Brauchtum in BayernBräuche, belegt erzählt
Jahreswechsel · Ganz Bayern

Rauhnächte

Rauhnächte in Bayern: wann sie beginnen und enden, wie viele es gibt, welche Bräuche belegt sind und alle Nächte 2026/27 mit Datum im Überblick.

Kurz gesagt

Die Rauhnächte, amtlich Raunächte, sind die Nächte zwischen Heiligabend und dem Dreikönigstag am 6. Januar, je nach Region drei bis zwölf an der Zahl. In Bayern, besonders in Altbayern, Schwaben und Teilen Frankens, gehören dazu das Ausräuchern von Haus und Stall, Arbeitsverbote, Orakel und die Umzüge der Perchten. Nach älterer Zählung beginnen sie schon mit der Thomasnacht vom 20. auf den 21. Dezember.

Was sind die Raunächte?

Zwischen Weihnachten und Dreikönig steht das Jahr gefühlt still. Man sagt „zwischen den Jahren“, und genau in diese Lücke fallen die Raunächte. Gemeint sind die Nächte zwischen Heiligabend und dem Dreikönigstag am 6. Januar, um die sich in Bayern und im ganzen Alpenraum seit Jahrhunderten Bräuche ranken: Haus und Stall werden ausgeräuchert, bestimmte Arbeiten bleiben liegen, und in den Stuben befragt man die Zukunft.

Der Volksglaube hielt diese Nächte für eine Zeit, in der Geister besonders rege sind. Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache fasst es nüchtern zusammen: In den Raunächten wurden Häuser und Ställe ausgeräuchert, um die umgehenden Wesen fernzuhalten. Wie viele Nächte dazugehören, ist dabei keineswegs einheitlich geregelt. Je nach Gegend sind es drei, vier oder zwölf.

Raunächte oder Rauhnächte?

Nach amtlicher Rechtschreibung heißen sie Raunächte. Gesucht und geschrieben wird aber bis heute meist die ältere Form mit h, weshalb diese Seite im Titel „Rauhnächte“ verwendet. Woher das Wort stammt, ob vom Räuchern oder von „rau“ im Sinn von „haarig“, ist ungeklärt. Die verschiedenen Erklärungen ordnet die Seite zu Bedeutung und Herkunft der Rauhnächte ein.

Wann beginnen die Raunächte, und wann enden sie?

Eine einheitliche Antwort gibt es nicht, und das ist keine Ausrede, sondern Volkskunde. Am verbreitetsten ist heute die Zählung von Heiligabend bis zum Dreikönigstag. Nach älterer Überlieferung begann die Zeit bereits mit dem Thomastag am 21. Dezember, dem kürzesten Tag des Jahres. Die Universität Innsbruck beschreibt diese ältere Zählung für Tirol, Wikipedia nennt beide Zeiträume.

Als herausgehobene Nächte gelten vier: die Thomasnacht vom 20. auf den 21. Dezember, die Christnacht, die Silvesternacht und die Nacht vor Dreikönig. Auch ein Bericht über die Bräuche im fränkischen Landkreis Kitzingen spricht von ursprünglich vier, später zwölf Raunächten. Das Austria-Forum nennt Christnacht und Dreikönigsnacht die beiden wichtigsten.

Wer von der Christnacht bis zur Nacht vor Dreikönig zählt, kommt übrigens auf dreizehn Nächte und nicht auf zwölf. Manche Zählungen beginnen deshalb erst am 25. Dezember, andere enden schon mit der Nacht auf den 5. Januar. Eine verbindliche Nummerierung, die festlegt, welche Raunacht heute ist, gibt es nicht.

Die Raunächte 2026/27 im Kalender

Die vier herausgehobenen Nächte fallen in diesem Winter auf folgende Tage:

Nacht Datum
Thomasnacht Sonntag, 20., auf Montag, 21. Dezember 2026
Christnacht Donnerstag, 24., auf Freitag, 25. Dezember 2026
Silvesternacht Donnerstag, 31. Dezember 2026, auf Freitag, 1. Januar 2027
Nacht vor Dreikönig Dienstag, 5., auf Mittwoch, 6. Januar 2027

Dazwischen liegen die übrigen Nächte, von Freitag, 25., auf Samstag, 26. Dezember 2026 bis Montag, 4., auf Dienstag, 5. Januar 2027. Der 6. Januar ist in Bayern gesetzlicher Feiertag, die Raunächte enden also mit einem freien Tag.

Welche Bräuche gehören in Bayern zu den Raunächten?

Räuchern. Mit Glut aus dem Herd, Weihrauch, Teilen des geweihten Palmbuschens oder geweihten Kräutern ging man betend durch Haus und Stall, eine zweite Person segnete die Räume mit Weihwasser. In Bayerisch-Schwaben ist das Ausräuchern seit dem 17. Jahrhundert belegt, vor allem in der Heiligen Nacht, an Silvester und in der Nacht vor Dreikönig. Wie der Gang durchs Haus genau ablief, beschreibt die Seite zum Räuchern in der Rauhnacht.

Arbeitsruhe. Vielerorts durfte in diesen Nächten keine Wäsche gewaschen und aufgehängt werden, auch Spinnen, Nähen und Ausmisten waren verpönt. Michael Ritter vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege betont, dass diese Regeln von Ort zu Ort sehr verschieden waren.

Orakel. Die Nächte galten als Zeit, in der sich die Zukunft befragen ließ. In Schwaben ist seit dem 19. Jahrhundert das Zwiebelorakel bezeugt: Zwölf Zwiebelschalen werden gesalzen, je eine für einen Monat des kommenden Jahres, und wer am Morgen nachschaut, liest daraus die nassen und trockenen Monate.

Umgehende Gestalten. Nach der Überlieferung zogen in diesen Nächten die Wilde Jagd und die Percht umher. Bis heute laufen in Oberbayern die Perchten, etwa im Landkreis Ebersberg, wo der Kirchseeoner Perchtenlauf seit 2024 im Bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes steht.

Wie diese Bräuche im Einzelnen aussahen und was von den heute beliebten Wunschritualen zu halten ist, steht auf der Seite Rauhnächte: Rituale und Bräuche.

Raunächte in Altbayern, Schwaben und Franken

Die Raunächte sind ein bayernweites Thema, aber jede Gegend hat ihre eigenen Schwerpunkte. Im bayerischen Oberland gilt der 5. Januar als wichtigste Raunacht. In Schwaben ist besonders das Räuchern dokumentiert, mit Weihrauch auf einem Kohlebett oder mit geweihten Kräuterbuschen. Im unterfränkischen Landkreis Kitzingen gehen manche Familien bis heute mit glühenden Kohlen und geweihtem Weihrauch durch Haus und Stall und beten dabei das Vaterunser und das Ave Maria. Dort hält sich auch die Regel, in den letzten sechs Tagen des alten und den ersten sechs Tagen des neuen Jahres keine Wäsche zu waschen.

Wer sich für den Kalender des ganzen Winters interessiert, findet die Bräuche des Advents und der Weihnachtszeit im Monat Dezember, die des Jahresbeginns im Monat Januar.

Raunächte mit Kindern

Ganz ohne Gruseln kommen die Raunächte nicht aus, aber einiges war schon immer Sache der Kinder. Am Abend des 5. Januar ziehen in Oberbayern beim Raunubedln (vom Betteln in der Raunacht) verkleidete Kinder und Jugendliche von Haus zu Haus, sagen Spottverse auf und bekommen dafür Krapfen oder Kleingeld. Einen Tag später sind die Kinder auf andere Weise unterwegs: Um den Dreikönigstag schreiben die Sternsinger den Segen C+M+B an die Haustüren, die Abkürzung für „Christus mansionem benedicat“, Christus segne dieses Haus. Die Aktion Dreikönigssingen in ihrer heutigen Form gibt es seit 1959.

Woher kommen die Raunächte?

Das ist nicht geklärt. Michael Ritter führt die Raunächte auf den Unterschied zwischen Mond- und Sonnenjahr zurück, räumt aber zugleich ein, dass man über kaum ein Thema so wenig weiß, weil oft die Quellen fehlen. Die Vorstellung, die Raunächte gingen auf ein germanisches Fest zur Wintersonnenwende zurück, entstand im 19. Jahrhundert und ist in der Forschung umstritten. Belegt ist dagegen die enge Bindung an das Kirchenjahr: Die herausgehobenen Nächte sind Vorabende kirchlicher Feste, geräuchert wurde mit geweihtem Weihrauch.

Warum die Raunächte wieder gefragt sind

In den letzten Jahren erleben die Raunächte eine regelrechte Wiederentdeckung, mit Räucherkursen an Volkshochschulen und viel Zubehör im Handel. Die Kulturanthropologin Lisa Maubach spricht von einer Renaissance, befördert durch die Achtsamkeitswelle und die Corona-Pandemie. Nach Michael Ritter spielt die Angst vor Unheil heute kaum noch eine Rolle, im Vordergrund stehen Traditionsbewusstsein und das Bedürfnis, sich kulturell zu verorten. Viele der heute verbreiteten Rituale lassen sich historisch allerdings nicht belegen, was ihrer Beliebtheit erkennbar keinen Abbruch tut.

Häufige Fragen

Was ist eine Rauhnacht?

Eine der Nächte zwischen Heiligabend und Dreikönig, die im Volksglauben als besondere Zeit galten. Man räucherte Haus und Stall aus, ließ bestimmte Arbeiten ruhen und suchte nach Vorzeichen für das kommende Jahr.

Wann ist die erste Rauhnacht?

Nach heute verbreiteter Zählung die Christnacht vom 24. auf den 25. Dezember. Wer der älteren Überlieferung folgt, beginnt mit der Thomasnacht vom 20. auf den 21. Dezember, 2026 also in der Nacht von Sonntag auf Montag.

Wann ist die letzte Rauhnacht?

Die Nacht vom 5. auf den 6. Januar, der Vorabend des Dreikönigstags. In Bayern gilt sie vielerorts als die wichtigste Raunacht; 2027 fällt sie auf die Nacht von Dienstag auf Mittwoch.

Wie viele Rauhnächte gibt es?

Je nach Region drei bis zwölf. Ursprünglich waren es vier herausgehobene Nächte, heute zählt man meist zwölf.

Wie lange dauern die Rauhnächte?

In der heute üblichen Zählung rund zwei Wochen, von Heiligabend bis zum Dreikönigstag. Nach der älteren Zählung ab dem Thomastag sind es gut zweieinhalb Wochen.

Schreibt man Rauhnächte oder Raunächte?

Nach amtlicher Rechtschreibung „Raunächte“. Die Schreibung mit h ist älter und noch weit verbreitet, gilt aber nicht mehr als korrekt; als Nebenform ist „Rauchnacht“ belegt.

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