Brauchtum in BayernBräuche, belegt erzählt
Raunächte · Ganz Bayern

Räuchern in den Rauhnächten

Rauhnacht räuchern in Bayern: an welchen Nächten Haus und Stall ausgeräuchert wurden, was in die Räucherpfanne kam und was volkskundlich dahintersteckt.

Kurz gesagt

Das Räuchern in den Raunächten ist ein alter Hausbrauch im Alpenraum und in Altbayern: Zwischen Weihnachten und Dreikönig trug der Hausvater eine Pfanne mit Glut und Weihrauch durch Haus und Stall, begleitet von Gebet und Weihwasser. Am häufigsten geräuchert wurde in der Christnacht, an Silvester und am Vorabend des 6. Januar.

Es riecht nach Kirche, nur eben in der Küche. Wer in einem alten Bauernhaus im Chiemgau oder im Berchtesgadener Land aufgewachsen ist, kennt diesen Abend: Der Vater nimmt die eiserne Pfanne vom Haken, die Mutter schaufelt Glut aus dem Herd, ein Kind hält das Weihwasser. Dann zieht die Familie in einer kleinen Prozession durch jede Stube, hinunter in den Keller und hinüber in den Stall. Das Räuchern in den Raunächten ist einer der wenigen Bräuche dieser Zeit, die nie ganz verschwunden sind, und gleichzeitig einer der am meisten missverstandenen.

Was bedeutet Räuchern in den Rauhnächten?

Die Raunächte sind die Nächte zwischen Weihnachten und Dreikönig, regional auch schon ab dem Thomastag am 21. Dezember gezählt. Was diese Zeit im Volksglauben so unheimlich machte, erklärt die Seite Rauhnächte: Bedeutung und Herkunft. Hier geht es um den einen Brauch, der ihr womöglich sogar den Namen gegeben hat.

Das Räuchern war ursprünglich eine Segnung. Mit dem Rauch von geweihtem Weihrauch und geweihten Kräutern sollten Haus, Hof und Vieh für das kommende Jahr unter Schutz gestellt werden. Im Spätmittelalter verband sich damit die Vorstellung, so Geister und Dämonen abzuwehren, die in diesen Nächten unterwegs seien. Kirchlich gedeutet steigt der Weihrauch wie das Gebet nach oben, ein Bild, das bis in die Offenbarung des Johannes zurückreicht.

Woher kommt der Brauch?

Schriftlich greifbar wird das Räuchern im frühen 16. Jahrhundert. Der Humanist Johannes Boemus beschreibt 1520, Sebastian Franck 1534 in seinem Weltbuch, dass Priester oder Hofbauern in diesen Nächten die Ställe mit Weihrauch beräucherten, Franck zufolge auch jedes Haus.

Ob das Wort Raunacht vom Rauch kommt, ist nicht entschieden. Die eine Deutung führt es auf das Räuchern zurück, die andere auf mittelhochdeutsch rûch, haarig, und damit auf pelzige Dämonengestalten. Welche Erklärung die ältere ist, gilt in der Forschung als offen. Ebenso offen ist, ob hinter dem Räuchern ein vorchristlicher Kern steckt. Die Behauptung, man habe schon „bei den Germanen“ so geräuchert, ist verbreitet, aber nicht belegt.

Wann wurde in den Raunächten geräuchert?

Nicht an allen zwölf Abenden, sondern an den wichtigsten. Überliefert sind vor allem:

  • die Christnacht vom 24. auf den 25. Dezember,
  • die Silvesternacht,
  • die Nacht vor Dreikönig, also vom 5. auf den 6. Januar.

Manche Gegenden nahmen die Thomasnacht vor dem 21. Dezember als vierte hinzu. Im Salzburger Unken, gleich hinter der bayerischen Grenze, räuchern Familien bis heute an diesen drei Abenden. Für das Chiemsee-Alpenland beschreibt der Tourismusverband, wie der Hausvater an den drei oder vier wichtigsten Nächten Haus, Hof und Stall ausräuchert. In Tirol dagegen hat sich der Brauch nach Angaben der Universität Innsbruck nur noch in Rückzugsgebieten gehalten.

Was kommt in die Räucherpfanne?

Das Gerät ist schlicht: eine eiserne Rauchpfanne mit Holzgriff oder ein anderes feuerfestes Gefäß. Hinein kommt Glut aus dem Holzherd, darauf das Räucherwerk.

Räucherwerk Herkunft im Brauch
Weihrauchkörner kirchlich, am häufigsten genannt
Zweige aus dem Palmbuschen am Palmsonntag geweiht
Kräuter aus dem Kräuterbuschen geweiht
Wacholder, Beifuß, Myrrhe volkstümlich überliefert

Wichtig war weniger die botanische Zusammensetzung als die Weihe. Was geräuchert wurde, stammte aus dem Kirchenjahr, der Palmbuschen etwa vom Palmsonntag. Das Räuchern verband so den Jahreswechsel mit den Segnungen des vergangenen Jahres. Lange Listen mit „Raunachtskräutern“ für jede einzelne Nacht, wie sie heute in Ratgebern und Räuchersets stehen, finden sich in den historischen Beschreibungen nicht.

Wie lief das Hausräuchern ab?

Die Beschreibungen aus Tirol, dem Salzburger Land und dem Chiemgau ähneln sich bis ins Detail. Die Familie versammelt sich, die Hausarbeit ist getan, die Stuben sind aufgeräumt. Einer, meist der Hausvater, trägt die Pfanne voran und betet. Hinter ihm geht jemand mit Weihwasser und besprengt jeden Raum, oft mit einem Tannenzweig. Die Runde führt durch Stuben, Kammern und Keller und endet im Stall bei den Tieren.

Danach wurde in vielen Häusern gemeinsam der Rosenkranz gebetet, Kerzen brannten auf dem Tisch. Die Glutreste warf man ins Herdfeuer, in Wängle im Tiroler Außerfern schüttete man sie unter einen Obstbaum. Und es galt eine eiserne Regel: Fehlen durfte niemand. Wer beim Räuchern nicht dabei war, so hieß es, verlasse im kommenden Jahr das Haus, im schlimmsten Fall für immer.

Räuchern und Dreikönig

Der letzte Räucherabend fällt mit einem anderen Hausbrauch zusammen. Am Dreikönigstag ziehen die Sternsinger von Tür zu Tür und schreiben den Segen C+M+B an den Türstock. Kirchliche Räuchersegen, wie sie etwa die Erzdiözese Wien als Vorlage für Familien herausgegeben hat, greifen den alten Brauch auf und deuten ihn ausdrücklich christlich: Weihrauch als Gebet, das aufsteigt.

Was ist heute davon geblieben?

Zwei Dinge laufen nebeneinander her. Da ist der bäuerliche Familienbrauch, der in Altbayern und Österreich in manchen Häusern unaufgeregt weiterlebt, mit Pfanne, Weihwasser und Rosenkranz. Und da ist ein Angebot an Räuchersets, Kursen und Anleitungen mit Versprechen aller Art. Mit dem überlieferten Brauch hat das zweite oft nur noch den Rauch gemein.

Diese Seite beschreibt den Brauch volkskundlich und ist keine Anleitung. Eine gesundheitliche oder reinigende Wirkung des Räucherns wird hier nicht behauptet. Wer selbst räuchert, sollte schlicht an die praktischen Dinge denken: feuerfeste Unterlage, offenes Fenster, Rauchmelder im Blick, Glut nie unbeaufsichtigt lassen.

Mehr über die anderen Bräuche dieser Tage, vom Bleigießen bis zu den Losnächten, steht unter Rauhnächte-Rituale. Was draußen in diesen Nächten angeblich am Himmel tobte, erzählt die Sage von der Wilden Jagd. Und wer wissen will, wie sich das in den Laufbräuchen spiegelt, findet die Perchten unter Perchtenlauf. Den Überblick über die ganze Zeit zwischen den Jahren bietet die Seite Rauhnächte, die Bräuche des Monats sammelt der Dezember im Jahreskreis.

Häufige Fragen

Wann räuchert man in den Rauhnächten?

Überliefert sind vor allem drei Termine: die Christnacht, die Silvesternacht und die Nacht vor Dreikönig am 6. Januar. Manche Gegenden zählen die Thomasnacht vom 20. auf den 21. Dezember als vierte dazu. Ein festes Datum gab es nie, das regelte jede Gegend und oft jedes Haus selbst.

Womit wurde in den Rauhnächten geräuchert?

Auf die Herdglut in der Räucherpfanne kamen Weihrauchkörner und geweihte Kräuter, häufig Zweige aus dem Palmbuschen oder Kräuter aus dem geweihten Kräuterbuschen. Volkstümlich werden außerdem Wacholder, Beifuß und Myrrhe genannt. Entscheidend war, dass das Räucherwerk geweiht war.

Warum räuchert man in den Rauhnächten?

Im Volksglauben galten die Nächte um den Jahreswechsel als offen für Geister und Unholde, das Räuchern sollte Haus, Stall und Familie für das neue Jahr schützen und segnen. Kirchlich gedeutet steht der aufsteigende Weihrauch für das Gebet. Eine gesundheitliche Wirkung ist damit nicht verbunden und wird hier auch nicht behauptet.

Gibt es einen Spruch zum Räuchern in den Rauhnächten?

Einen einheitlichen Räucherspruch gibt es nicht. Überliefert ist, dass das Räuchern unter Gebet geschah und vielerorts mit einem gemeinsamen Rosenkranz endete. Kirchliche Räuchersegen, wie ihn etwa die Erzdiözese Wien veröffentlicht hat, schließen mit dem Vaterunser.

Wie oft räuchert man in den Rauhnächten, und muss man überhaupt?

Traditionell an drei, höchstens vier Abenden, nicht an allen zwölf. Wer es heute als Familienbrauch pflegt, folgt einer Tradition, keiner Pflicht. Moderne Räucheranleitungen mit einem eigenen Ritual für jede der zwölf Nächte sind in den historischen Brauchbeschreibungen nicht belegt.

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