Brauchtum in BayernBräuche, belegt erzählt
Martini · Altbayern

Leonhardiritt und Leonhardifahrt

Leonhardiritt und Leonhardifahrt in Bayern: Bad Tölz, Kreuth, Benediktbeuern und weitere Orte, Termine November 2026, Truhenwagen, Segnung und Geschichte.

Kurz gesagt

Leonhardiritte und Leonhardifahrten sind Pferdewallfahrten zu Ehren des heiligen Leonhard, des Viehpatrons, mit Segnung von Pferden, Reitern und geschmückten Wagen. Sie finden vor allem in Oberbayern statt, rund um seinen Gedenktag am 6. November, manche schon ab Ende Oktober. Die bekanntesten sind die Tölzer Leonhardifahrt, 2026 am Freitag, 6. November, die Kreuther Leonhardifahrt am selben Tag und die Fahrt in Benediktbeuern am 8. November 2026.

Um sechs Uhr früh krachen in Kreuth die Böller, in Bad Tölz sammeln sich in den frühen Morgenstunden die ersten Gespanne im Badeviertel. Geschmückte Vierergespanne, Wagen voller Frauen in Tracht, Fuhrleute mit der Goaßl in der Hand. Am 6. November ist im Oberland Leonhardi, und für einen Tag gehört die Straße den Pferden. Der Leonhardiritt und die Leonhardifahrt sind Wallfahrten, Pferdesegnung und Trachtenumzug in einem, und sie gehören zu den eindrucksvollsten Bräuchen, die Bayern im Spätherbst zu bieten hat.

Wer war der heilige Leonhard?

Leonhard von Limoges ist eine Gestalt, über die man vor allem aus der Legende weiß. Er soll um 500 gelebt und dem Frankenkönig Chlodwig gedient haben. Als er der Königin bei einer schweren Geburt beistand, erhielt er der Überlieferung nach das Recht, Gefangene freizulassen. Daraus erklären sich seine Patronate: Er ist Schutzheiliger der Gefangenen und der Gebärenden und vor allem des Viehs, besonders der Pferde.

In Bayern genoss Leonhard eine Verehrung, die man fast schon Popularität nennen muss. Im Volksmund hieß er der bayerische Herrgott. Manche Leonhardskirchen im Alpenraum sind bis heute mit eisernen Ketten umgürtet, geschmiedet aus Votivgaben, ein Hinweis auf sein Patronat für Gefangene. Sein Gedenktag ist der 6. November, und an ihm hängen die meisten Leonhardiritte.

Leonhardiritt oder Leonhardifahrt: was ist der Unterschied?

Im Kern geht es um dasselbe: Pferde und Reiter ziehen zur Leonhardskirche, umrunden sie und werden gesegnet. Beim Leonhardiritt sitzen die Teilnehmer im Sattel, beim Wort Leonhardifahrt denkt man an die großen, geschmückten Gespanne mit Wagen. In der Praxis mischen sich beide Formen, und die Begriffe werden oft gleichbedeutend gebraucht.

Typisch für die Fahrten sind die Truhenwagen, geschmückte Wagen, in denen Frauen in Tracht sitzen. Daneben gibt es Tafelwagen und Reiter, dazu je nach Ort Musik und einen Vorreiter mit der Leonhardifahne. Wer sich für die Gewänder interessiert, findet bei der bayerischen Tracht mehr Hintergrund.

Woher kommt der Leonhardiritt?

Ein Heiligtum zu umreiten oder zu umschreiten, um Pferde vor Krankheit und Unfall zu schützen, ist ein alter Brauch. Leonhardifahrten sind im bayerischen Raum seit dem 15. Jahrhundert belegt. Für Kreuth reicht der sichere Nachweis bis 1599 zurück, der Ort selbst nennt in seiner Überlieferung das Jahr 1442 als Beginn. In der Frühen Neuzeit waren das reine Umritte mit Pferdesegnung, die Wagen kamen erst später hinzu.

1803 wurden in Bayern religiöse Umritte jeder Art verboten, erst 1833 hob Ludwig I. das Verbot wieder auf. In Kreuth fand 1910 die erste Leonhardifahrt mit Wagen statt, nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie 1946 wieder aufgenommen. Mit der Motorisierung der Landwirtschaft verloren die Ritte ihre praktische Grundlage, denn auf den Höfen wurden kaum noch Arbeitspferde gebraucht. Die Volkskunde beobachtet, dass dort, wo die Fahrten überlebten, das Brauchtumsfest neben die religiöse Bitte trat. Heute sind Leonhardiritte vor allem Wallfahrt, Trachtenfest und Treffen der Pferdehalter.

Die Tölzer Leonhardifahrt

Die bekannteste ist die Tölzer Leonhardifahrt. Sie ist seit 1772 nachweisbar, 1856 wurde sie vom Tölzer Pfarrer neu geordnet, seither ziehen die Bauern gemeinsam statt in unregelmäßigen Abständen einzeln zur Kapelle. Termin ist immer der 6. November, 2026 also ein Freitag.

Bis zu 80 geschmückte Wagen mit Vierergespannen stellen sich frühmorgens im Badeteil auf. Um 9 Uhr setzt sich der Zug unter dem Geläut aller Tölzer Kirchen in Bewegung, über die Isarbrücke, durch die Marktstraße und den steilen Anstieg hinauf zum Kalvarienberg. Dort umrunden Pferde und Wagen die Leonhardikapelle, es folgen Segnung und Feldgottesdienst. Danach geht es zurück in die Stadt, den Schlusssegen gibt es gegen 13 Uhr an der Mühlfeldkirche. Zum Abschluss treten die Fuhrleute beim Goaßlschnalzen in der Marktstraße gegeneinander an.

Seit 2016 steht die Tölzer Leonhardifahrt im Bayerischen Landesverzeichnis und im bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes.

Kreuth, Benediktbeuern und weitere Orte

Die Kreuther Leonhardifahrt am Tegernsee findet ebenfalls jedes Jahr am 6. November statt und steht seit 2024 im bayerischen Landesverzeichnis. Nach dem Böllerweckruf um 6 Uhr zieht die Prozession um 9 Uhr ab dem Hotel Post zur Kirche, um 9.30 Uhr folgt der Gottesdienst. Danach umfahren die Gespanne dreimal die Kirche und werden gesegnet, zuerst mit Weihwasser, dann mit Weihrauch, zuletzt mit dem Kreuz. Eine Besonderheit: Die Pferde werden in Kreuth vom Sattel aus gelenkt, nicht vom Wagen. Angeführt wird der Zug vom Vorreiter mit der Leonhardifahne, dahinter fahren die Kreuther Schulkinder, dann Gruppen aus den Nachbarorten wie Bad Wiessee, Gmund und Schliersee, den Schluss bildet der Trachtenverein der Leonhardstoana. Am Abend wird im Ort mit Musik und Tanz weitergefeiert.

In Benediktbeuern gilt der Sonntag, der dem 6. November am nächsten liegt. 2026 ist das der 8. November. Um 9 Uhr ziehen knapp 50 Wagen und rund 230 Pferde von der Ortsmitte zum Kloster, um 10 Uhr beginnt der Wallfahrtsgottesdienst. 2027 fällt die Fahrt auf den 7. November. Die Gemeinde zählt ihre Fahrt zu den wichtigsten Pferdewallfahrten Bayerns, und an Pferden mangelt es dort tatsächlich nicht.

Daneben gibt es zahlreiche kleinere Leonhardiritte, manche schon ab Ende Oktober. Zu den Orten zählen unter anderen Fischbachau-Hundham, Schliersee-Fischhausen, Bad Feilnbach-Lippertskirchen, Oberwarngau, Peißenberg, Unterammergau, Schongau, Utting am Ammersee, Übersee und Fürstenfeldbruck. Die Termine legen Gemeinden und Pfarreien jedes Jahr neu fest, oft am Wochenende vor oder nach dem 6. November. Wie Leonhardifahrt und Georgiritt im oberbayerischen Bauernjahr zusammenhängen, erzählt die Schwester-Site in ihrem Beitrag über Leonhardifahrt und Pferdesegnung in Oberbayern.

Andere Pferdeumritte in Bayern

Der Leonhardiritt ist nicht der einzige Pferdebrauch im bayerischen Kalender. Im Frühjahr ziehen beim Georgiritt Reiter zu Ehren des heiligen Georg, im Bayerischen Wald gehört der Pfingstritt von Bad Kötzting zu den großen Reiterprozessionen. Der Leonhardiritt schließt das Jahr der Umritte ab, bevor mit Martini und dem Advent die stille Zeit beginnt.

Termine der Saison

Fr6.Nov 2026

Tölzer Leonhardifahrt

Freitag, 6. November 2026, 09:00 Uhr. Bad Tölz, vom Badeteil über die Marktstraße zum Kalvarienberg, Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Quelle: Veranstalter.

Fr6.Nov 2026

Kreuther Leonhardifahrt

Freitag, 6. November 2026, 09:00 Uhr. Kreuth, Prozession ab Hotel Post zur Leonhardikirche, Landkreis Miesbach. Quelle: Veranstalter.

So8.Nov 2026

Leonhardifahrt Benediktbeuern

Sonntag, 8. November 2026, 09:00 Uhr. Benediktbeuern, Ortsmitte zum Kloster, Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Quelle: Veranstalter.

Termine nach Angaben der Veranstalter, ohne Gewähr. Kurzfristige Änderungen veröffentlichen die Gemeinden und Vereine.

Häufige Fragen

Wann ist Leonhardi in Bad Tölz 2026?

Die Tölzer Leonhardifahrt ist immer am 6. November, 2026 also am Freitag, 6. November. Der Zug beginnt um 9 Uhr unter dem Geläut der Tölzer Kirchen und zieht hinauf zum Kalvarienberg. Gegen 13 Uhr endet er mit dem Schlusssegen an der Mühlfeldkirche, danach folgt das Goaßlschnalzen in der Marktstraße.

Was ist der Unterschied zwischen Leonhardiritt und Leonhardifahrt?

Beim Leonhardiritt stehen die Reiter im Mittelpunkt, die mit ihren Pferden um die Leonhardskirche ziehen und gesegnet werden. Bei der Leonhardifahrt kommen geschmückte Pferdegespanne mit Wagen dazu, etwa die Truhenwagen, in denen Frauen in Tracht sitzen. Viele Orte verbinden beides, die Namen werden im Alltag oft gleichbedeutend verwendet.

Wer war der heilige Leonhard?

Leonhard von Limoges soll um 500 gelebt und am Hof des Frankenkönigs Chlodwig gewirkt haben, belegt ist das nur durch die Legende. Er gilt als Patron der Gefangenen, der Gebärenden und vor allem des Viehs, besonders der Pferde. In Bayern war seine Verehrung so verbreitet, dass er im Volksmund als bayerischer Herrgott bezeichnet wurde.

Was bedeutet der Leonhardiritt?

Der Ritt um ein Heiligtum war ursprünglich eine Bitte um Schutz der Pferde vor Krankheit und Unglück, verbunden mit der Segnung von Tier und Mensch. Mit dem Rückgang der Pferde in der Landwirtschaft hat sich der Charakter verschoben. Heute ist der Leonhardiritt zugleich Wallfahrt, Trachtenumzug und Treffpunkt für Pferdehalter.

Wo gibt es Leonhardiritte in Bayern?

Die meisten Leonhardiritte und Leonhardifahrten finden im südlichen Oberbayern statt, etwa in Bad Tölz, Kreuth, Benediktbeuern, Fischbachau-Hundham, Schliersee-Fischhausen, Bad Feilnbach-Lippertskirchen, Oberwarngau, Peißenberg, Unterammergau, Schongau, Utting, Übersee und Fürstenfeldbruck. Die genauen Termine geben die Gemeinden und Pfarreien jedes Jahr bekannt.

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