Brauchtum in BayernBräuche, belegt erzählt
Dreikönig · Ganz Bayern

Sternsinger

Sternsinger in Bayern: wann sie 2027 kommen, was C+M+B an der Tür bedeutet, was man ihnen gibt und wie aus dem alten Heischebrauch eine Spendenaktion wurde.

Kurz gesagt

Sternsinger sind Kinder und Jugendliche, die um den Dreikönigstag am 6. Januar als Heilige Drei Könige verkleidet von Haus zu Haus ziehen, singen, den Segen 20*C+M+B+27 an die Tür schreiben und Spenden für Kinderprojekte sammeln. Unterwegs sind sie meist zwischen dem 27. Dezember und Mitte Januar, den genauen Termin legt die Pfarrei fest. In Bayern sammelten die sieben Bistümer zuletzt zusammen über 14 Millionen Euro.

Zwischen den Jahren klingelt es, und vor der Tür stehen drei Könige in Umhängen, die verdächtig nach Omas Vorhängen aussehen, mit Papierkrone und einem Stern an der Stange. Einer liest den Spruch vom Zettel ab, der Jüngste hält die Sammelbüchse, und zum Schluss steigt einer auf die Zehenspitzen und schreibt mit Kreide den Segen über die Tür. Kaum ein Brauch ist in Bayern so flächendeckend lebendig wie das Sternsingen, und kaum einer hat so eine lange Strecke hinter sich.

Was machen die Sternsinger?

Sternsinger sind Kinder und Jugendliche, die um den Dreikönigstag als Caspar, Melchior und Balthasar verkleidet von Haus zu Haus ziehen. Sie singen Lieder, sagen einen Segensspruch auf, schreiben den Haussegen an die Tür und sammeln Spenden für Kinder in Not weltweit. Organisiert wird das von den katholischen Pfarreien, mitmachen dürfen alle, unabhängig von Konfession oder Herkunft. Evangelische Kinder sind vielerorts selbstverständlich dabei.

Getragen wird die bundesweite Aktion Dreikönigssingen vom Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ in Aachen und vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Bundesweit beteiligen sich nach Angaben der Deutschen UNESCO-Kommission rund 330.000 Kinder und etwa 90.000 jugendliche und erwachsene Begleiter.

Was bedeutet C+M+B an der Tür?

Die drei Buchstaben über der Haustür gehören zu den bekanntesten Zeichen des Brauchs. Ursprünglich standen sie für die Namen der drei Könige, Caspar, Melchior und Balthasar. Heute liest man sie als lateinischen Segen: Christus mansionem benedicat, Christus segne dieses Haus.

Geschrieben wird mit gesegneter Kreide, die Jahreszahl wird geteilt. Für das neue Jahr lautet der Segen also:

20*C+M+B+27

Der Stern steht für den Stern von Betlehem und für Christus, die drei Kreuze für die Dreifaltigkeit.

Übrigens ist in der Bibel von Königen gar keine Rede. Das Matthäusevangelium spricht von mágoi, Sterndeutern aus dem Osten, und nennt weder ihre Zahl noch ihre Namen. Dass es drei Könige waren, hat sich erst später herausgebildet.

Woher kommt das Sternsingen?

Die Dreikönigsbräuche im deutschsprachigen Raum gehen auf ein Ereignis von 1164 zurück, als die Reliquien der Heiligen Drei Könige nach Köln übertragen wurden. Das heutige Sternsingen als Heischebrauch, also als Gang von Tür zu Tür mit der Bitte um Gaben, haben nach den Quellen um die Mitte des 16. Jahrhunderts Schüler an Bischofssitzen, Klöstern und Stiften eingeführt. Vor gut 350 Jahren zogen Sänger mit Kronen, Weihrauchfass und Stern umher, trugen Verse und Lieder vor und baten um Gaben.

Lange war das Sternsingen damit ein Brauch, bei dem die Sänger für sich selbst sammelten, ganz ähnlich wie die Klöpfler im Advent. Den entscheidenden Wandel brachte 1959: Das Kindermissionswerk belebte den Brauch mit der Aktion Dreikönigssingen neu und verband ihn mit der Sammlung für Kinder in Afrika, Asien, Lateinamerika, Ozeanien und Osteuropa. 1961 kam der BDKJ als Träger hinzu. Seit 2015 steht das Sternsingen im Bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes.

Ein hübsches Detail für Freunde des Kirchenjahrs: Das Kindermissionswerk selbst wurde am 2. Februar 1846 in Aachen gegründet, an Mariä Lichtmess. Längst sind die Sternsinger auch politische Besucher: Rund um Dreikönig empfangen Staatskanzleien, Landtage und Ministerpräsidenten in vielen Ländern Sternsingergruppen. Dass dabei Kinder in Papierkronen Ministern die Tür beschriften, gehört zu den sympathischeren Ritualen des politischen Jahres.

Sternsinger in Bayern

In Bayern ist das Sternsingen in allen sieben Bistümern verankert. Die Zahlen sind beachtlich. Bei der Aktion 2026 sammelten die bayerischen Bistümer zusammen über 14 Millionen Euro:

Bistum Ergebnis 2026
Augsburg 3.671.540 €
München und Freising 3.130.811 €
Regensburg 2.250.855 €
Bamberg 1.751.877 €
Würzburg 1.512.021 €
Eichstätt 1.155.426 €
Passau 727.521 €

Bundesweit kamen 2026 rund 47,17 Millionen Euro zusammen, Augsburg lag damit unter allen deutschen Bistümern auf Platz drei. Für das Jahr 2024 meldete der Evangelische Pressedienst Sternsingergruppen in 3.783 bayerischen Gemeinden.

Die Aktion Dreikönigssingen 2027

Die 69. Aktion steht unter dem Motto „Gutes Essen, starke Kinder: Sternsingen für gesunde Ernährung“, Beispielland ist Guatemala, wo viele Kinder chronisch unter- oder mangelernährt sind. Die bundesweite Eröffnung findet am Dienstag, 29. Dezember 2026, in Münster statt.

In Bayern senden sechs der sieben Bistümer ihre Sternsinger an zwei Tagen zentral aus. Am 29. Dezember 2026 feiern das Erzbistum München und Freising in Dachau, das Bistum Augsburg in Nordendorf und das Bistum Regensburg in der Basilika St. Martin in Amberg. Am 30. Dezember 2026 folgen das Erzbistum Bamberg, das Bistum Eichstätt im Dom und das Bistum Passau mit einem Aussendungsgottesdienst im Dom St. Stephan. Das Bistum Würzburg setzt auf Vorbereitungsworkshops und lädt am 16. Januar 2027 zu einem diözesanen Dankeschönfest. Uhrzeiten und Orte stehen im Terminblock dieser Seite.

Wann die Sternsinger an der eigenen Haustür klingeln, entscheidet die Pfarrei. Üblich ist die Zeit zwischen dem 27. Dezember und dem dritten Freitag im Januar, manche Gruppen gehen nur am Wochenende, andere mehrere Tage am Stück.

Sternsinger, Räuchern und das Ende der Weihnachtszeit

Der Dreikönigstag ist zugleich der Abschluss der Raunächte. In vielen Häusern wurde in der Nacht davor ein letztes Mal geräuchert, beschrieben unter Räuchern in den Rauhnächten. Der Kreidesegen der Sternsinger schließt sich daran fast nahtlos an. Ganz vorbei ist die Weihnachtszeit im bayerischen Brauchtum mit Dreikönig aber noch nicht: Krippe und Christbaum bleiben vielerorts bis Mariä Lichtmess am 2. Februar stehen.

Mehr über das Kirchenjahr und seine Feste erzählt die Schwester-Site unter Kirchenjahr in München. Alle Bräuche des Monats stehen unter Januar im Jahreskreis, die gesetzlichen Feiertage und ihr Brauchtum unter Feiertage in Bayern.

Termine der Saison

Di29.Dez 2026

Diözesane Eröffnung der Sternsingeraktion, Erzbistum München und Freising

Dienstag, 29. Dezember 2026, 11:00 Uhr. Dachau, Pfarrei St. Jakob, Augsburger Straße 2, Landkreis Dachau. Quelle: Veranstalter.

Di29.Dez 2026

Diözesane Eröffnungsfeier der Aktion Dreikönigssingen 2027, Bistum Augsburg

Dienstag, 29. Dezember 2026, 10:30 Uhr. Nordendorf, Landkreis Augsburg. Quelle: Veranstalter.

Di29.Dez 2026

Diözesane Eröffnungsfeier Dreikönigssingen, Bistum Regensburg

Dienstag, 29. Dezember 2026, 14:00 Uhr. Amberg, Basilika St. Martin, Marktplatz 2, Kreisfreie Stadt Amberg. Quelle: Veranstalter.

Mi30.Dez 2026

Diözesane Eröffnung der Aktion Dreikönigssingen 2027, Erzbistum Bamberg

Mittwoch, 30. Dezember 2026, 14:00 Uhr. Bamberg, St. Martin, Grüner Markt 19, danach Dom, Kreisfreie Stadt Bamberg. Quelle: Veranstalter.

Mi30.Dez 2026

Diözesane Sternsinger­aussendung, Bistum Eichstätt

Mittwoch, 30. Dezember 2026, 9:00 Uhr. Eichstätt, Dom und Priesterseminar, Landkreis Eichstätt. Quelle: Veranstalter.

Mi30.Dez 2026

Diözesane Sternsinger­aussendung, Bistum Passau

Mittwoch, 30. Dezember 2026, 13:30 Uhr. Passau, St. Nikola, danach Dom St. Stephan, Kreisfreie Stadt Passau. Quelle: Veranstalter.

Termine nach Angaben der Veranstalter, ohne Gewähr. Kurzfristige Änderungen veröffentlichen die Gemeinden und Vereine.

Häufige Fragen

Was bedeutet C+M+B?

Die Buchstaben standen ursprünglich für die Namen der Heiligen Drei Könige, Caspar, Melchior und Balthasar. Heute werden sie als lateinischer Segensspruch gelesen: Christus mansionem benedicat, Christus segne dieses Haus. Die Jahreszahl wird geteilt davor und dahinter geschrieben, für 2027 also 20*C+M+B+27.

Was schreiben die Sternsinger an die Tür?

Mit gesegneter Kreide schreiben sie den Segen über die Tür oder an den Türstock, zum Beispiel 20*C+M+B+27. Der Stern erinnert an den Stern von Betlehem und steht für Christus, die drei Kreuze für die Dreifaltigkeit.

Wann kommen die Sternsinger 2027?

Das entscheidet jede Pfarrei selbst, üblich ist die Zeit zwischen dem 27. Dezember und dem dritten Freitag im Januar. In Bayern werden die Sternsinger am 29. Dezember 2026 in Dachau, Nordendorf und Amberg sowie am 30. Dezember 2026 in Bamberg, Eichstätt und Passau diözesan ausgesandt. Den Besuchstermin im eigenen Ort veröffentlicht das Pfarramt.

Was gibt man den Sternsingern?

Üblich ist eine Geldspende für die Sammelbüchse, die vollständig an das Kindermissionswerk geht, dazu oft Süßigkeiten für die Kinder selbst. Viele Pfarreien geben einen Teil der Süßigkeiten an soziale Einrichtungen weiter. Eine feste Summe gibt es nicht.

Wohin geht das Geld der Sternsinger?

Alle Spenden werden an das Kindermissionswerk Die Sternsinger in Aachen überwiesen, das jährlich rund 600 Projekte für Kinder in Not weltweit fördert. Über die Vergabe entscheidet eine Kommission. Seit 1959 kamen so mehr als 1,4 Milliarden Euro zusammen.

Warum ist kein Sternsinger mehr schwarz geschminkt?

Lange wurde einer der drei Könige schwarz geschminkt. Die Träger der Aktion halten das nicht mehr für zeitgemäß und empfehlen, die Kinder gar nicht zu schminken. Ihr Motto lautet sinngemäß: Kommt so, wie ihr seid.

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