Osterfeuer in Bayern
Osterfeuer in Bayern: was das Feuer der Osternacht bedeutet, wann es brennt, wie es sich von Brauchfeuer und Judasfeuer unterscheidet und woher es kommt.
MärzSonnwendfeuer und Johannifeuer in Bayern: woher die Feuer zur Sommersonnenwende kommen, was Johanni am 24. Juni bedeutet und wo Bergfeuer in den Alpen brennen.
Sonnwendfeuer sind große Feuer, die in Bayern um die Sommersonnenwende Ende Juni entzündet werden, auf Dorfwiesen ebenso wie auf Berggipfeln. Als Johannifeuer brennen sie in der Nacht vor dem Johannistag am 24. Juni, dem Geburtsfest Johannes des Täufers. Belegt ist der Brauch seit dem 12. Jahrhundert, vermutete vorchristliche Wurzeln sind nicht gesichert.
Am Abend des 23. Juni, wenn es im Karwendel endlich dunkel wird, flammt auf einem Gipfel über Mittenwald ein Licht auf, dann ein zweites, dann das nächste. Unten im Ort schauen Einheimische und Gäste von daheim aus zu. Wer da oben sitzt, hat das Brennholz zu Fuß hinaufgetragen, denn so will es der Brauch. Sonnwend- und Johannifeuer gehören zu den stimmungsvollsten Bräuchen des bayerischen Sommers, und zu denen, über deren Herkunft am meisten gemutmaßt wird.
Ein Sonnwendfeuer ist ein großes Feuer zur Sommersonnenwende, dem längsten Tag des Jahres zwischen dem 20. und 22. Juni. Es brennt auf einer Wiese am Ortsrand, auf einem Hügel oder als Bergfeuer auf einem Gipfel. Meist gehört ein geselliger Abend dazu, und spät in der Nacht springen die Mutigen über die niedergebrannte Glut.
Die Namen gehen durcheinander. Sonnwendfeuer, Sonnenwendfeuer, Johannifeuer oder Johannisfeuer, Bergfeuer: Gemeint ist im Kern dasselbe, der Unterschied liegt im Bezugspunkt. Das Sonnwendfeuer orientiert sich am astronomischen Ereignis, das Johannifeuer am Kirchenkalender, das Bergfeuer am Ort.
Der 24. Juni ist der Johannistag, das Hochfest der Geburt Johannes des Täufers. Das Datum ergibt sich aus dem Lukasevangelium: Johannes wurde sechs Monate vor Jesus geboren, also ein halbes Jahr vor Weihnachten. Dass es damit fast genau auf die Sonnenwende fällt, wurde schon früh gedeutet. Johannes sagt im Johannesevangelium über Christus: Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden. Ab Johanni nimmt das Licht ab, ab Weihnachten nimmt es wieder zu.
Gefeiert wird in der Johannisnacht vom 23. auf den 24. Juni. In vielen bayerischen Orten heißt der Tag schlicht Johanni, und rund um diesen Termin hat sich einiges an Brauchtum angesammelt. Die Arnika heißt in ländlichen Gegenden Bayerns Johannisblume, weil sie jetzt blüht. Auch manche Brunnenfeste fallen in diese Tage: Im oberfränkischen Wunsiedel schmücken die Brunnengemeinschaften jedes Jahr am Samstag vor dem Johannistag rund 35 Brunnen mit Blumen und Lichtern, ein Brauch, der seit 1833 belegt ist.
Wer eine schnelle Antwort will, hört meist: von den Germanen. Die Belege geben das nicht her. Die Europäische Ethnologie der Universität Innsbruck spricht vorsichtig von wohl vorchristlichen Wurzeln. Belegt ist das Johannisfeuer seit dem 12. Jahrhundert, häufig seit dem 14. Jahrhundert, also schon in christlichem Gewand. Die Kirche hatte das Sonnwendfest mit dem Geburtstag des Täufers überlagert, aus Sonnwendfeuern wurden Johannisfeuer.
Die Feuer überstanden auch die Verbote der Aufklärung und haben sich vielerorts bis heute gehalten. Ein Kapitel ihrer Geschichte ist belastet: Die Nationalsozialisten missbrauchten Sonnwendfeiern für ideologische Zwecke und erklärten sie zu germanischem Erbe. Wer heute ein Sonnwendfeuer besucht, feiert in aller Regel einen Dorfabend, keine Weltanschauung. Den Unterschied zu kennen, schadet trotzdem nicht.
Im Volksglauben hatte das Johannifeuer eine Schutzfunktion. Es sollte Krankheit, Hagel und Viehschaden abwehren, man sprach deshalb auch vom Hagelfeuer. Der Sprung über das Feuer galt als Reinigung, und ein Paar, das Hand in Hand sprang, sollte bald Hochzeit feiern. Mancherorts wurden Strohpuppen verbrannt, anderswo warf man einen Gürtel aus Beifuß in die Flammen, und mit ihm alles Unglück. Solche Deutungen beschreiben, was Menschen früher glaubten; eine Wirkung ist damit nicht verbunden.
Heute steht das Gemeinschaftserlebnis im Vordergrund. Der Ablauf ähnelt sich vielerorts:
Die eindrucksvollste Form ist das Bergfeuer. Rund um Mittenwald, Krün und Wallgau in der Alpenwelt Karwendel flammen am Vorabend von Johanni pünktlich mit der Dunkelheit Feuer auf steilen Gipfeln auf, etwa an Ochsenstaffel, Schöttlkarspitze und Signalkopf. Das Brennholz wird nach altem Brauch zu Fuß hinaufgetragen. Zuschauen kann man vom Ort aus oder vom Kranzberg gegenüber.
Gleich hinter der Grenze in Tirol liegt Ehrwald, dessen Bergfeuer als immaterielles Kulturerbe in Österreich anerkannt ist. In Tirol gibt es außerdem seit dem späten 19. Jahrhundert Herz-Jesu-Feuer, die an das Herz-Jesu-Gelöbnis von 1796 erinnern und oft in Herz- oder Kreuzform brennen. Sie haben die älteren Sonnwendfeuer dort teilweise verdrängt.
In Bayern sind Sonnwendfeuer jedoch nicht auf das Gebirge beschränkt. Johannisfeuer in der Nacht zum 24. Juni sind nach Angaben der Universität Innsbruck in Bayern ebenso verbreitet wie in Tirol, Ober- und Niederösterreich, Baden-Württemberg und im Harz. Sie brennen in Altbayern, Franken und Schwaben auch fernab der Berge, auf Wiesen und Hügeln am Ortsrand.
Der Johannistag fällt 2027 auf Donnerstag, den 24. Juni; die Johannisnacht ist also die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag. Im Karwendel brennen die Johannifeuer traditionell genau am Vorabend, unabhängig vom Wochentag. Andere Veranstalter legen ihr Sonnwendfeuer auf das Wochenende um die Sonnenwende. Feste Termine für 2027 waren im Oktober 2026 noch nicht veröffentlicht; sie stehen erfahrungsgemäß erst im Frühsommer auf den Seiten von Gemeinden, Tourismusämtern und Vereinen. Wer ein Bergfeuer sehen will, braucht vor allem eines: einen klaren Abend ohne tief hängende Wolken.
Das Sonnwendfeuer ist das Sommerglied einer Kette von Jahresfeuern. Im Allgäu lodert am ersten Sonntag nach Aschermittwoch das Funkenfeuer, zu Ostern brennt das Osterfeuer, in der Nacht zum 1. Mai in manchen Gegenden ein Maifeuer, wie es zum Tanz in den Mai gehört. Zeitlich liegt Johanni kurz nach Fronleichnam, das 2027 auf den 27. Mai fällt, und mitten im Almsommer, der im Herbst mit dem Almabtrieb endet. Alle Bräuche dieses Monats versammelt der Juni im bayerischen Jahreskreis.
Sonnwendfeuer brennen um die Sommersonnenwende, die zwischen dem 20. und 22. Juni liegt, Johannifeuer in der Nacht vom 23. auf den 24. Juni. Viele Vereine legen ihr Feuer auf das nächstgelegene Wochenende. 2027 fällt der Johannistag auf einen Donnerstag, der Vorabend also auf Mittwoch, den 23. Juni.
Der Unterschied liegt im Bezug: Das Sonnwendfeuer knüpft an die astronomische Sonnenwende an, das Johannifeuer an den Johannistag, das Geburtsfest Johannes des Täufers am 24. Juni. Im Brauch selbst sind beide Feuer kaum zu unterscheiden, oft werden die Namen gleichbedeutend verwendet.
Es feiert den längsten Tag des Jahres. Christlich gedeutet steht das Feuer für Christus als Licht, auf das Johannes der Täufer hinwies. Im Volksglauben galt das Johannifeuer als Schutz gegen Unheil, Hagel und Krankheit; der Sprung über die Glut sollte Glück und eine baldige Hochzeit bringen.
Das lässt sich nicht belegen. Volkskundler halten vorchristliche Wurzeln von Feuern zur Sonnenwende für möglich, schriftlich greifbar wird der Brauch aber erst im 12. Jahrhundert und bereits als Johannisfeuer. In der NS-Zeit wurden Sonnwendfeiern ideologisch missbraucht, was die germanische Deutung bis heute verzerrt.
Bekannt sind die Johannifeuer rund um Mittenwald, Krün und Wallgau, die am Abend des 23. Juni nacheinander auf steilen Gipfeln aufflammen. Ein guter Aussichtspunkt ist der Kranzberg gegenüber von Mittenwald. Das berühmte Bergfeuer von Ehrwald liegt jenseits der Grenze in Tirol.
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