Brauchtum in BayernBräuche, belegt erzählt
Karwoche · Ganz Bayern

Palmbuschen

Palmbuschen binden in Bayern: welche Zweige hineingehören, was am Palmsonntag geschieht, woher der Palmesel kommt und was mit dem alten Buschen passiert.

Kurz gesagt

Ein Palmbuschen ist ein Strauß aus Weidenkätzchen, Buchs und anderem Grün, den Katholiken in Bayern am Palmsonntag, dem Sonntag vor Ostern, in die Kirche tragen und segnen lassen. Er erinnert an den Einzug Jesu in Jerusalem. Palmsonntag 2027 ist der 21. März 2027.

Wer am Samstag vor Palmsonntag durch ein Dorf im Rupertiwinkel fährt, sieht in Garagen und Stuben Männer mit Gartenschere und Weidenruten, Kinder mit Bändern und eine Tischplatte voller Buchs. Am nächsten Morgen ziehen dieselben Kinder mit Sträußen, die manchmal größer sind als sie selbst, zur Kirche. Der Palmbuschen ist einer der wenigen Bräuche, bei denen in Bayern ganze Familien gemeinsam basteln, und einer der ältesten im Kirchenjahr.

Was ist der Palmsonntag?

Der Palmsonntag ist der Sonntag vor Ostern und eröffnet die Karwoche. Er erinnert an den Einzug Jesu in Jerusalem, von dem alle vier Evangelien berichten: Die Menschen sollen ihn mit Palmzweigen begrüßt haben. Daher der Name und das wichtigste Symbol des Tages, der grüne Zweig als Zeichen des Lebens und des Sieges.

Palmsonntag 2027 ist der 21. März 2027, Ostersonntag folgt am 28. März 2027. Weil Palmen nördlich der Alpen nicht wachsen, nimmt man seit jeher, was im März schon grünt oder blüht. So wurde aus dem Palmzweig der Palmbuschen.

Woher kommt der Palmbuschen?

Die Palmprozession ist seit dem 7. Jahrhundert sicher belegt, Hinweise auf frühere Formen reichen bis ins 4. Jahrhundert zurück, als Christen in Jerusalem mit ihrem Bischof vom Ölberg in die Stadt zogen. Im 9. Jahrhundert verbreitete sich der Brauch von Spanien und Frankreich aus bis in den Alpenraum, seit der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts waren Palmweihe und Prozession in der lateinischen Kirche allgemein üblich. Ihre Blütezeit erlebten die Prozessionen im 16. Jahrhundert in der Gegenreformation.

Mitteleuropa ersetzte die Palme durch heimische Zweige: Salweide, Hasel, Buchs, Wacholder. Bunter Schmuck wie Bänder, Brezen, Ostereier oder Papierblumen kam in vielen Gegenden erst im 20. Jahrhundert dazu. Eine vorchristliche Herkunft ist nicht belegt: Die Quellen führen den Buschen auf die kirchliche Palmprozession zurück, die Schutzbedeutung kam im Volksglauben hinzu.

Was gehört in einen Palmbuschen?

Ein einheitliches Rezept gibt es nicht, jede Gegend schwört auf ihre Mischung. Das Erzbischöfliche Jugendamt München und Freising beschreibt eine typische altbayerische Form so:

  • Haselnussstecken als Stiel, er steht für Lebenskraft.
  • Palmkätzchen, also blühende Salweidenzweige, als Zeichen von Auferstehung und Neubeginn. In Altbayern heißen sie Palmkatzerl.
  • Buchs, der immer grün ist.
  • Thuja, auch Lebensbaum genannt.
  • Bänder in Lila (Fastenzeit), Gelb (Sonne) und Rot (Liebe Gottes).

Ein altes Bauernrezept aus Oberösterreich zählt neben den Palmkätzchen Haseltriebe, Efeu, Eibe, Zeder, Wacholder, Stechpalme und Erika auf. Seidelbast wurde früher ebenfalls eingebunden, er ist heute geschützt und bleibt draußen. Wer Zweige schneidet, fragt auf fremdem Grund vorher nach.

Wie bindet man einen Palmbuschen traditionell?

Das Binden folgt in Bayern einem einfachen Prinzip: Um einen geraden Haselstecken legt man Lage für Lage Weidenzweige, Buchs und weiteres Grün, bis ein dichter Strauß entsteht. Zusammengehalten wird das Ganze nach alter Art mit einer biegsamen Weidenrute, in Oberösterreich Widl genannt.

Dann kommt der Schmuck. Im Berchtesgadener Land und im Rupertiwinkel sind das die Gschabertbandl, hauchdünne, eingefärbte Hobelspäne aus Fichte oder Tanne, die zu Kugeln, Röllchen und harmonikaförmigen Ziamusi gefaltet werden. Anderswo hängen ausgeblasene, gefärbte Eier, Äpfel, Brezen oder Papierrosen aus Krepppapier im Grün. Palmbuschen mit Ei sind also keine moderne Idee, sondern alte Praxis.

Die Größe variiert erheblich. Kinder tragen handliche Buschen, in manchen Orten ragen Palmbuschen auf langen Stangen weit über die Köpfe der Prozession. Vermutlich wuchsen die Buschen nach den Prozessionsverboten der Aufklärung, als der geweihte Zweig selbst zum wichtigsten Segenszeichen wurde. Den Ehrgeiz mancher Väter erklärt das nur zum Teil.

Wie läuft der Palmsonntag in Bayern ab?

Die Palmweihe beginnt meist im Freien, vor der Kirche oder an einer Kapelle. Der Priester segnet die Zweige, dann zieht die Gemeinde in der Palmprozession in die Kirche, wo die Messe mit der Leidensgeschichte folgt. Getragen werden die Buschen vor allem von Kindern, in manchen Pfarreien gestalten die Kommunionkinder den Gottesdienst mit.

Im Berchtesgadener Land heißen die jüngeren Kinder, die die Buschen tragen, Palmtrager. Dort gilt der Palmsonntag zugleich als Tag, an dem man zum ersten Mal im Jahr die kurze Lederhose anzieht, auch wenn noch Schnee liegt. Wer am Palmsonntag als Letzter aufsteht, wird in manchen Familien übrigens selbst zum Palmesel ernannt.

Was macht man nach der Weihe mit dem Palmbuschen?

Nach dem Gottesdienst wird der Buschen in vielen Häusern aufgeteilt. Ein Zweig wandert hinter das Kreuz im Herrgottswinkel, der Ecke der Stube mit Kruzifix und Andachtsbild. Bauern stecken Buschen oder einzelne Zweige in die Felder, im Berchtesgadener Land traditionell zum Mittagsläuten. Andere legen einen Zweig auf die Gräber der Familie oder bringen ihn in den Stall.

Früher sollte der gesegnete Zweig Haus und Hof vor Blitz, Feuer und Unwetter bewahren. Das ist Volksglaube und wird hier als solcher beschrieben: Der Buschen ist ein Segenszeichen, kein Blitzableiter.

Was passiert mit dem alten Palmbuschen?

Ein Jahr später hat der vertrocknete Buschen ausgedient. In den Hausmüll wirft man einen gesegneten Zweig ungern, und die Kirche hat für die Palmzweige eine eigene Verwendung: Sie werden vor dem nächsten Aschermittwoch verbrannt, und aus dieser Asche zeichnet der Priester das Aschenkreuz auf die Stirn. Das Jugendamt der Erzdiözese erklärt den Kindern dazu schlicht, die Asche stamme aus vielen Palmbuschen vom letzten Jahr.

Feuer spielt in diesen Wochen ohnehin eine große Rolle: In der Osternacht wird vor der Kirche das Osterfeuer entzündet, an dem die neue Osterkerze ihr Licht bekommt.

Woher kommt der Palmesel?

Der Palmesel ist eine meist lebensgroße Holzfigur, ein Esel auf Rädern mit einem segnenden Christus darauf, der bei der Palmprozession durch den Ort gezogen wurde. Bayern spielt in seiner Geschichte eine Hauptrolle: Eine der frühesten Beschreibungen findet sich in der Lebensgeschichte des heiligen Ulrich von Augsburg aus dem 10. Jahrhundert, und aus Bamberg stammt der erste Beleg für einen lebenden Esel in der Prozession, datiert auf 970.

Mit der Zeit wurden die Umzüge volkstümlich bunt, der Volksmund sprach von Eselsumzügen. In der Reformation wurden viele Figuren zerstört, die Aufklärung verbot den Brauch gegen Ende des 18. Jahrhunderts, in Salzburg 1785 unter Erzbischof Colloredo. Rund 160 bis 190 historische Palmesel sind erhalten, viele davon in Museen. Nur wenige Orte ziehen heute noch einen Palmesel durch die Straßen, in Bayern etwa Kühbach bei Aichach, in Tirol Thaur bei Innsbruck als einzige Gemeinde des Landes. Als rechter Palmesel gilt im Sprachgebrauch bis heute, wer sich zum Gespött macht.

Wie hängt der Palmbuschen mit Ostern zusammen?

Mit dem Palmsonntag beginnt die dichteste Brauchwoche des Jahres. Ab Gründonnerstag schweigen die Glocken, und in vielen Dörfern übernehmen die Ministranten mit ihren Ratschen. In Franken werden in derselben Woche die Osterbrunnen geschmückt, am Ostermontag folgen im Chiemgau Reiterprozessionen wie der Georgiritt. Wer den Überblick über die Frühjahrsbräuche sucht, findet ihn im Jahreskreis für März und unter Bayerische Feiertage.

Häufige Fragen

Was gehört in einen Palmbuschen?

Fast immer blühende Weidenzweige mit Kätzchen und immergrüner Buchs. Je nach Gegend kommen Haselzweige, Thuja, Wacholder, Eibe oder Stechpalme dazu. Geschmückt wird mit bunten Bändern, gefärbten Eiern, Brezen oder Papierblumen, im Berchtesgadener Land mit gehobelten Holzbändern.

Welche Zweige nimmt man für den Palmbuschen?

Den Kern bilden Salweidenzweige mit Kätzchen, die in Bayern Palmkätzchen oder Palmkatzerl heißen. Dazu kommt Buchs als Zeichen des immergrünen Lebens. Ältere Überlieferungen kennen Buschen aus sieben verschiedenen Pflanzen. Seidelbast, früher verbreitet, steht heute unter Schutz.

Was macht man mit dem alten Palmbuschen?

Der gesegnete Buschen kommt traditionell ins Haus, oft hinter das Kreuz im Herrgottswinkel, auf die Felder oder auf das Grab der Angehörigen. Den Buschen vom Vorjahr wirft man ungern in den Müll; die Kirche verbrennt alte Palmzweige und gewinnt daraus die Asche für den Aschermittwoch.

Wann verbrennt man den Palmbuschen?

Die Pfarrei verbrennt die alten Palmzweige vor dem Aschermittwoch. Aus ihrer Asche wird das Aschenkreuz gezeichnet, mit dem die Fastenzeit beginnt. Der Kreis vom Palmsonntag zum nächsten Aschermittwoch schließt sich also im Feuer.

Was ist ein Palmesel?

Ein meist lebensgroßer Holzesel mit einer Christusfigur, der seit dem Mittelalter bei Palmprozessionen mitgezogen wurde. Eine frühe Beschreibung steht in der Lebensgeschichte des heiligen Ulrich von Augsburg. Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Brauch verboten, nur wenige Orte wie Kühbach bei Aichach halten bis heute daran fest.

Wann ist Palmsonntag 2027?

Palmsonntag 2027 fällt auf den 21. März 2027, eine Woche vor Ostersonntag am 28. März 2027. Der Palmsonntag ist immer der Sonntag vor Ostern und eröffnet die Karwoche.

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