Brauchtum in BayernBräuche, belegt erzählt
Advent · Schwaben

Klausentreiben

Klausentreiben im Allgäu: wann Klausen und Bärbele unterwegs sind, wie alt der Brauch belegt ist, wer mitlaufen darf und was 2026 in Sonthofen ansteht.

Kurz gesagt

Das Klausentreiben ist der Nikolausbrauch des Allgäus: Am 5. und 6. Dezember ziehen junge Männer in Fellgewändern, mit Hörnern und schweren Kuhglocken lärmend durch Dörfer und Märkte. Am Abend davor, dem Barbaratag am 4. Dezember, sind die Bärbele unterwegs, als Hexen verkleidete junge Frauen. Mittelpunkt ist Sonthofen im Oberallgäu, Sitz der größten Klausenvereinigung der Alpen.

Anfang Dezember wird es im Allgäu laut. Erst klingeln die Schellen der Bärbele durch die Gassen, dann rumpeln die Klausen mit Kuhglocken und Ketten hinterher, und wer zur falschen Zeit über den Marktplatz von Sonthofen geht, hat plötzlich eine zottelige Gestalt mit Hörnern vor sich. Das Klausentreiben ist der Nikolausbrauch des Allgäus, und es ist ein Brauch, der sich hören lässt, lange bevor man ihn sieht.

Was ist das Klausentreiben?

Das Klausentreiben hat sich in vielen Orten des Allgäus erhalten. Es ist eng mit dem Nikolaustag verbunden und dem altbayerischen Krampuslauf verwandt, hat aber eigene Gestalten, eigene Regeln und einen eigenen Rhythmus. Die Klausen, mancherorts auch Rumpelklausen genannt, tragen ein Gewand aus Fell und Leder, das im Allgäu Häs heißt, dazu Tierköpfe oder Kappen mit Ochsenhörnern. Schellen, Kuhglocken und rasselnde Ketten machen das Treiben weithin hörbar.

Ein Häs wiegt bis zu 25 Kilogramm und entsteht nach den Vorgaben des jeweiligen Vereins, viele Klausen nähen es selbst, was zwei bis drei Wochen dauern kann. In Sonthofen sind die Hörner auf fellbezogene Motorrad- oder Skihelme montiert und aus Versicherungsgründen nur einspitzig. Man merkt: Auch ein wilder Brauch hat seine Haftpflichtfragen.

Wann ist Klausentreiben?

Das Klausentreiben dauert traditionell drei Nächte. Den Anfang machen am 4. Dezember, dem Barbaratag, die Bärbele. Am 5. und 6. Dezember, also am Vorabend und am Tag des heiligen Nikolaus, gehören die Straßen dann den Klausen. Diese Daten sind fest, sie wandern nicht mit dem Wochenende. 2026 fällt der Barbaratag auf einen Freitag, der Nikolaustag auf einen Sonntag.

Die genauen Uhrzeiten legen die örtlichen Vereine fest. In Sonthofen dauert der offizielle Teil nach Angaben des Klausenvereins jeweils von 20 bis 22 Uhr. Was für die Saison 2026 offiziell angekündigt ist, steht in der Terminliste dieser Seite und unter Termine.

Die Bärbele

Die Bärbele gehören zum Barbaratag. Unverheiratete Frauen und Mädchen ab 16 Jahren verkleiden sich als alte Hexen, mit Fetzengewändern und schauriger Maske, und ziehen mit Ruten, Besen und Schellen durch die Straßen. Sie fegen symbolisch alles „Schmutzige“ und „Unanständige“ aus dem Ort. Mancherorts verteilen sie Äpfel, Nüsse und Kekse, aber auch Rutenhiebe, vorzugsweise an junge Männer. Nach volkstümlicher Deutung fallen die Hiebe mal sanft aus wie die heilige Barbara, mal fester wie ihr jähzorniger Vater.

Mit Barbara ist der Abend auch auf andere Weise verbunden: Am selben Tag schneidet man in vielen bayerischen Haushalten die Barbarazweige, die zu Weihnachten blühen sollen. Das Bärbeletreiben selbst ist jünger als das Klausentreiben und kam nur in wenigen Orten hinzu.

Woher kommt das Klausentreiben?

Der erste schriftliche Nachweis ist ein Verbot: 1642 untersagte die Stadt Memmingen die Klausen als „groben Unfug“. Die umliegenden Dörfer hielten dennoch an ihrem Brauch fest, und so hat er sich im Allgäu bis heute gehalten. Gejagt werden inzwischen allerdings weniger die Geister als vorwitzige Zuschauer.

Über Herkunft, Alter und Bedeutung des Klausentreibens gibt es, wie der Bezirk Schwaben festhält, zahlreiche Theorien. Angaben von tausend oder gar zweitausend Jahren, die in touristischen Texten kursieren, sind nicht belegt. Auch ein heidnischer oder keltischer Ursprung ist nicht nachgewiesen. Wie es mit Nikolaus und seinen Begleitern insgesamt bestellt ist, erklärt die Seite Nikolaus und Krampus.

Wer darf beim Klausentreiben mitlaufen?

Teilnehmen dürfen in der Regel nur ledige junge Männer, die Mitglied im örtlichen Klausenverein sind. Jeder Verein legt eigene Regeln fest. In Sonthofen gilt ein Mindestalter von 16 Jahren, die meisten Klausen sind nach Vereinsangaben zwischen 16 und 26 Jahre alt, und drei ältere Klausen wachen darüber, dass niemand aus der Reihe tanzt. Die Bärbele gehören dort demselben Verein an.

Das Klausentreiben in Sonthofen

In Sonthofen ist nach Angaben der Allgäu GmbH die größte Klausenvereinigung der Alpen zu Hause. An jedem Abend verfolgen nach Angaben des Vereins 7.000 bis 8.000 Zuschauer das Treiben; 2015 liefen 160 Klausen und 120 Bärbele mit. Zum 35-jährigen Bestehen des Klausenvereins kamen 2011 rund 500 Klausen, Bärbele, Krampusse und Perchten aus dem gesamten Alpenraum nach Sonthofen. 2026 feiert der Verein sein 50-jähriges Bestehen mit einem eigenen Jubiläumsumzug, bei dem neben Klausen auch Krampusse mitlaufen. Rund um das Treiben findet im Weihnachtsdorf der Innenstadt der Klausenmarkt statt.

Ist das Klausentreiben gefährlich?

Wer respektvollen Abstand hält, ist weitgehend sicher. Wer die Klausen herausfordert, muss mit der Rute rechnen, das gehört gewissermaßen zum Vertrag. Dass Grenzen überschritten werden, kommt trotzdem vor: 2023 verletzten im unterallgäuischen Markt Wald vier maskierte Klausen ein Kind und einen Jugendlichen leicht, die Polizei ermittelte wegen Körperverletzung. Abgesehen davon hätten die Klausen nur Hiebe verteilt, die im Rahmen des Brauchtums unproblematisch seien, teilte die Polizei mit. Nach ihren Angaben kommt es beim Klausentreiben „immer mal wieder“ zu Körperverletzungen, ein größeres Gewaltproblem gebe es aber nicht.

Klausentreiben im Ober- und Unterallgäu

Oberallgäu. Der Brauch wird vor allem mit dem Oberallgäu verbunden, mit Sonthofen als Mittelpunkt und zahlreichen Dörfern, in denen die Rumpelklausen nach den Regeln ihres Vereins unterwegs sind.

Unterallgäu. Auch hier gibt es Klausenvereine, etwa die Hetla-Klausa und die Erkheimer Klausen. Sie wirkten 2018/19 an einer vom Bezirk Schwaben geförderten Weihnachtsausstellung im Stadtmuseum Memmingen mit, die unter dem Titel „Grober Unfug“ die Geschichte des Brauchs zeigte, mit Ruten, Glocken, Häs und ganzen Klausengruppen. Dass ausgerechnet Memmingen, das den Brauch 1642 verboten hatte, ihm eine Ausstellung widmete, hat eine gewisse Ironie.

Das Klausentreiben ist einer der markantesten Bräuche Bayerisch-Schwabens; weitere stellt die Seite zur Region Schwaben vor. Wie verwandte Maskengestalten in Oberbayern auftreten, zeigt die Seite zum Perchtenlauf, alle Bräuche des Advents sammelt der Monat Dezember.

Termine der Saison

Sa28.Nov 2026

Jubiläumsumzug 50 Jahre Klausenverein Sonthofen (Klausen- und Krampusumzug)

Samstag, 28. November 2026, 17:00 Uhr. Sonthofen, Innenstadt, Landkreis Oberallgäu. Quelle: Veranstalter.

Fr4.Dez 2026

Klausenmarkt Sonthofen

Freitag, 4. Dezember 2026. Sonthofen, Weihnachtsdorf in der Innenstadt, Landkreis Oberallgäu. Quelle: Veranstalter.

Fr4.Dez 2026

Bärbele- und Klausentreiben Sonthofen (Beginn)

Freitag, 4. Dezember 2026. Sonthofen, Innenstadt und Ortsteile, Landkreis Oberallgäu. Quelle: Veranstalter.

Termine nach Angaben der Veranstalter, ohne Gewähr. Kurzfristige Änderungen veröffentlichen die Gemeinden und Vereine.

Häufige Fragen

Wann ist Klausentreiben?

Die Klausen ziehen am 5. und 6. Dezember, also am Vorabend und am Tag des heiligen Nikolaus. Am 4. Dezember, dem Barbaratag, sind die Bärbele unterwegs. In Sonthofen kommen ein Klausenmarkt und in manchen Jahren zusätzliche Umzüge hinzu.

Wer darf beim Klausentreiben mitlaufen?

In der Regel nur ledige junge Männer, die einem örtlichen Klausenverein angehören. In Sonthofen gilt ein Mindestalter von 16 Jahren; die genauen Regeln bestimmt jeder Verein selbst.

Was sind Bärbele?

Bärbele sind unverheiratete junge Frauen, die sich am Barbaratag als alte Hexen verkleiden und mit Ruten, Besen und Schellen durch die Straßen ziehen. Sie fegen symbolisch das Schmutzige aus dem Ort.

Ist das Klausentreiben gefährlich?

Für Zuschauer, die respektvollen Abstand halten und die Klausen nicht provozieren, ist es weitgehend ungefährlich. Rutenhiebe gehören zum Brauch, Verletzungen sind nach Angaben der Polizei die Ausnahme.

Was bedeutet das Klausentreiben?

Über Herkunft und Bedeutung gibt es zahlreiche Theorien und keine gesicherte Antwort. Heute versteht man es als Nikolausbrauch, bei dem das Wilde und Böse lärmend ausgetrieben wird.

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