Leonhardiritt und Leonhardifahrt
Bad Tölz, Kreuth, Benediktbeuern und weitere Orte, Termine November 2026, Truhenwagen, Segnung und Geschichte.
Um den 6. NovemberPfingstritt in Bayern: Geschichte und Ablauf des Kötztinger Pfingstritts, Pfingstbraut und Pfingsthochzeit, dazu die Pfingstritte in Ochsenfurt und Kemnath.
Ein Pfingstritt ist eine Reiterprozession am Pfingstmontag, bei der Pferde und Fluren gesegnet werden. Der bekannteste in Bayern ist der Kötztinger Pfingstritt im Bayerischen Wald: Hunderte Reiter in Tracht ziehen sieben Kilometer nach Steinbühl und zurück, seit 1647 sicher belegt und seit 2014 im Bayerischen Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes. Kleinere Pfingstritte gibt es unter anderem in Ochsenfurt und Kemnath am Buchberg.
Am Pfingstmontag gehört der Stadtplatz von Bad Kötzting den Pferden. Hunderte festlich geschmückte Pferde, die Reiter in alten Trachten, warten auf das Glockengeläut. Dann setzt sich der Zug in Bewegung, vorn das Kreuz, dahinter der Geistliche mit der Monstranz, und reitet hinaus ins Zellertal. Seit über 600 Jahren, so will es die Legende, und seit fast 400 Jahren nachweislich.
Ein Pfingstritt ist eine Bitt- oder Flurprozession zu Pferd am Pfingstmontag. Unterwegs werden das Evangelium gelesen und Felder, Tiere und Menschen gesegnet. Der Brauch steht in einer Reihe mit anderen bayerischen Umritten wie dem Leonhardiritt im November und dem Georgiritt im Frühjahr, bei denen ebenfalls Pferde gesegnet werden. Der Unterschied liegt im Anlass: Beim Pfingstritt geht es um Segen für die wachsende Flur zu Beginn des Sommers, nicht um einen Tierpatron.
Die Stadt Bad Kötzting erzählt den Ursprung als Legende. 1412 lag im Dorf Steinbühl ein Sterbender, der nach den Sakramenten verlangte. Der Weg dorthin galt als unsicher, also gaben die Kötztinger Burschen ihrem Pfarrer zu Pferd Geleitschutz und gelobten danach, den Ritt jedes Jahr zu wiederholen. Diese Geschichte ist überliefert, aber nicht urkundlich belegt. Sicher nachweisbar ist der Ritt seit 1647, so das Bayerische Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes.
Die jüngere Geschichte ist kirchenrechtlich bewegt. Ein Pastoralerlass von 1869 verbot, das Allerheiligste beim Ritt mitzuführen. Erst 2004 ritt mit Gerhard Ludwig Müller erstmals ein Bischof mit, und ein Dekret erhob den Pfingstritt wieder zur eucharistischen Prozession. Seit 2014 steht er im Bayerischen Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes, die Stadt selbst nennt das Jahr 2015.
Die Reihenfolge des Zuges ist genau festgelegt:
Der Weg führt rund sieben Kilometer durch das Zellertal nach Steinbühl. An vier Stationen verkündet der Offiziator das Evangelium und segnet mit der Monstranz die Fluren. In der Wallfahrtskirche St. Nikolaus feiern die Reiter Gottesdienst, dann gibt es eine Pause für Ross und Reiter. Um 12 Uhr geht es zurück. Den Abschluss bilden auf dem Stadtplatz ein Festakt, der eucharistische Segen, die Ehrung langjähriger Pfingstreiter und das „Te Deum“.
Zur Zahl der Teilnehmer gibt es unterschiedliche Angaben: Die Stadt spricht von rund 700 Reitern, das Landesverzeichnis von über 900. Beides ist für eine Kleinstadt im Bayerischen Wald ein beachtliches Aufgebot.
Der Höhepunkt für die Burschen ist die Ernennung zum Pfingstbräutigam. Der Stadtpfarrer bestimmt ihn auf Vorschlag des Stadtrats; der junge Mann wählt dann seine Pfingstbraut und zwei Brautführer. Alle müssen ledig, katholisch und in der Gemarkung Bad Kötzting wohnhaft sein.
Während des Ritts trägt der Geistliche an der Monstranz das Tugendkränzchen, auch Pfingstkranzl genannt, eine Filigranarbeit aus Gold- und Silberdraht, gefertigt in der Zisterzienserinnenabtei Seligenthal. Auf dem Stadtplatz wird es dem Pfingstbräutigam überreicht. Danach bewirtet er die Burschenschaft im Elternhaus, am späten Nachmittag wird die Pfingstbraut abgeholt, und das Paar zieht mit den Burschen durch die Stadt zum Feiern ins Hotel „Zur Post“. Die Pfingsthochzeit ist ausdrücklich symbolisch. Geheiratet wird, wenn überhaupt, später und aus anderen Gründen.
Der Ritt ist das Herzstück einer ganzen Festwoche, die am Pfingstsamstag beginnt und bis zum folgenden Wochenende dauert. Am Samstag werden beim Rosstag auf der Unteren Au Pferde vorgeführt, am Pfingstsonntag messen sich Kaltblüter und Haflinger im Zugleistungswettbewerb, organisiert von der Kaltblut- und Haflingerzüchtervereinigung Bayerischer Wald. Dazu kommt ein Volksfest mit Festzelt. Wer den Ritt sehen will, sollte früh am Stadtplatz oder an der Strecke stehen; das Programm mit Uhrzeiten veröffentlicht die Stadt vor Pfingsten.
Kötzting ist der berühmteste, aber nicht der einzige Pfingstritt.
Ochsenfurt (Unterfranken): Der St. Wolfgangsritt führt am Pfingstmontag von der Altstadt hinauf zur St.-Wolfgangs-Kapelle über dem Maintal, wo die Pferde gesegnet werden. Ein Pfingstritt ist hier 1464 erstmals bezeugt. 1803 verbot die Kirche den Brauch, weil er zu weltlich geworden war; 1951 belebte ihn Heimatpfleger Martin Ahlbach wieder, 1960 schlief er mit der Motorisierung der Landwirtschaft ein, seit 1976 gibt es ihn erneut. Die Reiter sammeln sich gegen Mittag an der Reithalle am Main, ziehen durch die Altstadt am Rathaus vorbei und zum Oberen Tor hinaus; 2005 waren es 150 Pferde und 20 Kutschen, die Zuschauer zählen nach Angaben des Brauchwikis über 10.000. Der Ritt findet im Zweijahresrhythmus statt, zuletzt 2023 und 2025. Ob 2027 geritten wird, gibt der Veranstalter rechtzeitig bekannt.
Kemnath am Buchberg (Oberpfalz): Bei Schnaittenbach organisieren die Haflingerzüchter und Pferdefreunde seit rund 60 Jahren einen Pfingstritt, 2025 zum 60. Mal. Der Zug reitet vom Kirchplatz zur Sebastianikapelle, wo bei einem Gottesdienst im Freien Pferde, Reiter und Gespanne gesegnet werden.
Sankt Englmar (Bayerischer Wald): Am Pfingstmontag gehört eine Reiterprozession zum Englmarisuchen, das ebenfalls im Landesverzeichnis steht. Das religiöse Schauspiel erzählt vom seligen Engelmar, einem Einsiedler, der um 1100 ermordet worden sein soll; Darsteller in historisierenden Kostümen ziehen mit einem Ochsenwagen zum Kapellenberg. Bis 1906 war das Spiel Teil der Fronleichnamsprozession, seither gehört es zum Pfingstmontag. Dort tritt auch der Pfingstl auf, eine in frisches Laub gehüllte Figur, die man ähnlich aus Bischofsmais kennt. Zum Pfingstbrauchtum Altbayerns gehört außerdem der Wasservogel, bei dem Burschen am Pfingstsonntag nass gemacht werden.
Wer im Mai und Juni Bräuche sucht, findet Pfingsten im bayerischen Jahreskreis neben dem Maibaum und der zehn Tage später folgenden Fronleichnamsprozession, die vielerorts ebenfalls durch Feld und Flur zieht. Einen Überblick über den Osten Bayerns bietet die Seite zu Altbayern.
Der Kötztinger Pfingstritt findet jedes Jahr am Pfingstmontag statt, 2027 demnach am 17. Mai. Er ist eingebettet in die Pfingstfestwoche, die am Pfingstsamstag beginnt und bis zum folgenden Wochenende dauert. Das genaue Programm veröffentlicht die Stadt Bad Kötzting.
Die Reiter brechen am Vormittag des Pfingstmontags unter Glockengeläut vom Stadtplatz auf. Nach dem Reitergottesdienst in Steinbühl beginnt um 12 Uhr der Rückweg. Die genaue Startzeit steht im jährlichen Programm der Stadt.
Die Strecke führt von Bad Kötzting durch das Zellertal zur Wallfahrtskirche St. Nikolaus in Steinbühl, rund sieben Kilometer entfernt, und auf ähnlichem Weg zurück. Unterwegs liest der Geistliche an vier Stationen das Evangelium und segnet die Fluren.
Die Pfingstbraut wählt der Pfingstbräutigam selbst, nachdem der Stadtpfarrer ihn auf Vorschlag des Stadtrats ernannt hat. Braut, Bräutigam und die beiden Brautführer müssen ledig, katholisch und in der Gemarkung Bad Kötzting wohnhaft sein. Die anschließende Pfingsthochzeit ist rein symbolisch.
Am Pfingstsamstag findet der Rosstag mit Pferdemarkt statt, am Pfingstsonntag ein Zugleistungswettbewerb für Kaltblüter und Haflinger. Dazu kommt ein Volksfest, das bis zum Wochenende nach Pfingsten dauert.
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