Allerheiligen und Allerseelen in Bayern
Allerheiligen in Bayern: warum der 1. November stiller Feiertag ist, was Gräbersegnung und Seelenzopf bedeuten und worin sich Allerseelen davon unterscheidet.
Der November beginnt in Bayern mit Allerheiligen und der Gräbersegnung. Es folgen Hubertus am 3. November, Leonhardi am 6. November mit Pferdewallfahrten wie der Tölzer Leonhardifahrt, das Wolfauslassen im Bayerischen Wald am Abend vor Martini und der Martinstag am 11. November. Mit Kathrein am 25. November endet die Tanzzeit, 2026 beginnt am 29. November der Advent.
Kein Monat hat in Bayern so viele Heilige mit eigener Fangemeinde wie der November. Den Toten gehört der Anfang, den Pferden die erste Woche, den Gänsen der Elfte, und zum Schluss wird noch einmal getanzt, bevor der Advent die Musik leiser dreht.
An Allerheiligen werden am Nachmittag die Gräber gesegnet, Allerseelen am 2. November ist das Gedenken an alle Verstorbenen. Paten schenken ihren Patenkindern einen Allerheiligenstriezel, im Altmühltal gibt es auf den Spitzlmärkten rautenförmige Lebkuchen. Allerheiligen ist in Bayern Feiertag und stiller Tag.
Am 3. November ist Hubertustag, das Schutzfest der Jäger mit Hubertusjagden und Hubertusmessen. Drei Tage später folgt Leonhardi. Der heilige Leonhard ist Patron des Viehs, besonders der Pferde, und an seinem Tag oder einem nahen Wochenende ziehen in Altbayern geschmückte Gespanne zur Pferdesegnung. Die bekannteste Leonhardifahrt ist die in Bad Tölz: seit 1772 belegt, seit 1856 als gemeinsame Fahrt geordnet, heute mit rund 80 Vierergespannen und seit 2016 im Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes.
Am Abend vor Martini ziehen im mittleren Bayerischen Wald beim Wolfauslassen Jugendliche mit bis zu 35 Kilo schweren Glocken von Haus zu Haus, das größte Treffen ist in Rinchnach. Am 11. November selbst wird die Martinsgans gegessen, und Kinder ziehen mit Laternen durch die Straßen, eine Form, die um 1900 im Rheinland entstand. Mehr dazu unter Martinsumzug. In Franken kommt an Martini der Pelzmärtel, eine Figur, die dem heiligen Martin gleichgesetzt wird.
Der Kathreintanz am 25. November ist die letzte Gelegenheit zum Tanz. „Kathrein stellt den Tanz ein“, sagt man, denn der Advent galt als geschlossene Zeit ohne öffentliche Tanzvergnügen. 2026 beginnt er am 29. November. Der Volkstrauertag (15. November 2026), der Buß- und Bettag (18. November 2026) und der Totensonntag sind stille Tage.
Für die Bauernregeln im November war Martini der wichtigste Termin, denn an ihm endete das Wirtschaftsjahr: Zins und Pacht waren fällig, das Vieh kam von der Weide, Dienstverhältnisse begannen und endeten. Am Monatsende steht die Andreasnacht, die Nacht zum 30. November, mit ihren Heiratsorakeln. Andreasschnee, so eine alte Regel, ist schlecht für das Getreide. Mehr zu Lostagen unter Bauernregeln.
Allerheiligen am 1. November. Der Buß- und Bettag ist kein gesetzlicher Feiertag, aber schulfrei, Einzelheiten unter Feiertage in Bayern. Mit dem ersten Advent beginnt der Dezember eigentlich schon vorher.
Alle überlieferten Bauernregeln für diesen Monat, jede mit Fundstelle, stehen gesammelt unter Bauernregeln im November.
Allerheiligen in Bayern: warum der 1. November stiller Feiertag ist, was Gräbersegnung und Seelenzopf bedeuten und worin sich Allerseelen davon unterscheidet.
Kathreintanz: warum um den 25. November das letzte Tanzfest vor dem Advent steigt, was „Kathrein stellt den Tanz ein“ heißt, mit Münchner Kathreintanz 2026.
Leonhardiritt und Leonhardifahrt in Bayern: Bad Tölz, Kreuth, Benediktbeuern und weitere Orte, Termine November 2026, Truhenwagen, Segnung und Geschichte.
Martinsumzug in Bayern: warum Kinder am 11. November mit Laternen ziehen, woher Martinsgans und Martinsfeuer kommen und was der Pelzmärtel in Franken tut.
Wolfauslassen im Bayerischen Wald: warum am Vorabend von Martini Gruppen mit schweren Glocken durch Rinchnach ziehen, dazu Hirtenspruch, Termin und Herkunft.
Freitag, 6. November 2026, 09:00 Uhr. Bad Tölz, vom Badeteil über die Marktstraße zum Kalvarienberg, Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Quelle: Veranstalter. Zum Brauch: Leonhardiritt und Leonhardifahrt
Freitag, 6. November 2026, 09:00 Uhr. Kreuth, Prozession ab Hotel Post zur Leonhardikirche, Landkreis Miesbach. Quelle: Veranstalter. Zum Brauch: Leonhardiritt und Leonhardifahrt
Sonntag, 8. November 2026, 09:00 Uhr. Benediktbeuern, Ortsmitte zum Kloster, Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Quelle: Veranstalter. Zum Brauch: Leonhardiritt und Leonhardifahrt
Dienstag, 10. November 2026, 18:00 Uhr. Rinchnach, Ortskern, Landkreis Regen. Quelle: Veranstalter. Zum Brauch: Wolfauslassen im Bayerischen Wald
Samstag, 21. November 2026, 19:00 Uhr. München, Hofbräuhaus am Platzl 9, 2. Stock, Landeshauptstadt München. Quelle: Veranstalter. Zum Brauch: Kathreintanz
Samstag, 21. November 2026, 19:00 Uhr. Neufarn, Gasthof Stangl. Quelle: Veranstalter. Zum Brauch: Perchtenlauf
Freitag, 27. November 2026, 19:00 Uhr. Hirschau, Josefshaus, Kolpingstraße 8, Landkreis Amberg-Sulzbach. Quelle: Veranstalter. Zum Brauch: Bayerischer Volkstanz
Samstag, 28. November 2026, 17:00 Uhr. Sonthofen, Innenstadt, Landkreis Oberallgäu. Quelle: Veranstalter. Zum Brauch: Klausentreiben
Samstag, 28. November 2026, 15:00 Uhr. Kirchseeon, ab Forstseeon, Landkreis Ebersberg. Quelle: Veranstalter. Zum Brauch: Perchtenlauf
Sonntag, 29. November 2026, 16:00 Uhr. Kirchseeon, ab Ecke Wasserburger Straße/Talweg, Landkreis Ebersberg. Quelle: Veranstalter. Zum Brauch: Perchtenlauf
Die Andreasnacht ist die Nacht auf den 30. November, den Gedenktag des Apostels Andreas. Sie galt als Losnacht für Heiratsorakel: Junge Frauen versuchten auf verschiedene Weise, ihren künftigen Mann zu sehen, etwa durch Pantoffelwerfen oder einen Blick in Spiegel oder Feuer.
Am 3. November, dem Gedenktag des heiligen Hubertus, finden große Hubertusjagden statt, oft verbunden mit einer Hubertusmesse. Der Tag gilt als Schutzfest der Jagd, und die Hirschlegende des Heiligen dient christlichen Jägern als Vorbild für eine maßvolle, waidgerechte Jagd.
Am 11. November endete das bäuerliche Wirtschaftsjahr. Abgaben wurden fällig, das Vieh war von der Weide zurück, Pacht-, Zins- und Dienstverhältnisse begannen und endeten. Deshalb hieß der Tag auch Zinstag.
Stand: 21. Oktober 2026.