Leonhardiritt und Leonhardifahrt
Leonhardiritt und Leonhardifahrt in Bayern: Bad Tölz, Kreuth, Benediktbeuern und weitere Orte, Termine November 2026, Truhenwagen, Segnung und Geschichte.
NovemberMartinsumzug in Bayern: warum Kinder am 11. November mit Laternen ziehen, woher Martinsgans und Martinsfeuer kommen und was der Pelzmärtel in Franken tut.
Der Martinsumzug ist ein Laternenumzug von Kindern zum Martinstag am 11. November, dem Gedenktag des heiligen Martin von Tours. In Bayern organisieren ihn vor allem Kindergärten, Schulen und Pfarreien, oft mit einem Reiter im roten Mantel, Martinsliedern, nachgespielter Mantelteilung und einem Martinsfeuer. Am Martinstag kommt traditionell die Martinsgans auf den Tisch.
Gegen fünf Uhr am Nachmittag wird es Mitte November in Bayern dunkel, und genau darauf haben die Kinder gewartet. Vor dem Kindergarten oder der Pfarrkirche stehen sie in Zweierreihen, jedes mit einer selbst gebastelten Laterne, deren Teelicht im Wind nervös flackert. Vorne wartet ein Reiter im roten Umhang, hinten die Eltern mit Thermoskannen. Der Martinsumzug ist einer der wenigen Bräuche, die praktisch jeder in Bayern als Kind mitgemacht hat, egal ob in Passau, Augsburg oder Bamberg.
Martin von Tours wurde um 316 im Gebiet des heutigen Ungarn geboren und diente als junger Mann im römischen Heer. Die bekannteste Legende erzählt, wie er vor den Toren einer Stadt seinen Soldatenmantel mit dem Schwert teilte und eine Hälfte einem frierenden Bettler gab. In der folgenden Nacht soll ihm Christus im Traum erschienen sein, bekleidet mit dem Mantelstück. Martin ließ sich taufen, wurde Geistlicher und schließlich Bischof von Tours. Er starb im November 397.
Der Martinstag am 11. November geht auf den Tag seiner Grablegung zurück. Martin gilt seither als Inbegriff der tätigen Nächstenliebe, und genau dieses Motiv tragen die Kinder heute mit ihren Laternen durch die Straßen.
Der klassische Ablauf ist überall ähnlich. Die Kinder ziehen abends mit ihren Laternen durch das Dorf oder das Stadtviertel, begleitet von einem Reiter, der Sankt Martin auf einem Pferd darstellt, oft im roten Mantel. Manchmal spielt eine Blaskapelle, fast immer werden Martinslieder gesungen, die vorher im Kindergarten geübt wurden. An einer Station wird die Mantelteilung nachgespielt, und am Ziel brennt meist ein großes Martinsfeuer. Danach gibt es Gebäck, in Süddeutschland häufig Martinsgänse aus Hefe- oder Keksteig, Martinshörnchen oder Laugenbrezeln.
Getragen werden die Umzüge in Bayern häufig von Kindergärten, Schulen und Pfarreien. Wie selbstverständlich sie dazugehören, zeigte sich 2020: Da fielen die Laternenumzüge wegen der Corona-Beschränkungen weitgehend aus, und 2021 erklärte das bayerische Familienministerium ausdrücklich, dass Familien und Kitas wieder ziehen dürfen.
So alt, wie er wirkt, ist der Martinsumzug in seiner heutigen Form nicht. Organisierte Umzüge sind 1867 aus Dülken am Niederrhein belegt, die Form mit reitendem Martin, Laternen und Feuer entstand um 1900 im Rheinland. Vorher gab es spontanere Bräuche: Kinder zogen mit Lichtern von Haus zu Haus und baten um Gaben, und am Vorabend des Martinstags wurden Feuer entzündet. Im 18. und 19. Jahrhundert gingen die Behörden mehrfach mit Verboten gegen die Martinsfeuer vor. Erst als Erwachsene, Vereine und Schulen die Sache in die Hand nahmen, wurde daraus der geordnete Zug, den man heute kennt.
Für die Lichter gibt es mehrere Erklärungen. Manche führen sie auf Lichterprozessionen zu Martins Beisetzung zurück, andere auf ältere spätherbstliche Licht- und Feuerbräuche. Belegt ist keine dieser Deutungen im strengen Sinn. Die rheinische Martinstradition steht seit 2026 im bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes.
Die Martinsgans ist älter als der Laternenumzug. Der Martinstag war über Jahrhunderte ein wichtiger Termin im bäuerlichen Kalender: Das Wirtschaftsjahr ging zu Ende, Pacht, Zehnt und Zinsen wurden fällig, und Knechte und Mägde bekamen ihren Lohn. Viele Abgaben wurden in Naturalien bezahlt, und eine davon war die Gans.
Hinzu kommt der Kalender der Kirche. Mit dem Tag nach Martini begann früher eine Fastenzeit vor Weihnachten, das sogenannte Martinsfasten. Martini war damit der letzte große Schmaustag, bevor es mager wurde. Eine fette Gans passte dazu ideal. Schon die Würzburger Bischofschronik des Lorenz Fries zeigt 1546 Bürger beim festlichen Gansessen in der Martinsnacht, ein früher fränkischer Beleg.
Die hübsche Geschichte, Martin habe sich vor seiner Bischofswahl in einem Gänsestall versteckt und sei vom Geschnatter verraten worden, ist dagegen erst seit dem 16. Jahrhundert überliefert. Die Forschung sieht darin eine nachträgliche Erklärung für einen Brauch, den es längst gab. Auf den Tisch kommt die Martinsgans heute meist mit Blaukraut und Knödeln.
Rund um den Martinstag drängen sich in Bayern auffallend viele Bräuche, und das ist kein Zufall. Mit Martini endete das Weidejahr, das Vieh war im Stall, die Hirten wollten ihren Lohn. Im Bayerischen Wald hat sich daraus das Wolfauslassen entwickelt, bei dem Burschen mit schweren Glocken von Haus zu Haus ziehen. Wenige Tage vorher, um den 6. November, werden in Oberbayern bei der Leonhardifahrt Pferde und Reiter gesegnet. Und zwei Wochen später setzt der Kathreintanz den Schlusspunkt unter die Tanzsaison, bevor der Advent beginnt. Einen Überblick über den ganzen Monat bietet die Seite zum Brauchtum im November.
Eine fränkische Besonderheit ist der Pelzmärtel, im Ries auch Pelzermärtel genannt. Er ist eine verwandte Gestalt des Belznickels, ein strenger Besucher, der die Kinder ihre Sprüche aufsagen lässt, mit Rute und Sack droht und am Ende doch Nüsse, Äpfel oder Süßes verteilt. Je nach Ort kommt er am Martinstag oder erst um den Nikolaustag. Besonders in den evangelischen Gegenden Frankens, etwa in Mittelfranken, übernimmt er teils die Rolle des Gabenbringers, die anderswo der Nikolaus hat. Wer die Parallelen sehen will, liest weiter bei Nikolaus und Krampus.
Ein gesetzlicher Feiertag ist der 11. November nicht, auch nicht in Bayern. Für Kinder in Kindergarten und Grundschule ist er trotzdem einer der Höhepunkte des Herbstes. Auf evangelischer Seite gibt es mit dem Martinisingen am 10. November eine Variante, die sich auf Martin Luther bezieht, der am 10. November geboren und am 11. November, dem Martinstag, getauft wurde.
Und wer im Rheinland vom Martinssingen hört: Dort ziehen Kinder mit Laternen von Tür zu Tür und singen für Süßigkeiten. Dieser Heischegang ist vor allem im Rheinland verbreitet, in Bayern steht meist der gemeinsame Zug im Mittelpunkt.
Der Martinstag ist der 11. November, 2026 ein Mittwoch. Viele Martinsumzüge finden genau an diesem Abend statt, andere an einem Abend in den Tagen davor oder danach. Den Termin legen Kindergarten, Schule oder Pfarrei vor Ort fest.
Der Martinstag war über Jahrhunderte Zinstag: Pacht, Zehnt und Abgaben wurden fällig, oft in Naturalien, darunter Gänse. Zugleich war Martini der letzte große Schmaus vor der alten Fastenzeit vor Weihnachten. Die Legende, schnatternde Gänse hätten Martins Versteck verraten, ist erst seit dem 16. Jahrhundert belegt und gilt als nachträgliche Erklärung.
Nein. Der 11. November ist in Bayern wie im übrigen Deutschland kein gesetzlicher Feiertag, Schulen und Geschäfte haben normal geöffnet. Er ist ein kirchlicher Gedenktag und ein Brauchtumstag.
Martin von Tours wurde um 316 im Gebiet des heutigen Ungarn geboren und diente als römischer Soldat. Nach der Legende teilte er seinen Mantel mit einem frierenden Bettler und ließ sich danach taufen. Später wurde er Bischof von Tours, er starb im November 397.
Der Pelzmärtel, auch Pelzermärtel, ist eine Gabenbringer- und Schreckgestalt aus Franken und dem Ries. Je nach Ort kommt er am Martinstag oder um den Nikolaustag, prüft die Kinder und verteilt Nüsse, Äpfel oder Süßes. Besonders verbreitet ist er in evangelischen Gegenden.
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