezel ist ein geflochtener Hefezopf, oft mit Hagelzucker bestreut, den Paten zu Allerheiligen ihren Patenkindern schenken. Regional heißt er auch Seelenzopf, Allerseelenzopf, Seelenwecken oder Strietzel. Verbreitet ist der Brauch von Österreich bis Bayern.

Wann ist Allerheiligen 2026?

Allerheiligen ist immer am 1. November, 2026 fällt es auf einen Sonntag. Allerseelen folgt am Montag, 2. November 2026. 2027 ist Allerheiligen ein Montag.

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