Krampuslauf
Krampuslauf in Bayern: wer der Krampus ist, woher der Brauch kommt, welche Regeln für die Rute gelten und wo Krampusläufe in Bayern 2026 stattfinden.
DezemberNikolaus und Krampus in Bayern: wie der Einkehrbrauch am 5. und 6. Dezember abläuft, woher Kramperl und Buttnmandl kommen und was der Stiefel bedeutet.
Am Abend des 5. oder am 6. Dezember besuchen Nikolaus und Krampus in Bayern die Familien: Der Nikolaus im Bischofsgewand lobt und beschenkt die Kinder, der Krampus mit Fell, Hörnern und Rute steht drohend dabei. Dieser Einkehrbrauch ist seit der Mitte des 17. Jahrhunderts belegt und vor allem in Altbayern verbreitet, im Berchtesgadener Land mit den strohgekleideten Buttnmandln.
Es klopft dreimal, schwer, an der Haustür. Im Gang rasselt eine Kette. Dann steht er in der Stube: Bischofsgewand, Mitra, Stab, und hinter ihm, halb im Türrahmen, etwas Schwarzes mit Hörnern. Wer in Altbayern aufgewachsen ist, hat diesen Abend vermutlich nie ganz vergessen. Nikolaus und Krampus sind das ungleichste Paar des bayerischen Advents, und gerade deshalb funktioniert es seit Jahrhunderten.
Der historische Nikolaus war Bischof von Myra in Lykien, heute Demre an der türkischen Südküste, in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts. Viel mehr ist über sein Leben gesichert nicht bekannt, das meiste stammt aus späteren Legenden. Die bekannteste erzählt von drei verarmten Jungfrauen, denen er nachts heimlich Gold durchs Fenster warf, damit sie heiraten konnten. Andere berichten von geretteten Seeleuten und vermehrtem Korn in einer Hungersnot.
1087 brachten süditalienische Kaufleute seine Gebeine nach Bari, wo sie bis heute in der Basilika San Nicola liegen. Nikolaus wurde Patron der Seefahrer, der Kaufleute, der Schüler und der Kinder. Sein Gedenktag ist der 6. Dezember. Das Konzil von Oxford erhob das Nikolausfest 1222 zum Fest ersten Ranges, 1969 strich die katholische Kirche es als allgemein gebotenen Gedenktag wieder aus dem Generalkalender. Im Brauchtum hat das niemanden gestört.
Schon im Mittelalter war der 6. Dezember ein Schülerfest. In Klosterschulen wählten die Schüler einen Knabenbischof, der an diesem Tag in einer verkehrten Welt regieren und Gaben verteilen durfte. Das ging offenbar nicht immer gesittet zu: Das Konzil von Basel verbot 1435 das aufdringliche Betteln der Jugendlichen als Unfug. Aus diesem Schülerbrauch speist sich die enge Verbindung des Heiligen mit den Kindern, die bis heute trägt.
Der ältere Teil des Brauchs ist das heimliche Schenken. Wie der Heilige in der Legende unerkannt half, so legte man den Kindern in der Nacht Gaben hin, den sogenannten Einlegebrauch. Daraus ist der Nikolausstiefel geworden, den Kinder bis heute am Abend des 5. Dezember vor die Tür stellen. Hinein kamen Nüsse, Äpfel, Lebkuchen, später Schokolade.
Im katholischen Süden wurde aus dem unsichtbaren Schenker ein Besucher. Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts ist der Einkehrbrauch belegt, ausgehend von den Klosterschulen: Der Nikolaus kommt selbst ins Haus. Ab dem 18. Jahrhundert wurde er zum Werkzeug der Adventspädagogik. Brave Kinder bekamen Geschenke, unfolgsame die Rute. Dass die Bescherung heute an Weihnachten stattfindet, verdanken wir übrigens der Reformation: Evangelische Theologen sahen im Nikolausgeschenk Heiligenverehrung und verlegten die Gaben aufs Christfest, wo sie das Christkind übernahm.
Mit dem Hausbesuch brauchte der Heilige einen Gegenspieler. Im Norden wurde das Knecht Ruprecht, im Ostalpenraum der Krampus. Der Name kommt vermutlich vom mittelhochdeutschen Krampen, Kralle, oder vom bairischen Krampn für etwas Verdorrtes, Abgestorbenes. Schriftliche Quellen zum Krampus gibt es erst ab dem Ende des 16. Jahrhunderts.
Gern wird er als vorchristliche Gestalt bezeichnet, manche Brauchtumsfreunde sehen in ihm gar einen Nachfahren der Satyrn des Dionysos. Belegt ist davon nichts. Gesichert ist nur, dass der Krampus in den Stubenspielen der Gegenreformation als gebändigter Teufel auftrat, der dem Bischof gehorchen muss. Genau das ist die Pointe: Das Böse rasselt mit der Kette, aber es hat nichts zu sagen.
Verbreitet ist das Paar vor allem in Altbayern, Österreich, Südtirol und darüber hinaus im ganzen Ostalpenraum. In Schwaben heißt der Begleiter eher Pelznickel, im protestantischen Norden Deutschlands ist es Knecht Ruprecht. Die Grenze folgt grob der Konfession: Wo die Gegenreformation nicht griff, setzte sich der Ruprecht durch.
Im Voralpenland und im Salzburger Raum sagt man liebevoll Kramperl. Diese Verkleinerung täuscht: Der Kramperl trägt Fell und Rute, dazu eine Maske oder, wie es für die Region um den Chiemsee beschrieben wird, ein geschwärztes Gesicht. Zum Nikolaus gehört oft auch ein Engel, der die Gaben trägt. Bekannt sind daneben die Kletzenkramperl, kleine Krampusfiguren aus Dörrobst, und am Salzachufer zwischen Laufen und Oberndorf gab es einst das Nikologartl, ein Gärtchen aus Tannenzweigen und Moos mit Nikolaus- und Krampusfigur, das Kinder ins Fenster stellten. Der Brauch ist fast ausgestorben.
Eine ganz eigene Form hat das Berchtesgadener Land bewahrt. Hier begleiten den Nikolaus die Buttnmandl, Burschen, die von Kopf bis Fuß in langes, gedroschenes Stroh gewickelt sind, mit Fellmasken und großen Kuhglocken um die Hüfte. Angeführt werden sie von den fellgekleideten Kramperln, die die Anweisungen des Nikolaus weitergeben. Alle tragen eine Lebensrute. Die Glocken sollten, so die örtliche Deutung, die Natur aus dem Winterschlaf wecken.
Die Buttnmandl kommen je nach Ort zu verschiedenen Terminen, die meisten am Nikolausabend nach Einbruch der Dunkelheit, in Loipl und Winkl schon an den ersten Adventssonntagen, in Maria Gern erst an Heiligabend. Wichtig: Die traditionellen Läufe sind keine Publikumsveranstaltung, sondern Hausbesuche bei Familien. Öffentlich ist seit 1962 nur der Buttnmandllauf der Gebirgsjäger, der am 5. Dezember von der Kaserne in Strub nach Berchtesgaden zieht.
Zwei Formen sollte man auseinanderhalten. Der Nikolausbesuch in der Familie ist ein stiller, fast intimer Brauch mit Buch, Lob und Tadel. Die großen öffentlichen Läufe mit Dutzenden Krampussen, Ketten und Kuhglocken sind etwas anderes, sie haben eine eigene Seite: Krampuslauf in Bayern. Eine weitere Spielart im Süden Bayerns ist das Klausentreiben. Und wo sich Krampus und Percht vermischen, hilft die Seite zum Perchtenlauf weiter.
Der Nikolaus kommt längst nicht mehr nur in die Familien, auch auf dem Christkindlmarkt hat er seinen Auftritt. Wie das in der Landeshauptstadt aussieht, erzählt die Schwester-Site unter Christkindlmarkt in München.
Wer den Advent weiter verfolgt, landet zwei Tage vorher beim Barbarazweig und an den Donnerstagen danach bei den Klöpfelnächten. Alle Termine und Bräuche des Monats stehen im Dezember-Kalender.
Der Nikolaustag ist am 6. Dezember, dem Gedenktag des heiligen Nikolaus von Myra. Den Stiefel stellen Kinder am Abend des 5. Dezember vor die Tür, und auch der Hausbesuch von Nikolaus und Krampus findet meist an diesem Vorabend statt. 2026 fällt der Nikolaustag auf einen Sonntag.
Der Krampus ist der finstere Begleiter des Nikolaus im Ostalpenraum, mit Fellgewand, Hörnern, Maske und Rute. Er droht den unfolgsamen Kindern, muss dem Nikolaus aber gehorchen. Sein Name kommt vermutlich vom mittelhochdeutschen Krampen für Kralle oder vom bairischen Krampn für etwas Verdorrtes.
Knecht Ruprecht ist der Nikolausbegleiter aus dem protestantisch geprägten Norden, meist ein bärtiger Mann in dunkler Kutte, der allein auftritt. Krampusse gehören in die katholischen Alpenländer und treten oft in Gruppen auf. Außerhalb der Gebiete der Gegenreformation hat sich dagegen Knecht Ruprecht durchgesetzt.
Kramperl ist die verkleinernde Mundartform für den Krampus, gebräuchlich im bayerischen Alpenvorland, im Salzburger Land und in der Steiermark. Im Berchtesgadener Land führen die Kramperl im Fellkostüm die Gruppe der Buttnmandl an. Als Kletzenkramperl gibt es die Figur auch aus Dörrobst.
Der Nikolausstiefel geht auf den älteren Einlegebrauch zurück: Der Heilige beschenkte unerkannt in der Nacht, so wie er nach der Legende drei arme Jungfrauen heimlich mit Gold beschenkte. Gefüllt wurden Schuh oder Stiefel traditionell mit Nüssen, Äpfeln, Lebkuchen und später Schokolade.
Der Nikolaus kommt meist am Abend des 5. oder 6. Dezember mit dem Krampus, oft auch mit einem Engel, in die Stube und fragt die Kinder, ob sie brav waren und gefolgt haben. Er lobt und ermahnt, die Braven bekommen Gaben. Der Krampus steht drohend dabei, muss aber dem Nikolaus gehorchen.
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DezemberStand: 21. Oktober 2026. Redaktion Brauchtum in Bayern, Chinesischer Turm e.V. Hinweise und Korrekturen an servus@brauchtum-in-bayern.de.