Brauchtum in BayernBräuche, belegt erzählt
Ostern · Ganz Bayern

Osterbrunnen

Osterbrunnen in Bayern: woher der Brauch aus der Fränkischen Schweiz kommt, was er bedeutet, wo die größten Brunnen stehen und wie lange sie geschmückt sind.

Kurz gesagt

Ein Osterbrunnen ist ein Dorfbrunnen, der zu Ostern mit Girlanden aus Fichtengrün, bunten Bändern und Hunderten bemalten Eierschalen geschmückt wird. Der Brauch stammt aus der Fränkischen Schweiz, wo er um 1909 erstmals überliefert ist, und hat sich seit den 1980er Jahren über ganz Bayern und weite Teile Deutschlands verbreitet. Geschmückt sind die Brunnen von der Karwoche bis etwa zwei Wochen nach Ostern.

In der Woche vor Ostern sieht man in Oberfranken Helfer, die in leeren Dorfbrunnen stehen und schrubben. Ein paar Tage später ist derselbe Brunnen kaum wiederzuerkennen: Bögen aus Fichtengrün, Tausende bunte Eierschalen, Papierbänder, Blumen. Am Wochenende halten dort die Reisebusse. Der Osterbrunnen ist ein junger Brauch mit erstaunlicher Karriere, und er hat seinen Ursprung in einer sehr handfesten Sorge: Wasser.

Was ist ein Osterbrunnen?

Ein Osterbrunnen ist ein öffentlicher Brunnen, eine Quelle oder Zisterne, die zur Osterzeit festlich geschmückt wird. Typisch sind Girlanden aus Fichten- oder Tannengrün, die über ein Gestell gebunden werden, darin ausgeblasene und bemalte Eier, bunte Papierbänder, die in Franken Pensala heißen, und frische Blumen. Häufig sind Grün und Eier zu einer Osterkrone gebunden, einem Aufbau, der von Weitem wie eine Krone über dem Brunnen sitzt.

Ein durchschnittlicher Brunnen in der Fränkischen Schweiz braucht nach Angaben der Tourismuszentrale rund 80 laufende Meter Girlande und 1.800 bis 2.000 bemalte Eierschalen. Das ist die Arbeit eines ganzen Dorfwinters.

Woher kommt der Osterbrunnen?

Die Wiege des Brauchs ist die Fränkische Schweiz. Die Hochfläche der Fränkischen Alb besteht aus Kalk und Dolomit, Regen versickert sofort, natürliche Wasserstellen sind rar. Bevor es Wasserleitungen gab, waren Brunnen, Zisternen und künstliche Teiche, die Hülen, lebenswichtig. In trockenen Sommern musste Wasser aus dem Tal heraufgeschafft werden, manche Brunnen wurden nur stundenweise geöffnet. Entsprechend sorgfältig pflegte man sie, und aus dem Frühjahrsputz wurde ein Fest.

Schriftlich greifbar wird der Brauch spät. Das Schmücken von Brunnen mit Kränzen und Moos ist für das Bayreuther Land um die Mitte des 19. Jahrhunderts erwähnt. Als erster eigentlicher Osterbrunnen gilt nach mündlicher Überlieferung der in Aufseß um 1909, in Engelhardsberg wurde der Brunnen nach dem Bau der Wasserleitung 1913/14 geschmückt. Ein genaues Alter lässt sich nicht bestimmen.

Wichtig für die Einordnung: Ältere Deutungen, die den Osterbrunnen auf germanische oder slawische Quellkulte zurückführen, kamen in den 1920er Jahren auf und wurden in den 1930er Jahren teils von der regionalen NS-Propaganda aufgegriffen. Belegt ist davon nichts. Die neuere Forschung sieht im Osterbrunnen einen Brauch des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, der von Anfang an eng mit dem aufkommenden Fremdenverkehr verbunden war.

Wie entwickelte sich der Brauch?

Mit der Hauswasserversorgung verlor der Dorfbrunnen seine Funktion, und der Brauch schlief vielerorts ein. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg kamen rationierte Eier und ausbleibende Touristen dazu. Ab 1952 setzte sich der Nürnberger Arzt Hellmut Kunstmann mit seiner Frau für die Wiederbelebung ein, in den 1980er Jahren folgte der eigentliche Aufschwung im Zuge eines neuen Heimatbewusstseins. Heute schmücken in der Fränkischen Schweiz rund 200 Orte etwa 400 Brunnen.

Bemerkenswert: Die Eier gehörten wohl nicht von Anfang an dazu. Die frühen Brunnen waren mit Grün geschmückt. Wann die Eier dazukamen, wird unterschiedlich datiert, manche Darstellungen nennen das späte 19. Jahrhundert, die zuständige Kreisheimatpflegerin vermutet eher die Nachkriegszeit, auch mit Blick auf die Besucher. Der Osterbrunnen gilt dort als Brauch ohne Glauben: Er braucht keine Kirche, getragen wird er meist von Heimatvereinen, Feuerwehren und Dorfgemeinschaften.

Was bedeuten Eier, Grün und Wasser?

Der Volksglaube schrieb dem Osterwasser besondere Kräfte zu: Es sollte vor Krankheit schützen und Ungeziefer vertreiben, mit Osterwasser getaufte Kinder sollten besonders klug werden. Das ist Überlieferung und wird hier als solche wiedergegeben. Die Eier stehen im christlichen Verständnis für Auferstehung und neues Leben, das frische Grün für den Frühling. Auch Violett, liturgisch die Farbe der Buße, spielt im Schmuck eine wichtige Rolle.

Wie wird ein Osterbrunnen geschmückt?

Der Ablauf ist überall ähnlich. Zuerst wird der Brunnen gefegt, also gereinigt und wieder mit Wasser gefüllt. Dann steuern die Dorfbewohner Grün aus ihren Gärten bei, das zu Girlanden gebunden und an Eisengerüsten befestigt wird. Die Eier werden über den Winter ausgeblasen und bemalt, in Bieberbach arbeiten daran rund 25 Personen, jedes Jahr müssen etwa 1.000 Eier ersetzt werden. Manche Orte verwenden inzwischen Kunststoffeier.

Wo gibt es Osterbrunnen in Bayern?

Franken ist das Kernland. Die dichteste Landschaft bietet die Fränkische Schweiz in den Landkreisen Forchheim, Bayreuth und Bamberg, die eine eigene Seite hat: Osterbrunnen in der Fränkischen Schweiz. Darüber hinaus wird der Brauch im Fichtelgebirge, im Bamberger Land und am Obermain gepflegt.

In der Oberpfalz steht einer der bekanntesten Rekordbrunnen: In Sulzbach-Rosenberg schmückt der Arbeiter- und Kameradschaftsverein den Mutter-Kind-Brunnen jedes Jahr mit rund 13.000 handbemalten Eiern. 2005 kam er mit 16.501 Eiern ins Guinness-Buch, Bieberbach holte sich den Spitzenplatz im Jahr darauf zurück. Die Rivalität ist bis heute ein beliebtes Gesprächsthema.

In Altbayern und Schwaben ist der Osterbrunnen ein Importbrauch der letzten Jahrzehnte. Die Ausbreitung über Franken hinaus setzte nach einem kurzen Vorspiel in den 1920er und 1930er Jahren vor allem in den 1970er und 1980er Jahren ein. Geschmückte Brunnen finden sich heute in weiten Teilen Bayerns, auch südlich der Donau. Wer einen Osterbrunnen in der Nähe sucht, fragt am besten bei der eigenen Gemeinde oder schaut in die Termine.

Osterbrunnen außerhalb Bayerns

Längst ist der Brauch über Bayern hinausgewachsen. Thüringen, Sachsen mit dem Erzgebirge, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland haben eigene Osterbrunnen-Landschaften. In Baden-Württemberg sind Schechingen im Ostalbkreis mit über 13.500 Eiern und Oberstadion, das 2014 fast 27.000 Eier aufbot, regelrechte Wallfahrtsorte für Brunnenfreunde geworden. Seit Mitte der 2000er Jahre gibt es sogar Osterbrunnen in Norddeutschland. Ein fränkischer Exportschlager also, und einer der wenigen, der ohne Bratwurst auskommt.

Wann sind Osterbrunnen 2027 geschmückt?

Die Regel lautet: von der Karwoche bis etwa zwei Wochen nach Ostern, in vielen Orten bis einschließlich zum zweiten Sonntag nach Ostern. Ostersonntag fällt 2027 auf den 28. März. Rechnerisch ergibt das einen Zeitraum vom Palmsonntag, dem 21. März 2027, bis zum 11. April 2027. Die genauen Zeiträume legt jede Gemeinde selbst fest, sie werden meist erst im Frühjahr veröffentlicht.

Wer die Brunnen besucht, verbindet das gern mit anderen Bräuchen der Osterzeit: dem Palmbuschen am Palmsonntag, den Ratschen der Ministranten an Karfreitag und Karsamstag und dem Osterfeuer in der Osternacht. Einen Überblick über das fränkische Brauchjahr gibt die Seite Franken, die Termine des Monats der Jahreskreis im April.

Häufige Fragen

Wo gibt es Osterbrunnen?

Das Kerngebiet ist die Fränkische Schweiz zwischen Forchheim, Bayreuth und Bamberg mit rund 200 Orten. Von dort hat sich der Brauch über ganz Franken und die Oberpfalz verbreitet, heute schmücken Orte in weiten Teilen Bayerns ihre Brunnen, außerdem viele Gemeinden in Thüringen, Sachsen, Hessen und Baden-Württemberg.

Wo steht der größte Osterbrunnen der Welt?

Den Titel beanspruchen mehrere Orte. Bieberbach in der Fränkischen Schweiz kam mit 11.108 handbemalten Eiern ins Guinness-Buch, Sulzbach-Rosenberg in der Oberpfalz übertraf das 2005 mit 16.501 Eiern. In Baden-Württemberg schmücken Oberstadion und Schechingen ihre Brunnen inzwischen mit weit über 13.000 Eiern.

Wie lange sind die Osterbrunnen geschmückt?

In den meisten Orten von der Karwoche bis etwa zwei Wochen nach Ostersonntag. Manche beginnen schon um den Palmsonntag, viele bauen nach dem Weißen Sonntag oder dem zweiten Sonntag nach Ostern ab. Die genauen Zeiträume veröffentlichen die Gemeinden.

Was bedeutet der Osterbrunnen?

Er ist ursprünglich ein Dank für das Wasser. Auf der Hochfläche der Fränkischen Alb versickert der Regen im Kalkgestein, Brunnen und Zisternen waren lebenswichtig. Die Eier stehen für neues Leben und Auferstehung, das frische Grün für den Frühling.

Wie schmückt man einen Osterbrunnen?

Zuerst wird der Brunnen gründlich gereinigt, in Franken heißt das Fegen. Dann binden die Helfer frisches Fichten- oder Tannengrün zu Girlanden, befestigen sie an einem Gestell und hängen ausgeblasene, bemalte Eier hinein. Dazu kommen Papierbänder, Blumen und oft eine Krone aus Bögen, die Osterkrone.

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