Leonhardiritt und Leonhardifahrt
Leonhardiritt und Leonhardifahrt in Bayern: Bad Tölz, Kreuth, Benediktbeuern und weitere Orte, Termine November 2026, Truhenwagen, Segnung und Geschichte.
NovemberGeorgiritt in Bayern: wie der Traunsteiner Ritt am Ostermontag mit Schwerttanz abläuft, wer der heilige Georg war und wo es weitere Georgiritte gibt.
Ein Georgiritt ist eine Reiterprozession zu Ehren des heiligen Georg, bei der geschmückte Pferde zu einer Georgskirche ziehen und dort gesegnet werden. Der bekannteste in Bayern ist der Traunsteiner Georgiritt, der jedes Jahr am Ostermontag mit rund 500 Pferden und einem historischen Schwerttanz auf dem Stadtplatz stattfindet. Weitere Georgiritte gibt es vor allem im südöstlichen Oberbayern, rund um den Georgstag am 23. April.
Am Ostermontag riecht der Stadtplatz von Traunstein nach Pferd. Hunderte Rösser und Reiter ziehen durch die Stadt, dazwischen stehen Zuschauer, die sich ihren Platz an der Absperrung früh gesichert haben. Der Traunsteiner Georgiritt ist der bekannteste Georgiritt Bayerns und einer der wenigen Bräuche, bei denen eine Kleinstadt freiwillig ihren Stadtplatz an Rösser abtritt.
Ein Georgiritt ist eine Pferdewallfahrt, eine Reiterprozession zu Ehren des heiligen Georg. Geschmückte Pferde, oft auch Gespanne, ziehen zu einer Georgskirche oder Kapelle und umrunden sie häufig mehrmals. Es folgt ein Gottesdienst, dann werden Pferde und Reiter gesegnet. Vielerorts folgen historische Aufführungen wie ein Schwerttanz oder das Kranzlstechen, ein reiterliches Geschicklichkeitsspiel.
Verbreitet sind die Georgiritte vor allem in Bayern, besonders im südöstlichen Oberbayern, und in Österreich. Ihre Termine liegen meist um den Georgstag am 23. April, oft am Ostermontag oder an einem Sonntag in der Nähe. Ausnahmen gibt es: Ruhpolding reitet im September.
Georg soll um das Jahr 303 den Märtyrertod erlitten haben, mehr als die Legende ist über sein Leben kaum überliefert. Seine Verehrung verbreitete sich von der Ostkirche aus nach Westeuropa. In Bayern wurde er vor allem durch die Legende vom Drachentöter bekannt, die ihn als Ritter zu Pferd zeigt, und als Nothelfer angerufen, also als Heiliger, an den man sich in besonderen Nöten wendet. Sein Gedenktag, der 23. April, gibt den meisten Georgiritten ihren Termin.
Der Traunsteiner Georgiritt findet jedes Jahr am Ostermontag statt. Die Reiterprozession zieht von der Stadt hinauf zum Ettendorfer Kircherl, einer kleinen Kirche auf einem Hügel im Nordosten Traunsteins. Dort werden Pferde und Reiter gesegnet. Nach der Rückkehr füllt sich der Stadtplatz, und es folgt der historische Schwerttanz. Rund 500 Pferde nehmen teil.
Belegt ist der Georgiritt in Traunstein seit 1762, eine weitere Nachricht stammt von 1785. Ein kirchliches Verbot unterbrach den Brauch, 1892 wurde er wiederbelebt und findet seitdem ununterbrochen statt. 2016 wurde der „Georgiritt und historische Schwerttanz zu Traunstein“ in das Bayerische Landesverzeichnis und in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Getragen wird der Brauch vom St. Georgs-Verein Traunstein.
Wann der Georgiritt beginnt und wie die Prozession genau verläuft, veröffentlicht der Verein jedes Frühjahr. Ein offizieller Ablauf für Ostermontag, 29. März 2027, lag zum Stand dieser Seite noch nicht vor, er wird in den Terminen ergänzt, sobald er bestätigt ist.
Der Schwerttanz ist der zweite Teil des Traunsteiner Ostermontags und hat eine eigene Geschichte. Der älteste Beleg für einen Schwerttanz in Traunstein stammt aus dem Jahr 1530. Danach geriet er in Vergessenheit, in den 1920er Jahren wurde er neu choreographiert und 1926 erstmals mit dem Georgiritt verbunden. Aufgeführt wird er heute in spielerischer Form.
Das ist volkskundlich ein schönes Beispiel dafür, wie Bräuche entstehen: ein historisch belegter Kern, eine Pause von Jahrhunderten, eine bewusste Neugestaltung im 20. Jahrhundert. Der Schwerttanz ist deshalb nicht weniger echt, er ist nur jünger, als viele Zuschauer vermuten.
Traunstein ist der bekannteste, aber längst nicht der einzige Georgiritt. Die folgenden Ritte sind mit ihrer örtlichen Terminregel überliefert. Die konkreten Termine eines Jahres stehen bei den Veranstaltern, und weil sich Regeln ändern können, lohnt vor dem Besuch ein Blick auf deren Ankündigung.
| Ort | Terminregel |
|---|---|
| Traunstein | jährlich am Ostermontag, mit Schwerttanz |
| Tittmoning | jährlich am Ostermontag, mit Schwerttanz auf dem Marktplatz |
| Lauterbach (Gemeinde Heldenstein) | jährlich am Ostermontag |
| Tüßling (Landkreis Altötting) | alle zwei Jahre; seit 1888, 1956 eingestellt, 1994 wiederbelebt |
| Stein an der Traun (Stein-St. Georgen) | jährlich am zweiten Sonntag im April |
| Mittenwald | jährlich am letzten Aprilwochenende, durch den Ort hinauf zum Lautersee |
| Auerberg (Bernbeuren) | seit 1925 am Sonntag nach dem Georgstag |
| Ruhpolding | am ersten Sonntag im September |
| Unterbechingen (Gemeinde Haunsheim) | an einem Sonntag um den Georgstag |
| Effeltrich | am Ostermontag, zu Ehren des Kirchenpatrons St. Georg |
| Kammerstein | am letzten Sonntag im April |
Effeltrich in der Fränkischen Schweiz und Kammerstein zeigen, dass der Georgiritt kein rein oberbayerischer Brauch ist, auch wenn sich die meisten Ritte im Südosten Oberbayerns ballen. Ruhpolding wiederum beweist, dass man sich vom Georgstag auch lösen kann: Dort reitet man erst im September.
Georgiritte sind kirchliche Prozessionen, oft mit Hunderten Pferden, und keine Vorführungen. Wer zuschauen will, kommt früh, bleibt hinter den Absperrungen und hält Abstand zu den Tieren, auch wenn ein geschmücktes Ross zum Streicheln einlädt. Hunde bleiben besser zu Hause, Blitzlicht und Drohnen ohnehin. Kinderwagen sind am Rand der Strecke gut aufgehoben, mitten in der Menge am Stadtplatz eher nicht.
Für die Region ist der Ritt ein Fixpunkt im Jahr. Chiemgau Tourismus zählt den Georgiritt zu Ostern in einem Atemzug mit dem Maibaumaufstellen und dem Leonhardiritt im November zu den Traditionsveranstaltungen der Gegend. Wer den Tag in Traunstein verbringt, plant am besten den ganzen Vormittag ein: erst die Prozession, dann die Rückkehr in die Stadt und den Schwerttanz auf dem Stadtplatz.
Der Georgiritt hat einen Bruder im Spätherbst: Um den Leonhardstag am 6. November ziehen bei den Leonhardiritten Reiter und Gespanne zu Ehren des heiligen Leonhard, besonders bekannt ist die Tölzer Leonhardifahrt, über die die Schwester-Site Brauchtum München zur Leonhardifahrt mehr erzählt. Zu Pfingsten folgen die Pfingstritte. Zusammen bilden sie ein Netz von Pferdewallfahrten, das den bayerischen Jahreskreis vom Frühjahr bis in den Herbst begleitet.
Wer am Ostermontag nach Traunstein fährt, erlebt das Ende einer langen Brauchwoche: Acht Tage vorher, am Palmsonntag, werden die Palmbuschen geweiht, in der Osternacht brennt das Osterfeuer. Den Überblick über alle Frühjahrsbräuche gibt der Jahreskreis im April, die Region stellt die Seite Altbayern vor.
Der Traunsteiner Georgiritt findet jedes Jahr am Ostermontag statt, 2027 ist das der 29. März. Den genauen Ablauf und die Uhrzeiten für 2027 veröffentlicht der St. Georgs-Verein Traunstein im Frühjahr, ein offizieller Termin lag zum Stand dieser Seite noch nicht vor.
Die Reiterprozession mit rund 500 Pferden zieht von der Stadt zum Ettendorfer Kircherl auf einem Hügel im Nordosten Traunsteins. Dort werden Pferde und Reiter gesegnet. Nach der Rückkehr wird auf dem Stadtplatz der historische Schwerttanz aufgeführt.
Ein historischer Schwerttanz, der in Traunstein erstmals 1530 belegt ist. Er geriet in Vergessenheit, wurde in den 1920er Jahren neu choreographiert und wird seit 1926 zusammen mit dem Georgiritt auf dem Stadtplatz aufgeführt.
Neben Traunstein unter anderem in Tittmoning, Tüßling, Lauterbach bei Heldenstein, Stein an der Traun, Ruhpolding und Mittenwald in Oberbayern, auf dem Auerberg bei Bernbeuren, in Unterbechingen in Schwaben sowie in Effeltrich und Kammerstein in Franken. Die Termine folgen jeweils einer festen örtlichen Regel.
Georg soll um das Jahr 303 als Märtyrer gestorben sein. Seine Verehrung kam aus der Ostkirche nach Westeuropa, in Bayern wurde er vor allem durch die Legende vom Drachentöter bekannt und als einer der Nothelfer angerufen. Sein Gedenktag ist der 23. April.
Beides sind Pferdewallfahrten mit Segnung. Der Georgiritt gehört ins Frühjahr und ehrt den heiligen Georg, der Leonhardiritt oder die Leonhardifahrt findet im November um den Leonhardstag statt und ehrt den heiligen Leonhard. Im Chiemgau rahmen beide das Brauchjahr regelrecht ein.
Leonhardiritt und Leonhardifahrt in Bayern: Bad Tölz, Kreuth, Benediktbeuern und weitere Orte, Termine November 2026, Truhenwagen, Segnung und Geschichte.
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Ganzjährig; Patronatstag amStand: 21. Oktober 2026. Redaktion Brauchtum in Bayern, Chinesischer Turm e.V. Hinweise und Korrekturen an servus@brauchtum-in-bayern.de.