Pfingstritt
Geschichte und Ablauf des Kötztinger Pfingstritts, Pfingstbraut und Pfingsthochzeit, dazu die Pfingstritte in Ochsenfurt und Kemnath.
PfingstmontagEnglmarisuchen in Sankt Englmar am Pfingstmontag: Legende des seligen Engelmar, Festzug zum Kapellenberg, Suche der Figur, Ochsenwagen, Pfingstl und Geschichte.
Das Englmarisuchen ist ein religiöses Schauspiel mit Festzug, das jedes Jahr am Pfingstmontag in Sankt Englmar im Bayerischen Wald (Landkreis Straubing-Bogen) stattfindet. Darsteller in historischer Kleidung und Reiter ziehen zum Kapellenberg, wo ein Jäger die unter Reisig versteckte Holzfigur des seligen Engelmar findet, die dann auf einem Ochsenwagen in die Kirche zurückkehrt. Belegt ist der Brauch seit der Mitte des 19. Jahrhunderts.
Am Pfingstmontag ist in Sankt Englmar früh Betrieb. Ab acht Uhr spielt am Kirchplatz die Musik, Reiter sammeln sich, Darsteller in historischen Gewändern suchen ihren Platz im Zug. Dann geht es hinauf zum Kapellenberg, und dort passiert etwas, das man in Bayern selten sieht: Ein Dorf sucht im Wald nach seinem Heiligen. Das Englmarisuchen ist Prozession, Schauspiel und Dorffest in einem.
Das Englmarisuchen ist ein religiöses Schauspiel, das die Legende des seligen Engelmar nacherzählt, des Ortspatrons von Sankt Englmar. Der Ort liegt hoch im Bayerischen Wald im Landkreis Straubing-Bogen, dort, wo nach der Legende der höchste Punkt des alten Weges über den Wald lag. Darsteller in historisierenden Kostümen ziehen mit einem ochsenbespannten Wagen zum Kapellenberg, wo der Einsiedler der Überlieferung nach um 1100 ermordet wurde. Dort wird seine Auffindung nachgespielt.
Um das Spiel gruppieren sich eine Reiterprozession und das Auftreten des Pfingstl, einer in frisches Laub gehüllten Pfingstfigur, und der zu ihm gehörenden Pfingstltuscher. Seit 2020 steht das Englmarisuchen im bayerischen Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes, seit 2023 auch im bundesweiten Verzeichnis der Deutschen UNESCO-Kommission.
Die Legende, wie sie die Gemeinde erzählt, ist schnell umrissen und doch ziemlich dramatisch. Engelmar stammte aus einer bäuerlichen Familie und wurde in Passau in einer Einsiedlerkolonie zum Eremiten ausgebildet, die ein aus Armenien geflohener Bischof Gregorius gegründet hatte. Nach dessen Tod, in einer Zeit, in der eine Sonnenfinsternis im September 1093 und eine Pest die Menschen erschreckten, zog Engelmar sich in die Einsamkeit zurück. An der höchsten Stelle des Weges über den Wald baute er sich eine Klause.
Dort erschlug ihn sein Gefährte aus Neid, in den Tagen nach dem Dreikönigsfest. Der Mörder bedeckte den Toten mit Schnee und Reisig. Gefunden wurde der Leichnam erst an Pfingsten desselben Jahres, von einem reisenden Priester namens Ruodbertus, der ihn bestatten ließ. Als Todesjahr nennt man allgemein 1100. Über dem Grab entstand 1131 eine steinerne Kirche, um die herum der Ort wuchs, der heute den Namen des Seligen trägt.
Wie viel davon historisch ist, lässt sich nicht sagen. Die Legende erklärt aber genau, warum das Spiel so aussieht, wie es aussieht: Suche im Wald, Reisig, Auffindung an Pfingsten.
Der Ablauf am Pfingstmontag folgt einer festen Ordnung, wie sie die Gemeinde beschreibt:
Nach dem Programm von 2026, das ein Veranstaltungsportal veröffentlicht hat, begann der Festzug um 9 Uhr am Kirchplatz, die Figur wurde gegen 9.45 Uhr gefunden. Vorher und danach spielte am Kirchplatz ein Standkonzert, und schon am Freitag vor Pfingsten fand am Steinernen Engelmar oben am Kapellenberg das Englmari-Singen statt. Der Eintritt ist nach diesen Angaben frei, die Gemeinde erwartet von Mitwirkenden angemessene Kleidung, also ländliche Tracht oder ordentliche Reitkleidung. Zuschauer kommen nach Angaben der Gemeinde zu Tausenden, wer einen guten Platz will, ist früh am Kirchplatz.
Über Bestand und Gestaltung wacht nach Angaben der Gemeinde die Förderervereinigung Sankt Englmar zusammen mit Pfarrer und Bürgermeister, der Heimat- und Volkstrachtenverein hilft unter anderem bei Gewändern und Kranzbinden. Spenden an die Förderervereinigung sind willkommen, denn Gewänder, Wagen und Figur wollen gepflegt sein. Ansprechpartner für Fragen ist die Gemeindeverwaltung im Rathaus an der Rathausstraße.
Hier ist die Gemeinde selbst angenehm ehrlich: Wann das Englmarisuchen entstand, weiß man nicht. Vermutet wird die Barockzeit, belegt ist das nicht. Der erste sichere Nachweis stammt von 1850. Damals wird eine Figurengruppe erwähnt, der Englmari-Wagen, mit einem Fuhrmann und einem Darsteller des Abraham. 1861 taucht das Englmari-Suchen zum ersten Mal in der Literatur auf.
Lange war das Spiel kein Pfingstbrauch. Bis 1906 fand es ununterbrochen am Fronleichnamstag statt, als Teil des Umgangs durch Sankt Englmar und seine Fluren. Damit teilt es eine Herkunft mit anderen Spielen in Ostbayern, die aus Prozessionen hervorgegangen sind, allen voran dem Further Drachenstich, der sich 1879 aus einer Fronleichnamsprozession löste. Seit 1906 gehört das Englmarisuchen zum Pfingstmontag, was zur Legende ohnehin besser passt.
1946 kamen Pfingstl und Pfingstltuscher dazu. 2026 wurde das Englmarisuchen nach Angaben eines Veranstaltungsportals zum 175. Mal gefeiert.
Der Pfingstl ist eine Figur, die man im Bayerischen Wald auch aus anderen Orten kennt. In Bischofsmais zieht am Pfingstmontag ein Junge, ganz in frisches Laub gehüllt, durch die Straßen. Der Brauchtumsexperte Becker-Huberti deutet die Gestalt als Zeichen für den Beginn des Sommers. In Sankt Englmar ist der Pfingstl erst seit 1946 Teil des Umgangs und damit ein vergleichsweise junges Element in einem alten Spiel.
Pfingsten ist in Altbayern überhaupt eine Hochzeit des Brauchtums. Am selben Pfingstmontag reiten in der Oberpfalz die Burschen beim Kötztinger Pfingstritt, am Pfingstsonntag muss mancherorts beim Wasservogel ein Bursche ins Wasser. Warum so viele dieser Bräuche inzwischen in einem amtlichen Verzeichnis stehen, erklärt die Seite Immaterielles Kulturerbe in Bayern. Alle Bräuche des Monats sammelt Bräuche im Mai, die Region im Überblick steht unter Bräuche in Altbayern.
Das Englmarisuchen findet jedes Jahr am Pfingstmontag statt. Der Festzug begann 2026 nach dem bei einem Veranstaltungsportal veröffentlichten Programm um 9 Uhr am Kirchplatz, die Figur wurde gegen 9.45 Uhr am Kapellenberg gefunden. Pfingstmontag ist 2027 der 17. Mai, das genaue Programm veröffentlicht die Gemeinde Sankt Englmar.
Engelmar stammte aus einer Bauernfamilie und wurde in Passau in einer Einsiedlerkolonie zum Eremiten ausgebildet. Er zog sich auf die Höhe des Bayerwaldes zurück und wurde dort der Legende nach von einem neidischen Gefährten erschlagen, als Todesjahr gilt 1100. Ein reisender Priester fand den Leichnam an Pfingsten unter Schnee und Reisig.
Ein Festzug in historischer Kleidung mit Reitern zieht zum Kapellenberg. Ein Jäger sucht dort die überlebensgroße Holzfigur des Seligen unter Reisig und birgt sie, ein Geistlicher betet, es folgt eine Feldmesse. Danach bringt eine Bittprozession die Figur auf einem Ochsenwagen in die Pfarrkirche.
Wann der Brauch entstand, ist nicht bekannt, vermutet wird die Barockzeit. Der erste Nachweis eines Englmari-Wagens stammt von 1850, die erste literarische Erwähnung von 1861. Bis 1906 gehörte das Spiel zur Fronleichnamsprozession, seither findet es am Pfingstmontag statt.
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Alle drei JahreStand: 21. Oktober 2026. Redaktion Brauchtum in Bayern, Chinesischer Turm e.V. Hinweise und Korrekturen an servus@brauchtum-in-bayern.de.