Fischessen am Aschermittwoch
Warum Fisch statt Fleisch, woher das Heringsessen kommt, was die Kirche vorschreibt und wann Aschermittwoch 2027 ist.
FebruarPolitischer Aschermittwoch in Bayern: wie aus dem Vilshofener Viehmarkt ein Brauch wurde, warum Passau dazugehört, wie der Tag abläuft und wann er 2027 ist.
Der Politische Aschermittwoch ist eine Reihe von Parteikundgebungen am Aschermittwoch, 2027 am 10. Februar, die vor allem in Niederbayern stattfinden, bekannt sind Passau und Vilshofen an der Donau. Er geht auf den Vieh- und Rossmarkt in Vilshofen zurück, auf dem Bauern seit 1580 über Preise und Politik sprachen. Als Geburtsstunde gilt die Kundgebung des Bayerischen Bauernbunds 1919.
Am Faschingsdienstag um Mitternacht hören die Narren auf zu reden, und am nächsten Vormittag fangen in Niederbayern die Politiker an. Der Politische Aschermittwoch ist ein Brauch, der eigentlich keiner sein dürfte: Er hat weder Maske noch Heiligen, dafür Bierbänke und Reden, bei denen das Publikum auf den Bänken steht. Dass er trotzdem hierher gehört, hat mit seiner Herkunft zu tun. Er ist aus einem bäuerlichen Markttag gewachsen und hält sich seit gut hundert Jahren an denselben Termin und dieselbe Gegend.
Diese Seite beschreibt den Politischen Aschermittwoch als Brauch: Herkunft, Ablauf, Schauplätze. Wer welche Rede hält und was darin gesagt wird, ist nicht ihr Thema.
Am Aschermittwoch laden in Bayern mehrere Parteien zu großen Kundgebungen ein, jede an ihren eigenen Ort. Gemeinsam ist allen die Form. Gesprochen wird in Hallen, Bierkellern und Wirtshaussälen, der Bierausschank beginnt früh, und die Reden sind kämpferischer, zugespitzter und oft derber als im übrigen Jahr. Lange Programmtexte und Zahlenkolonnen stehen nicht im Vordergrund, Zwischenrufe gehören dazu.
Die Veranstalter sprechen selbst gern vom „größten Stammtisch Deutschlands“. Wie viele solcher Treffen es bundesweit gibt, schwankt von Jahr zu Jahr. Die Deutsche Presse-Agentur zählte in einem Jahr 27 Kundgebungen verschiedener Parteien.
Die Wurzeln liegen in Vilshofen an der Donau, einer Kleinstadt im Landkreis Passau. Dort fand am Aschermittwoch ein großer Vieh- und Rossmarkt statt. Seit 1580 ist überliefert, dass sich Bauern aus der Umgebung dabei nicht nur über Viehpreise unterhielten, sondern auch über die Fragen der Zeit. Im 19. Jahrhundert ging es dabei zunehmend um die Politik im Königreich Bayern.
Die erste regelrechte Versammlung auf dem Markt hielt 1888 ein Bezirksbienenzüchterverein ab, wohl wegen des großen Publikums. Weil der Markt Anfang des 20. Jahrhunderts an Bedeutung verlor, schliefen solche Treffen zunächst wieder ein.
Als eigentliche Geburtsstunde gilt der 5. März 1919. An diesem Aschermittwoch rief der Bayerische Bauernbund in Vilshofen zur ersten politischen Kundgebung auf, mitten in den Wirren nach der Revolution von 1918/19. In den 1920er-Jahren folgten weitere Bauernorganisationen, 1932 gab es erstmals mehr als eine Veranstaltung am selben Tag.
Nach 1933 wurde auch der Aschermittwoch gleichgeschaltet, es fanden nur noch Kundgebungen der NSDAP statt, Wochenschauberichte machten sie reichsweit bekannt. Von 1938 bis 1945 ruhte der Brauch, unter anderem wegen des Krieges. 1946 traf sich der Bayerische Bauernverband zu einem offiziell „unpolitischen Treffen“, weil die amerikanische Militärregierung politische Versammlungen noch nicht erlaubte. Ab 1948 luden wieder Parteien nach Vilshofen ein.
In den 1950er- und 1960er-Jahren wurde Vilshofen zum festen Treffpunkt, die Parteien konkurrierten um dieselben Säle und dasselbe Publikum. Ein Ort ist dabei bis heute geblieben: der Wolferstetter Keller, ein Bierkeller in Vilshofen.
1975 wurde Vilshofen zu klein. Die größte Kundgebung zog in die Nibelungenhalle nach Passau, und dieser Umzug gilt als Startpunkt für Aschermittwochskundgebungen auch an anderen Orten. Nach dem Abriss der Nibelungenhalle wechselte sie 2004 in die Dreiländerhalle, die rund 7.000 Besucher fasst. Seitdem verteilt sich der Tag auf mehrere niederbayerische Städte: Passau, Vilshofen, Deggendorf, Landshut, Dingolfing, Osterhofen und weitere.
Der Ablauf hat an allen Orten Volksfestcharakter. Viele Besucher reisen in Bustouren an, eine Gruppe aus dem niedersächsischen Peine kommt etwa seit 1975 jedes Jahr nach Passau. Der Bierausschank beginnt früh, und wenn die Reden laufen, stehen Zuhörer schon einmal auf den Bierbänken, prosten dem Redner zu oder rufen dazwischen. Sachliche Programmdebatten sind an diesem Tag die Ausnahme.
Außerhalb der Hallen gilt an diesem Tag der kirchliche Kalender: Der Aschermittwoch ist der erste Tag der Fastenzeit, und in ganz Bayern wird traditionell Fisch statt Fleisch gegessen, wie die Seite zum Fischessen am Aschermittwoch erklärt. Am Rand der großen Kundgebungen demonstrieren regelmäßig Verbände und Initiativen, auch das ist inzwischen Teil des Bildes.
Der Termin ist kein Zufall. Der Aschermittwoch beendet den Fasching und eröffnet die Fastenzeit, und schon der alte Markttag in Vilshofen lag an diesem Datum. Wer die derbe Rede vor vollen Bierbänken kennt, fühlt sich wenige Wochen später an das Derblecken in der Starkbierzeit erinnert, auch wenn beide Bräuche unterschiedliche Wurzeln haben.
Wie ernst der Brauch genommen wird, zeigt sich gerade dann, wenn er nicht stattfindet. 2016 sagte die Passauer Großkundgebung nach dem schweren Zugunglück von Bad Aibling ab. 2022 verzichteten mehrere Parteien nach dem russischen Angriff auf die Ukraine auf ihre Veranstaltungen. In beiden Jahren zeigte sich: Lautstarke Rede und Bierzeltstimmung passen nicht in jede Lage. Auch frühere Pausen, etwa während des Zweiten Weltkriegs, gehören zur Geschichte des Tages. Bemerkenswert ist, wie selbstverständlich der Termin danach jeweils wieder aufgenommen wurde, als hätte es nie eine Unterbrechung gegeben.
Was in Niederbayern begann, ist längst kopiert worden. Kundgebungen am Aschermittwoch gibt es heute auch in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein, dazu seit 1992 im österreichischen Ried im Innkreis. In der Schweiz gibt es den Brauch nicht. Bayern gilt dennoch als Original, und die Bilder aus Passau und Vilshofen prägen das Bild des Tages bis heute.
Schon in den 1930er-Jahren trugen Wochenschauen den Vilshofener Aschermittwoch über Bayern hinaus. Heute berichtet das Bayerische Fernsehen in Sondersendungen über die Kundgebungen, bereits 2002 lief am Abend eine eigene Zusammenfassung unter dem Titel Der politische Aschermittwoch in Bayern. Viele Parteien übertragen ihre Veranstaltungen zusätzlich als Livestream. Das Sendeschema für den 10. Februar 2027 veröffentlicht der Sender in den Tagen davor. Wer die übrigen Bräuche dieser Wochen sucht, findet sie im Februar-Kalender und unter Niederbayern in Altbayern.
So heißen die Kundgebungen, zu denen Parteien am Aschermittwoch in Hallen, Kellern und Wirtshäusern einladen. Typisch sind kämpferische, oft derbe Reden vor großem Publikum in Volksfeststimmung mit Bier. Der Brauch stammt aus Niederbayern und hat inzwischen Nachahmer in vielen Bundesländern.
Der Politische Aschermittwoch fällt immer auf den Aschermittwoch, 2027 also auf Mittwoch, den 10. Februar. Ort und Beginn der einzelnen Kundgebungen legen die Parteien selbst fest und geben sie in den Wochen davor bekannt.
Die bekanntesten Schauplätze liegen in Niederbayern. In Passau ist es seit 2004 die Dreiländerhalle, in Vilshofen an der Donau der Wolferstetter Keller. Weitere Parteien laden in Städte wie Deggendorf, Landshut, Dingolfing oder Osterhofen ein.
Das Bayerische Fernsehen berichtet seit Jahrzehnten in Sondersendungen über die Kundgebungen, schon 2002 lief ein eigener Abend unter dem Titel Der politische Aschermittwoch in Bayern. Viele Parteien streamen ihre Veranstaltungen zudem selbst im Internet. Das genaue Programm geben die Sender kurz vorher bekannt.
Er geht auf den Vieh- und Rossmarkt in Vilshofen an der Donau zurück, wo sich Bauern am Aschermittwoch trafen, um über Preise und Tagesfragen zu reden. Seit 1580 ist das belegt. Die erste politische Kundgebung hielt der Bayerische Bauernbund am 5. März 1919.
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