Brauchtum in BayernBräuche, belegt erzählt
Advent · Altbayern

Krampuslauf

Krampuslauf in Bayern: wer der Krampus ist, woher der Brauch kommt, welche Regeln für die Rute gelten und wo Krampusläufe in Bayern 2026 stattfinden.

Kurz gesagt

Ein Krampuslauf ist ein Umzug von Krampussen, den teufelsähnlichen Begleitern des heiligen Nikolaus, mit Fell, geschnitzter Hörnermaske, Kuhglocken und Rute. In Bayern finden Krampusläufe vor allem in Altbayern statt, etwa im Berchtesgadener Land, im Chiemgau und in München, meist zwischen Ende November und Mitte Dezember. Der traditionelle Krampustag ist der 5. Dezember, der Vorabend des Nikolaustags.

Der Krampus ist der finstere Begleiter des heiligen Nikolaus. Während der Nikolaus die braven Kinder beschenkt, droht der Krampus den unartigen mit der Rute, und das seit Jahrhunderten mit großem Erfolg in Sachen Gänsehaut. Aus dem Hausbesuch am Vorabend des Nikolaustags sind vielerorts öffentliche Umzüge geworden. Diese Krampusläufe ziehen heute in Altbayern und im Alpenvorland Tausende Zuschauer an, in München sogar Zehntausende.

Wer ist der Krampus?

Der Krampus gehört untrennbar zum Nikolaus. Er hat ihm zu gehorchen, und gerade diese Rollenverteilung ist der Sinn des Paares: Das Gute behält die Oberhand über das Böse. Äußerlich gleicht der Krampus dem Teufel, mit zottigem Fell, Hörnern und einer geschnitzten Maske. Die Grazer Religionswissenschaftlerin Theresia Heimerl verweist auf ein altes Bildmotiv, das dieselbe Ordnung zeigt: die heilige Margarete, die den Teufel in Gestalt eines Drachens an der Kette führt. Über das Jesuitentheater der Gegenreformation kam der gezähmte Teufel auf die Bühne und an die Seite des Nikolaus.

Vom norddeutschen Knecht Ruprecht unterscheidet sich der Krampus deutlich. Knecht Ruprecht stammt aus dem protestantischen Norden, trägt meist eine dunkle Kutte und tritt allein auf. Krampusse dagegen kommen in Gruppen, und das macht den Lauf erst zum Lauf. Wie Nikolaus und Krampus beim Hausbesuch zusammenspielen, erzählt die Seite Nikolaus und Krampus.

Woher kommt der Krampus?

Verkleidete Gabenbringer sind nach Heimerl seit 1555 belegt. Die Nikolausbescherung geht auf die Bischofsspiele der Klosterschulen zurück, bei denen ein als Bischof verkleideter Schüler die anderen beschenken durfte. Fast 500 Jahre lang traten Nikolaus und Krampus danach gemeinsam auf. In München zogen nach Angaben der Stadt schon im 16. Jahrhundert sogenannte Klabaufs durch die Gassen: als Bischöfe verkleidete Schüler, Kantoren und Schulmeister von Frauenkirche und St. Peter, die so viel Wirbel machten, dass die Obrigkeit einschritt. Im Biedermeier besuchte der Krampus vor allem Privathäuser, wo er den Kindern die Folgen guten und bösen Handelns recht drastisch vor Augen führte. Heute ist er ein touristisches Schauspiel und zugleich eine Figur regionaler Identität.

Woher der Name kommt, ist nicht geklärt. In älteren Texten erscheint das Wort als „Grampus“ oder „Grampes“. Erwogen werden die „Krampen“ im Sinne von Klaue oder Kralle und das bairische Scheltwort gramp für ungezogene Kinder. Manche Brauchtumsfachleute vermuten Wurzeln in der Spätantike, etwa in satyrhaften Gestalten des Dionysoskults; belegt ist eine solche Verbindung nicht.

Wann ist Krampuslauf?

Der Krampustag ist der 5. Dezember, der Vorabend des Nikolausfests. An diesem Abend erscheinen Nikolaus und Krampus traditionell gemeinsam, mancherorts auch erst am 6. Dezember. Die öffentlichen Krampusläufe verteilen sich dagegen über mehrere Wochen: Im Chiemgau finden sie nach Angaben des Tourismusverbands meist zwischen Ende November und Mitte Dezember statt, der Münchner Lauf liegt an einem Sonntag im Advent. Die genauen Termine wechseln von Jahr zu Jahr und werden von den Veranstaltern bekanntgegeben; was für die Saison 2026 offiziell bestätigt ist, steht in der Terminliste dieser Seite und unter Termine.

Wie läuft ein Krampuslauf ab?

Ein Krampus trägt Fell, eine aus Zirben- oder Lindenholz geschnitzte Hörnermaske, die Larve, dazu schwere Kuhglocken, Ketten und eine Rute. Zur Krampuslarve gehören zwei Hörner; Masken mit vier bis zehn Hörnern kennzeichnen nach Angaben der Stadt München eher die Perchten. Eine Maske kann bis zu zehn Kilogramm wiegen, ein vollständiges Gewand kostet zwischen 1.800 und 2.500 Euro. Wer mitläuft, investiert also nicht nur Zeit.

Die Läufer sind in Gruppen organisiert, die sich oft Pass nennen. Sie ziehen mit Glockengeläut durch die Straßen, oft begleitet von einem Nikolaus, und suchen den Kontakt mit dem Publikum, gern auch etwas näher, als manchem lieb ist.

Regeln für die Rute

Für die Rute gibt es feste Regeln. Im Berchtesgadener Land etwa schlägt man nach örtlicher Regel nur gegen die Beine und nie oberhalb des Nabels. Wer diese Grenzen überschreitet oder Gewalt anwendet, muss nach Einschätzung des Münchner Strafverteidigers und Honorarprofessors Christoph Knauer mit strafrechtlichen Risiken rechnen. Solange die Regeln eingehalten werden, besteht nach Knauer weitgehend Einigkeit, dass ein Brauch nicht strafbar sein soll.

Dass solche Regeln nötig sind, zeigen Vorfälle wie 2016 in Schönau am Königssee, wo maskierte Teilnehmer eines Nikolauslaufs nach Presseberichten zwei Frauen aus ihrem Haus gezerrt und bedrängt haben sollen; die Polizei ermittelte wegen sexueller Nötigung. Der Berchtesgadener Polizeichef stellte damals klar, das habe mit Brauchtum nichts zu tun.

Wo gibt es Krampusläufe in Bayern?

Berchtesgadener Land. Hier heißt der Krampus Kramperl. Am Nikolaustag ziehen Kramperl und Buttnmandl nach Einbruch der Dunkelheit durch viele Gemeinden und Gnotschaften, die alten Ortsteile. Die Kramperl halten die Gruppe zusammen und geben die Weisungen des Nikolaus weiter; sie tragen eine „Lebensrute“, mit der sie gegen die Beine schlagen. Der Brauch ist ein Einkehrbrauch bei den Familien und keine Veranstaltung für Zuschauer. Öffentlich wird es zum Beispiel am 5. Dezember, wenn die Gebirgsjäger seit 1962 einen Umzug von der Strub-Kaserne nach Berchtesgaden veranstalten.

Chiemgau. Traunstein, Inzell und Ruhpolding halten im Advent eigene Krampusläufe ab, in Traunstein auch rund um den Christkindlmarkt.

München. Der städtische Krampuslauf ist eine junge Tradition mit großem Publikum. Er fand erstmals am 12. Dezember 2004 mit etwa 100 Figuren statt. Inzwischen ziehen rund 25 Gruppen aus Bayern, Österreich und Südtirol mit mehr als 300 Teilnehmern durch die Altstadt, und bis zu 50.000 Menschen schauen zu. Die Stadt richtet den Lauf gemeinsam mit der ersten Münchner Krampusgruppe, der Sparifankerl-Pass, aus. Was München im Advent sonst noch an Bräuchen zu bieten hat, sammelt die Schwester-Site unter Adventsbrauchtum in München.

Die Krampusläufe sind vor allem ein altbayerisches Phänomen, wie die Seite zur Region Altbayern zeigt. Im Allgäu übernimmt eine verwandte Gestalt die Rolle: Dort ziehen beim Klausentreiben die Klausen durch die Orte.

Krampus und Perchten

Krampus und Perchten werden oft verwechselt, und das nicht ohne Grund. Ursprünglich trennt sie die Zeit: Der Krampus begleitet den Nikolaus im Advent, die Perchten gehören in die Rauhnächte zwischen Weihnachten und Dreikönig. Heimerl weist darauf hin, dass die frühen Belege für Maskenläufe ab 1582 keine Verbindung zum Nikolaus kennen. Heute verschwimmen die Grenzen, Mischgestalten wie die Krampusperchten sind entstanden, und viele Gruppen laufen in beiden Rollen. Alle Bräuche rund um den Nikolaustag stehen im Monat Dezember.

Termine der Saison

So13.Dez 2026

Krampuslauf München

Sonntag, 13. Dezember 2026, 15:00 Uhr. München, Altstadt: Augustinerstraße, Fußgängerzone, Sendlinger Straße, Rindermarkt, Viktualienmarkt bis Altes Rathaus, Landeshauptstadt München. Quelle: Veranstalter.

Termine nach Angaben der Veranstalter, ohne Gewähr. Kurzfristige Änderungen veröffentlichen die Gemeinden und Vereine.

Häufige Fragen

Was ist ein Krampus?

Der Krampus ist der teufelsähnliche Begleiter des heiligen Nikolaus. Er straft symbolisch die unartigen Kinder, muss aber dem Nikolaus gehorchen.

Wann kommt der Krampus?

Traditionell am Abend des 5. Dezember, dem Krampustag, zusammen mit dem Nikolaus, mancherorts auch am 6. Dezember. Öffentliche Krampusläufe finden in den Wochen um den Nikolaustag statt.

Woher kommt der Krampus?

Der Brauch stammt aus dem katholischen Alpenraum und hängt an den Nikolausbräuchen der Klosterschulen, wo verkleidete Gabenbringer seit 1555 belegt sind. Bildlich knüpft er an Darstellungen des gezähmten Teufels an.

Wie sieht der Krampus aus?

Er trägt ein zottiges Fellgewand, eine geschnitzte Holzmaske mit zwei Hörnern, schwere Kuhglocken, Ketten und eine Rute. Masken mit vier und mehr Hörnern gehören dagegen meist zu Perchten.

Was ist der Unterschied zwischen Krampus und Perchten?

Der Krampus gehört zum Nikolaus und damit in den Advent. Die Perchten gehören in die Raunächte zwischen Weihnachten und Dreikönig und haben mit dem Nikolaus ursprünglich nichts zu tun. Heute vermischen sich beide Gestalten vielerorts.

Advent

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Dezember