Brauchtum in BayernBräuche, belegt erzählt
Tanz · Ganz Bayern

Bayerischer Volkstanz

Bayerischer Volkstanz von Landler, Zwiefacher und Dreher bis Polka und Boarischer: Takte, Figurentänze, offenes Tanzen und wo man bayerisch tanzen lernt.

Kurz gesagt

Bayerischer Volkstanz umfasst die überlieferten Paar- und Figurentänze Bayerns, vor allem Landler, Walzer, Zwiefacher, Dreher, Polka und Boarischer, dazu Gruppentänze wie Kreuzpolka oder Siebenschritt. Getanzt wird ganzjährig auf Tanzböden, bei Kirchweih und Kathreintanz und bei offenen Tanzabenden, bei denen ein Tanzleiter die Figuren erklärt. Der Schuhplattler ist dagegen ein Vorführtanz der Burschen.

Ein Saal im ersten Stock eines Landgasthofs, Holzboden, die Musik sitzt auf einer kleinen Bühne: Harmonika, Tuba, zwei Trompeten. Die Tanzleiterin ruft „Boarischer!“, und dreißig Paare setzen sich gleichzeitig in Bewegung, gegen den Uhrzeigersinn, wie es sich gehört. Beim nächsten Stück, einem Zwiefachen, kommen ein paar ins Stolpern, weil die Musik nach zwei Takten plötzlich vom Dreier in den Zweier springt. Sie lachen und tanzen weiter. Bayerischer Volkstanz ist weniger Bühnenkunst als Geselligkeit mit festen Regeln und viel Spielraum.

Was ist bayerischer Volkstanz?

Volkstänze sind überlieferte Tänze, die zu traditionellen Festen und in der Gemeinschaft getanzt werden. Mit der Volksmusik bilden sie eine Einheit: Ohne die passende Musik gibt es keinen Zwiefachen. Ihre Schritte sind weniger streng festgelegt als die der Standardtänze in der Tanzschule, formlos sind sie trotzdem nicht.

In Bayern sind das vor allem Paartänze: Landler, Walzer, Zwiefacher, Dreher, Polka und Boarischer. Dazu kommen Figurentänze mit festgelegtem Ablauf, die von Region zu Region verschieden sind. Die Tanzmeisterin Katharina Mayer, die für den Bayerischen Landesverein für Heimatpflege Volkstanz an Schulen vermittelt, beschreibt den Reiz als Mischung aus Struktur und Freiheit: Die Form gibt Sicherheit, lässt aber Raum zum Drehen und Variieren. Mehr zur Musik dahinter steht auf der Seite über die bayerische Volksmusik.

Welche bayerischen Tänze gibt es?

Tanz Takt Kennzeichen
Landler 3/4 flacher, ruhiger Gehschritt, oft mit Armfiguren
Walzer 3/4 Drehtanz, gilt als Abkömmling des Landlers
Zwiefacher wechselnd 3/4 und 2/4 Walzer und Dreher im Wechsel, jede Melodie mit eigener Folge
Dreher gerade schneller Paardrehtanz, auch als Figur in vielen Tänzen
Polka 2/4 lebhafter Paartanz aus Böhmen
Boarischer gerade vier Wechselschritte, vier Dreherschritte
Figurentänze verschieden feste Abfolge, z. B. Kreuzpolka, Siebenschritt, Hiatamadl

Der Landler: der Ahnherr im Dreivierteltakt

Der Landler, hochdeutsch Ländler, ist einer der ältesten Tänze des bairisch-österreichischen Raums. Bezeichnungen wie „Ländlerische Tänze“ tauchen nach Angaben der Wikipedia seit dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts auf, Melodie- und Tanzform gelten als älter. Woher der Name kommt, ist nicht sicher: Er wird als ländlicher Tanz gedeutet, vom mundartlichen landlert für gemächlich abgeleitet oder mit dem Landl, einer Landschaft in Oberösterreich, verbunden.

Getanzt wird der Landler im Dreivierteltakt mit flachem Gehschritt und gleich langen Schritten, oft mit kunstvollen Armfiguren, mit Klatschen und Stampfen. Die Forschung nimmt an, dass sich aus ihm der Walzer entwickelt hat, um 1805 waren beide eigenständig. Auch der Schuhplattler wird vom Landler abgeleitet, sein Rundtanzteil ist bis heute ein Landler oder Walzer.

Der Zwiefache: Tanz mit Taktwechsel

Der Zwiefache ist das Markenzeichen Ostbayerns. Sein Kerngebiet liegt in Niederbayern, der Hallertau, der Oberpfalz und Mittelfranken. Die Paare tanzen in geschlossener Walzerfassung und wechseln zwischen Walzerschritt im ungeraden und Dreherschritt im geraden Takt, mal regelmäßig, mal scheinbar willkürlich. Als frühes Beispiel nennt die Wikipedia eine um 1730 datierte Musikhandschrift im Stadtarchiv Amberg, den Namen Zwiefacher im heutigen Sinn verwendete demnach Konrad Max Kunz 1848 als Erster. Regional heißt er auch Schleifer, Übernfuaß oder in Schwaben Grad und Ungrad.

Damit niemand die Folge vergisst, gibt es zu vielen Zwiefachen kleine Texte, die man im Kopf mitsingt. Bekannte Stücke sind der Boxhamerisch, auch als Alte Kath bekannt, oder 's Luada. Seit 2016 steht der Zwiefache im bundesweiten Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes.

Dreher, Polka und Boarischer

Der Dreher ist ein schneller Paardrehtanz, den es in Ober- und Niederbayern, der Oberpfalz und Franken gibt. In Unterfranken wird eine eigene Form getanzt, der Dreischritt-Dreher, gern als Dreher-Tour bei der Kirchweih. Als Figur steckt der Dreherschritt in vielen anderen Tänzen.

Die Polka kam aus Böhmen. Der Überlieferung nach wurde sie um 1830 erstmals in Elbekosteletz getanzt, 1835 bekam sie in Prag ihren heutigen Namen. Sie steht im Zweivierteltakt und ist auf jedem Tanzboden zu hören.

Der Boarische ist ein Paartanz im geraden Takt, der regional auch Rheinländer heißt und mit dem Schottisch verwandt ist. Sein Grundschritt: Vier Wechselschritte, bei denen die Partner auseinander und wieder zusammen gehen, dann vier schwungvolle Dreherschritte ohne Hüpfer. Der Name Rheinländer taucht um 1850 auf.

Figurentänze: jede Gegend hat ihre eigenen

Neben den Rundtänzen pflegt jede Region Figurentänze, bei denen die Abfolge fest vorgegeben ist. Für Oberbayern typisch sind etwa Kreuzpolka, Waldjager, Masianer, Hiatamadl, Siebenschritt und Bauernmadl. Franken und Schwaben haben ihre eigenen Repertoires. Im Gegensatz zum Paartanz muss man hier die Figuren kennen, deshalb erklärt sie bei offenen Abenden der Tanzleiter, bevor die Musik einsetzt.

Volkstanz und Schuhplattler: der Unterschied

Wer außerhalb Bayerns an bayerische Tänze denkt, denkt meist an den Schuhplattler. Der ist aber eine Vorführform der Burschen, ein Tanz zum Anschauen. Volkstanz im engeren Sinn ist Gesellschaftstanz zum Mitmachen, Paare tanzen für sich und nicht für ein Publikum. Beide gehören zusammen, gepflegt werden sie oft im selben Trachtenverein oder in eigenen Volkstanzgruppen.

Offenes Tanzen: wo man in Bayern mittanzt

Beim offenen Tanzen braucht man weder Vorkenntnisse noch Tanzpartner. Ein Tanzleiter erklärt die Figuren, tanzt sie vor und sorgt für den Ablauf. Solche Abende gibt es in ganz Bayern, oft veranstaltet von Trachtenverbänden, Volkstanzkreisen oder den Volksmusikstellen des Landesvereins für Heimatpflege. Beim Niederbayerischen Tanzboden in Haselbach etwa standen 2025 Figurentänze, Zwiefache, Polkas, Walzer, Landler, Rheinländer und Mazurkas auf dem Programm, in Straubing lädt beim Musikfestival Bluval eine offene Tanzbühne auf dem Stadtplatz zum Mittanzen ein.

Zwei Termine im Jahreslauf ziehen besonders viele Tänzer an: Im Juli tanzt München am frühen Sonntagmorgen am Chinesischen Turm, beim Kocherlball im Englischen Garten, getanzt wird dort vom Walzer bis zur Française. Im November beschließt der Kathreintanz die Tanzsaison vor dem Advent. Nach Beobachtung von Katharina Mayer haben öffentliche Mitmachveranstaltungen in München die städtische Tanzkultur wiederbelebt, während es auf dem Land eine lebendig getanzte Mitmachkultur eher weniger gibt.

Bayerisch tanzen lernen

Wer bayerisch tanzen lernen will, findet Anfängerkurse bei Volkshochschulen und Vereinen, häufig über vier Abende mit Grundschritten und einfachen Figuren, einen festen Partner braucht man nicht. Wer schon tanzt, findet in den Terminlisten des Landesvereins auch Seminare, etwa das Herbstseminar „Lied, Musik und Tanz in Niederbayern“. Für Schulen und Gruppen gibt es seit 2026 das kostenlose Angebot „Mit Schwung!“, das nach und nach Unterrichtsmaterialien mit Tanz und Musik zu 25 bayerischen Volks- und Rundtänzen bereitstellt. Weitere Bräuche rund um Tanz, Tracht und Musik versammelt die Rubrik Tracht, Musik und Tanz.

Termine der Saison

Fr27.Nov 2026

Bayerischer Tanzabend Hirschau (Abschluss der Volkstanz- und Zwiefachkurse)

Freitag, 27. November 2026, 19:00 Uhr. Hirschau, Josefshaus, Kolpingstraße 8, Landkreis Amberg-Sulzbach. Quelle: Veranstalter.

Termine nach Angaben der Veranstalter, ohne Gewähr. Kurzfristige Änderungen veröffentlichen die Gemeinden und Vereine.

Häufige Fragen

Wie heißt der bayerische Volkstanz?

Einen einzigen bayerischen Volkstanz gibt es nicht. Zu den bekanntesten gehören der Landler im Dreivierteltakt, der Zwiefache mit Taktwechsel, Dreher, Polka und Boarischer. Außerhalb Bayerns wird oft der Schuhplattler für den bayerischen Tanz schlechthin gehalten, er ist aber eine Vorführform und kein Gesellschaftstanz.

Was ist ein Boarischer?

Der Boarische, regional auch Rheinländer genannt, ist ein Paartanz im geraden Takt. Im Grundschritt folgen auf vier Wechselschritte, bei denen sich die Partner auseinander und wieder zueinander bewegen, vier schwungvolle Dreherschritte ohne Hüpfer. Er gehört zum Grundbestand jedes bayerischen Tanzabends.

Was ist der Unterschied zwischen Landler und Walzer?

Beide stehen im Dreivierteltakt. Der Landler wird mit einem flachen, ruhigen Gehschritt mit gleich langen Schritten getanzt, oft mit Armfiguren, während der Walzer ein schnellerer Drehtanz ist. Die Forschung nimmt an, dass sich der Walzer aus dem Landler entwickelt hat, um 1805 waren beide eigenständige Gattungen.

Wo kann man bayerischen Volkstanz lernen?

Volkstanzkurse bieten Volkshochschulen, Trachtenvereine, Volkstanzkreise und die Volksmusikstellen des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege an, meist ohne Vorkenntnisse und ohne festen Partner. Für Schulen und Gruppen stellt der Landesverein nach und nach kostenlose Unterrichtsmaterialien zu 25 bayerischen Volks- und Rundtänzen bereit. Am schnellsten lernt man aber bei offenen Tanzabenden mit Tanzleitung.

Ist der Zwiefache schwer zu tanzen?

Die Schritte selbst sind einfach: Walzerschritt und Dreherschritt. Schwierig ist, dass die Musik zwischen Dreier- und Zweiertakt wechselt, oft unregelmäßig, und jeder Zwiefache seine eigene Folge hat. Viele Stücke haben deshalb kurze Liedtexte, die beim Merken helfen.

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