Palmbuschen
Palmbuschen binden in Bayern: welche Zweige hineingehören, was am Palmsonntag geschieht, woher der Palmesel kommt und was mit dem alten Buschen passiert.
MärzKräuterbuschen zu Mariä Himmelfahrt: welche Kräuter hineingehören, wie man den Buschen bindet, was die Kräuterweihe am 15. August bedeutet und woher sie kommt.
Der Kräuterbuschen ist ein Strauß aus mindestens sieben Kräutern und Blumen, der am 15. August, dem Fest Mariä Himmelfahrt, im Gottesdienst gesegnet wird. In der Mitte steht traditionell eine Königskerze. Der Brauch ist in katholischen Gegenden ganz Bayerns verbreitet, besonders in Ober- und Ostbayern und im Allgäu; danach hängt der Buschen als Haussegen im Herrgottswinkel.
Mitte August riecht es in vielen bayerischen Dorfkirchen anders als sonst. Zwischen den Bänken stehen Sträuße aus Johanniskraut, Schafgarbe und Kamille, aus denen eine gelb blühende Königskerze wie ein Kirchturm herausragt. Am Fest Mariä Himmelfahrt, dem 15. August, bringen die Leute ihre Kräuterbuschen zur Weihe mit. Der Name schwankt je nach Gegend zwischen Kräuterbuschen, Kräuterbüschel, Weihbuschen oder schlicht Kräuterstrauß, gemeint ist immer dasselbe: ein gebundener Strauß aus Wiesen-, Feld- und Gartenkräutern, der danach ein Jahr lang im Haus bleibt.
Ein Kräuterbuschen ist ein handgebundener Strauß aus mehreren Kräuterarten, der im Gottesdienst zu Mariä Himmelfahrt gesegnet wird. Er ist der sichtbarste Brauch dieses Marienfestes und in katholischen Gegenden ganz Bayerns verbreitet, besonders in Oberbayern, in Ostbayern und im Allgäu. Mancherorts sammelt der Frauenbund am Vortag die Kräuter und bindet größere Mengen, ein großer Buschen steht dann vor dem Altar, kleinere werden nach dem Gottesdienst gegen eine Spende abgegeben.
Mariä Himmelfahrt ist in Bayern übrigens nicht überall arbeitsfrei. Gesetzlicher Feiertag ist der 15. August nur in Gemeinden mit überwiegend katholischer Bevölkerung, was das Landesamt für Statistik anhand der letzten Volkszählung feststellt. Mehr dazu auf der Seite Bayerische Feiertage.
Das Fest selbst gehört zu den ältesten Marienfesten. Es wurde im 5. Jahrhundert in Jerusalem als Tag der Gottesmutter begangen und kam im 7. bis 8. Jahrhundert nach Rom. Die Kräutersegnung ist jünger: Den ersten historischen Beleg liefert nach Angaben des Erzbistums München und Freising das römisch-deutsche Pontifikale aus dem 10. Jahrhundert, das ein Segensgebet für Heilkräuter enthält. Darin wird Gott als Arzt von Seele und Leib angerufen.
Zur kirchlichen Deutung gehört eine Legende: Als die Apostel nach Marias Tod ihr Grab aufsuchten, war es leer, und statt des Leichnams fanden sie darin Blumen und Kräuter. Marienverehrer haben die Tugenden Marias zudem gern mit Blüten verglichen, so dass die Kräuterweihe auch als Huldigung an die Gottesmutter gilt.
Häufig liest man, der Brauch reiche in vorchristliche Erntefeste zurück. Auch kirchliche Texte vermuten solche Wurzeln, belegen lassen sie sich aber nicht. Gesichert ist der jahreszeitliche Zusammenhang: Der 15. August eröffnet den sogenannten Frauendreißiger, die Wochen zwischen Mariä Himmelfahrt und Mitte September, in denen Getreide reift und Kräuter in voller Kraft stehen. Maria wurde früh als Beschützerin der Feldfrüchte verehrt, und so passte der Tag gut zum Sammeln und Segnen.
Eine feste Liste gibt es nicht, und genau darüber wird in Familien gern diskutiert. Ein paar Regeln haben sich aber fast überall gehalten.
Vorzugsweise wählte man Heilkräuter, deren Verwendung im Haus bekannt war. Das macht den Buschen zu einem kleinen Archiv des Erfahrungswissens, das früher in jedem Hof weitergegeben wurde.
Bei der Zahl wird es symbolisch. Mindestens sieben Arten sind die Regel, die Sieben steht für die Schöpfungstage und die sieben Sakramente. Ebenso gebräuchlich sind neun Kräuter, die mit der Dreifaltigkeit verbunden werden, zwölf für die Apostel oder noch größere Zahlen. Aus Teilen Oberbayerns sind Buschen mit über 70 Arten überliefert, der Bayerische Trachtenverband nennt für frühere Zeiten sogar 77 Gräser und Kräuter. Wer so viele zusammenbekommt, hat einen sehr guten Blick für Wegränder.
Gesammelt wird in den Tagen vor dem Fest. Das Binden selbst ist schlicht:
Zur Weihe wird der Buschen in den Festgottesdienst mitgebracht und vom Priester mit Weihwasser besprengt. In manchen Gegenden hatte früher die Haustochter oder die erste Magd das Vorrecht, ihn zur Kirche und wieder heim zu tragen.
Nach der Weihe wird der Buschen kopfüber getrocknet und kommt in den Herrgottswinkel, an die Haustür oder auf den Dachboden. Dort bleibt er als Haussegen bis zum nächsten Jahr. Die überlieferten Verwendungen gehören zum Volksglauben und werden hier volkskundlich beschrieben, nicht als Empfehlung:
Damit schließt sich ein Kreis, der im Frühjahr mit dem Palmbuschen beginnt: Auch er wird geweiht, aufbewahrt und im folgenden Jahr ersetzt. Der Kräuterbuschen ist gewissermaßen sein sommerlicher Bruder.
Der 15. August steht im bäuerlichen Jahr an einer Schwelle. Die Heuernte ist vorbei, das Getreide reift, und auf den Almen beginnt bald die Zeit, in der das Vieh ins Tal zurückkehrt, siehe Almabtrieb. Die Sammelzeit für Kräuter reichte nach alter Vorstellung von der Sommersonnwende, an der die Sonnwendfeuer brennen, bis Mariä Himmelfahrt. Im Herbst folgt mit dem Erntedank ein weiteres Fest, an dem Gaben der Natur in die Kirche getragen werden.
Weitere Bräuche des Monats sammelt die Seite Bräuche im August. Wer nach dem Brauch in anderen Landesteilen sucht: In Franken und Schwaben ist der Kräuterbuschen in katholischen Gemeinden ebenso zu Hause wie in Altbayern, mehr dazu unter Bräuche in Schwaben.
Eine verbindliche Liste gibt es nicht, die Auswahl wechselt von Ort zu Ort. Häufig genannt werden Königskerze, Johanniskraut, Schafgarbe, Kamille, Wermut, Salbei, Spitzwegerich, Arnika, Dost, Goldrute, Mädesüß und Baldrian, dazu Getreideähren und Gartenblumen. Die Königskerze steht in der Mitte und ragt über den Strauß hinaus.
Mindestens sieben Pflanzenarten sind die Regel, die Sieben steht für die Schöpfungstage und die sieben Sakramente. Ebenso üblich sind neun, zwölf oder noch mehr Kräuter. Für Teile Oberbayerns sind Buschen mit über 70 Arten überliefert.
Der geweihte Buschen wird getrocknet und als Haussegen im Herrgottswinkel, am Hauseingang oder unter dem Dach aufbewahrt. Nach altem Volksglauben warf man bei Gewitter ein paar Kräuter ins Herdfeuer, mischte sie dem Vieh ins Futter oder räucherte damit in den Raunächten. Den alten Buschen verbrennt man, wenn im nächsten August ein neuer kommt.
Die Kräuterweihe findet am Fest Mariä Himmelfahrt am 15. August statt, meist im Festgottesdienst am Vormittag. 2027 fällt der 15. August auf einen Sonntag.
Nach einer Legende fanden die Apostel das Grab Marias leer, nur Blumen und Kräuter lagen noch darin. Zugleich fällt der Tag in die Zeit, in der viele Heilpflanzen blühen und die erste Ernte eingebracht wird. Die Kirche deutet die Segnung als Dank dafür, dass die Kräfte der Natur ein Geschenk Gottes sind.
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JuniStand: 21. Oktober 2026. Redaktion Brauchtum in Bayern, Chinesischer Turm e.V. Hinweise und Korrekturen an servus@brauchtum-in-bayern.de.