Fronleichnam in Bayern
Fronleichnam in Bayern: was gefeiert wird, warum der Tag landesweit Feiertag ist, wie Prozessionen ablaufen und wo es Besonderes wie die Seeprozession gibt.
JuniFurther Drachenstich in Furth im Wald: Festspiel seit 1879, Ursprung in einer Prozession von 1590, Laufroboter-Drache, Festzug und alle Termine 2027.
Der Further Drachenstich ist ein Freilicht-Festspiel in Furth im Wald (Oberpfalz), in dem ein Ritter einen Drachen besiegt. Es wird jedes Jahr im August gespielt, 2027 vom 31. Juli bis 15. August, mit einem 15,5 Meter langen Laufroboter als Drache. Der Brauch geht auf eine seit 1590 belegte Fronleichnamsprozession zurück und ist seit 1879 ein eigenes Festspiel.
Erst hört man ihn, dann sieht man den Rauch. Ein Grollen kommt aus der Gasse, Scheinwerfer zucken über die Hausfassaden, und dann schiebt sich ein Kopf um die Ecke, groß wie ein Kleinwagen. Der Drache bewegt sich auf vier Beinen, schnaubt, spuckt Feuer. Die Zuschauer auf der Tribüne halten kurz die Luft an, obwohl die meisten genau wissen, wie es ausgeht. Im August gehört Furth im Wald dem Drachenstich, und das seit Jahrhunderten.
Der Further Drachenstich ist ein Freilicht-Festspiel in Furth im Wald, einer Stadt im Landkreis Cham an der Grenze zu Tschechien. Im Zentrum steht der Kampf eines Ritters gegen einen Drachen. Das Ungeheuer verkörpert das Böse und die Gefahr, die von ihm ausgeht, und was genau dieses Böse ist, wurde über die Jahrzehnte immer wieder neu gedeutet. Die heutige Fassung spielt vor dem Hintergrund der Hussitenkriege.
Um das Spiel herum hat sich ein mehrwöchiges Stadtfest gebildet, mit historischem Festzug, Kinderfest, Ritterspielen und weiterem Festprogramm. Der Veranstalter, die Drachenstich-Festspiele e.V., bezeichnet den Drachenstich als das älteste Volksschauspiel in Deutschland. Seit 2014 steht er im bayerischen Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes, seit 2018 auch im bundesweiten Verzeichnis, als Darstellende Kunst ebenso wie als Brauch.
Der erste Beleg findet sich im Further Ratsbuch von 1590. Damals war der Drachenstich eine dramatische Szene innerhalb der Fronleichnamsprozession: Ein heiliger Georg zog mit einem Drachen durch die Stadt, über Jahrhunderte gespielt von einem Further Bürger, der jedes Jahr neu bestimmt wurde. Die Szene war beim Volk außerordentlich beliebt. Die Figur des Drachentöters kennt man in Bayern auch von den Georgiritten rund um den 23. April.
Der Kirche ging das Spektakel mit der Zeit zu weit. Ab 1754 versuchte sie mehrfach, den Drachen aus der Prozession zu entfernen. 1878 kam das strengste Verbot, an das sich die Further zunächst nicht hielten. 1879 schließlich löste sich der Drachenstich von der Prozession und wurde ein eigenes, weltliches Festspiel. Aus dem frommen Bild war ein Volksschauspiel geworden.
Die Texte wechselten mit der Zeit. 1952 wurde eine Fassung von Josef Martin Bauer uraufgeführt, die anfangs umstritten war und dann mehr als fünf Jahrzehnte gespielt wurde; der Drache stand darin für die kommunistische Bedrohung. 2006 schrieb Alexander Etzel-Ragusa ein neues Festspiel, angelehnt an die Hussitenschlacht bei Taus, mit mehr Tempo und Aktion.
Mindestens so berühmt wie das Spiel ist sein Hauptdarsteller. Die Geschichte der Further Drachen liest sich wie eine kleine Technikgeschichte:
| Jahr | Drache |
|---|---|
| 1863 | Beim Stadtbrand wird der Drachenkopf aus dem brennenden Schloss gerettet. |
| 1913 | Furth übernimmt einen Drachen vom Münchner Hoftheater, wo Siegfried ihn zuletzt auf der Bühne erlegt hatte. |
| 1947 | Schmied Hofmann baut ein neues Modell, das nach und nach motorisiert wird. |
| 1974 | Ein vollständig technisierter Drache, über 18 Meter lang, löst den Vorgänger ab. |
| 2010 | Tradinno übernimmt, ein vierbeiniger Schreitroboter. |
Der heutige Drache ist laut Veranstalter 15,5 Meter lang, 3,8 Meter breit und 4,5 Meter hoch, hat eine Flügelspannweite von 12 Metern und wiegt elf Tonnen. Gebaut wurde er in einem Projekt von mehr als 20 Firmen und Einrichtungen unter Führung der Zollner Elektronik AG. Im Guinness-Buch der Rekorde ist er als größter vierbeiniger Schreitroboter der Welt eingetragen. Feuer speit er auch, was auf einer vollen Tribüne im Hochsommer für einen gewissen Respekt sorgt.
Auf den ersten Blick ist die Sache klar: Ritter gut, Drache böse, am Ende siegt das Gute. Das Landesverzeichnis betont aber, dass gerade diese Deutung des Bösen in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder neu gefasst wurde. In der Prozession des 16. Jahrhunderts war der Drache das Ungeheuer der Georgslegende, also ein religiöses Bild. Im Festspiel der Nachkriegszeit wurde er zum politischen Symbol für eine Bedrohung von außen. Die Fassung von 2006 verlegt die Handlung in die Zeit der Hussitenkriege und der Schlacht bei Taus, als die Grenzregion tatsächlich Kriegsschauplatz war. Die bedrängte Dame, die der Ritter rettet, heißt in Furth übrigens traditionell Ritterin.
So ist der Drachenstich auch ein Spiegel dessen, was eine Grenzstadt zu verschiedenen Zeiten bewegt hat. Dass Furth ihn trotz kirchlicher Verbote über mehr als 400 Jahre gehalten hat, gehört zu den Gründen, warum er heute als immaterielles Kulturerbe gilt und nicht bloß als Sommerspektakel.
Gespielt wird jedes Jahr im August. Die Festspiele 2027 dauern laut Veranstalter von Samstag, 31. Juli, bis Sonntag, 15. August 2027:
Alle Aufführungen beginnen um 20 Uhr und dauern etwa 135 Minuten ohne Pause. Die Tribünen sind nicht überdacht, gespielt wird bei jedem Wetter, Schirme sind verboten, Regenschutz gibt es vor Ort gegen eine kleine Gebühr. Einen virtuellen Tribünenplan bietet der Veranstalter online, der Kartenvorverkauf soll voraussichtlich Ende November 2026 beginnen. Kinder von 4 bis 14 Jahren und schwerbehinderte Besucher mit Nachweis erhalten 6 Euro Nachlass, Gruppen bekommen jede 16. Karte kostenlos. Der Festzug zieht nach derzeitiger Planung vom Bayplatz über Lorenz-Zierl-Straße, Von-Müller-Straße, Tradtstraße und Bahnhofstraße zum Stadtplatz.
Der Drachenstich gehört zu einer Reihe alter Festspiele und Umzüge im ostbayerischen Grenzland, die sich aus kirchlichen Prozessionen entwickelt haben oder mit ihnen verwandt sind. Ebenfalls im Landkreis Cham reiten an Pfingsten die Burschen beim Kötztinger Pfingstritt, und im Bayerischen Wald war das Englmarisuchen bis 1906 ebenfalls Teil einer Fronleichnamsprozession, mehr dazu unter Englmarisuchen. Was es mit dem Verzeichnis auf sich hat, in dem all diese Bräuche stehen, erklärt die Seite Immaterielles Kulturerbe in Bayern. Weitere Feste der Sommerwochen sammelt Bräuche im August, die Region im Überblick steht unter Bräuche in Altbayern.
Samstag, 31. Juli 2027 bis 15. August 2027, 20:00 Uhr. Furth im Wald, Festspielgelände (Freilicht), Landkreis Cham. Quelle: Veranstalter.
Sonntag, 8. August 2027. Furth im Wald, Bayplatz bis Stadtplatz, Landkreis Cham. Quelle: Veranstalter.
Termine nach Angaben der Veranstalter, ohne Gewähr. Kurzfristige Änderungen veröffentlichen die Gemeinden und Vereine.
Laut Drachenstich-Festspiele e.V. dauern die Festspiele 2027 von Samstag, 31. Juli, bis Sonntag, 15. August. Premiere ist am 31. Juli, weitere Aufführungen am 1., 4. bis 8. und 11. bis 15. August, jeweils um 20 Uhr. Der historische Festzug ist am Sonntag, 8. August 2027.
Eine Aufführung dauert nach Angaben des Veranstalters etwa 135 Minuten ohne Pause. Gespielt wird unter freiem Himmel bei jedem Wetter, die Tribünen sind nicht überdacht und Schirme nicht erlaubt. Der Festzug dauert rund 90 Minuten.
Der heutige Drache heißt Tradinno und ist seit 2010 im Einsatz. Er ist 15,5 Meter lang, 4,5 Meter hoch, wiegt elf Tonnen und ist als größter vierbeiniger Schreitroboter der Welt im Guinness-Buch der Rekorde eingetragen.
Der Vorverkauf soll laut Veranstalter voraussichtlich Ende November 2026 beginnen, Datum und Preise werden noch bekanntgegeben. Kinder von 4 bis 14 Jahren erhalten einen Nachlass von 6 Euro, Gruppen bekommen jede 16. Karte kostenlos.
Der erste Beleg stammt aus dem Further Ratsbuch von 1590, damals als Teil der Fronleichnamsprozession. Nach wiederholten Eingriffen der Kirche wurde der Drachenstich 1879 zum eigenständigen Festspiel.
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