Fasching in Bayern
Fasching in Bayern: alle Termine 2027 vom Unsinnigen Donnerstag bis Faschingsdienstag, Bräuche in Altbayern und Schwaben, Ferien und Feiertage.
FebruarWerdenfelser Fasnacht in Mittenwald und Garmisch-Partenkirchen: wer die Maschkera sind, woher die Holzlarven stammen und was am Unsinnigen Donnerstag los ist.
Die Werdenfelser Fasnacht ist der Maskenbrauch im Landkreis Garmisch-Partenkirchen, vor allem in Mittenwald, Garmisch-Partenkirchen, Grainau, Farchant, Wallgau und Krün. Von Dreikönig bis Faschingsdienstag ziehen die Maschkera mit handgeschnitzten Holzlarven unerkannt durch die Wirtshäuser. Höhepunkt ist der Unsinnige Donnerstag, 2027 am 4. Februar, mit dem Zug der Schellenrührer in Mittenwald.
Im Mittenwalder Wirtshaus geht die Tür auf, und herein kommen fünf Männer, deren Gesichter aus Lindenholz sind. Sie sagen kein Wort, sondern brummen. Einer verbeugt sich vor einer Frau am Ecktisch und bittet sie zum Tanz, danach sind alle fünf so schnell verschwunden, wie sie gekommen sind. Wer das zum ersten Mal erlebt, ahnt, dass die Werdenfelser Fasnacht mit Konfetti und Gardetanz wenig zu tun hat. Sie ist einer der eigenwilligsten Maskenbräuche Bayerns, und sie lebt davon, dass niemand weiß, wer hinter der Larve steckt.
Werdenfelser Land heißt die Gegend um Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald im Süden Oberbayerns. Ihre Fasnacht ist ein Larvenbrauch: Männer ziehen mit handgeschnitzten Holzmasken durch Straßen und Wirtshäuser, in Mittenwald, Garmisch-Partenkirchen, Grainau, Farchant, Wallgau und Krün. Die Maskierten heißen Maschkera, das Wort steht zugleich für den Brauch und für die Masken selbst.
Wer die Seite Fasching in Bayern kennt, findet hier das Gegenmodell zum Saalfasching. Es gibt keine Prinzenpaare, keine Prunkwagen und keine Bonbons. Die Maschkera-Zeit beginnt am Dreikönigstag und endet am Faschingsdienstag. Getragen werden die Larven nur in dieser Zeit. Nach altem Volksglauben wächst die Larve dem ins Gesicht, der sie außerhalb des Faschings aufsetzt.
Die Ursprünge liegen im Dunkeln, belegt sind vor allem die Einflüsse. Ende des 15. Jahrhunderts verlegten venezianische Kaufleute nach einem Streit mit dem Tiroler Landesherrn den großen Bozner Markt für fast 200 Jahre nach Mittenwald. Mit ihnen kamen Anregungen aus dem venezianischen Karneval, und dazu mischten sich tirolische, schwäbisch-alemannische und altbayerische Bräuche.
Oft wird erzählt, die Maschkera hätten ursprünglich Winter und Dämonen vertrieben, der Brauch sei also heidnisch. Diese Deutung ist auch in örtlichen Darstellungen verbreitet, sie ist aber nicht belegt. Sicher ist, dass der Brauch an die Faschingszeit vor Ostern gebunden ist und dass er heute vor allem deshalb lebt, weil er den Leuten Freude macht.
Das Herzstück sind die Larven, so heißen die Masken im Werdenfelser Dialekt. Geschnitzt werden sie aus Linde, Zirbe oder Weymouthskiefer. Manche Stücke sind bis zu 300 Jahre alt. Als älteste gelten die Kirchenlarven, die vermutlich Handwerker geschnitzt haben, die an den Kirchenbauten der Gegend beschäftigt waren.
Mittenwald hat einen eigenen Typ, die Geigenmacherlarven. Sie sind kleiner, bedecken nur das Gesicht und zeigen runde Wangen, glatte Haut und einen sauber gestutzten Schnurrbart. Der Name ist kein Zufall: In der Geigenbauerstadt waren es oft Geigenbauer, die nebenbei Larven schnitzten. Bis heute arbeiten Schnitzer in Mittenwald und Klais an neuen Masken, eine Larve kostet laut örtlichem Reiseführer um die 300 Euro.
Im Unterschied zur schwäbischen Fasnet zeigen die Werdenfelser Larven meist ruhige, lächelnde Gesichter von Männern und Frauen, historische Stücke blicken auch streng. Jede soll anders aussehen, in Nase, Form, Bart und Ausdruck. Cowboys und Monster aus dem Kostümladen sucht man vergeblich. Wer die Zunftmasken mit Häs und Narrenruf vergleichen möchte, findet sie bei der Fasnet in Schwaben.
Ein Maschkera wird man nicht mit einer Maske allein. Ein Seidentuch bedeckt Haar und Stirn und wird unter dem Kinn verknotet, die Larve hält ein Gummiband, darüber kommt ein Hut. Dazu gehört das G'wand, oft alte Tracht, und Handschuhe, damit nicht einmal die Hände den Träger verraten. Masken werden untereinander getauscht, damit niemand den Nachbarn an seiner Larve erkennt.
Auch die Stimme wird verstellt. Ein Maschkera spricht nicht, er raunzt, ein knurriges, brummiges Geräusch. Unter dem Schutz der Larve gilt Narrenfreiheit, und so mancher Mitbürger bekommt am Tresen Dinge zu hören, die ihm sonst keiner sagen würde. Mitgemacht haben traditionell nur Männer, Frauen sind gelegentlich dabei.
Das eigentliche Leben der Maschkera spielt sich in den Gasthäusern ab, beim Gungln. In Mittenwald treffen sich die Masken in der Faschingszeit montags, dienstags und donnerstags am Abend. Sie kommen unangemeldet, fordern Frauen zum Tanz auf, singen, spielen kleine Szenen und gehen wieder. Ausgenommen sind einige Tage: An Lichtmess am 2. Februar und am Blasiustag am 3. Februar bleibt es ruhig, ebenso am Gedenktag an einen Brand im Mittenwalder Untermarkt von 1830. Mehr zum Lichtmesstag steht auf der Seite Lichtmess.
Der höchste Faschingstag in Mittenwald ist der Unsinnige Donnerstag, der Donnerstag vor dem Faschingssonntag. 2027 fällt er auf den 4. Februar. An diesem Tag zieht ein großer Zug durch den Ort, und Tausende Zuschauer säumen die Straßen. Die genaue Uhrzeit gibt der Markt Mittenwald bekannt, in den Vorjahren startete der Zug um die Mittagszeit im Obermarkt.
Angeführt wird er von den Schellenrührern: zwölf Männer in Tracht und Holzlarve, die große Ochsenschellen auf dem Rücken tragen und damit läuten. Nach örtlicher Deutung stehen die zwölf für die Monate des Jahres und sollen den Frühling wecken. Hinter ihnen folgen weitere Figuren:
Ähnliche Umzüge gibt es in Krün und Wallgau. Die Figuren sind in den Hauptorten weitgehend dieselben, die Reihenfolge und die Termine legen die Orte selbst fest.
Auch in Garmisch-Partenkirchen ziehen in der Faschingszeit Maschkera durch die Straßen, darunter Schellenrührer und Goaßlschnalzer, und in den Wirtshäusern wird gegungelt. Die wichtigsten Tage im ganzen Werdenfelser Land sind der Unsinnige Donnerstag und der Faschingsdienstag, dazu kommen Faschingsumzüge im Ort. Auch in Grainau und Farchant gehen Maschkera um, Farchant, Wallgau, Krün und das benachbarte Murnau legen dafür jeweils eigene Termine fest. Termine und Zugwege veröffentlichen Gemeinde und Tourist-Information. Sobald sie feststehen, stehen sie auch im Februar-Kalender.
Wer die Werdenfelser Larven mit anderen alpinen Maskenbräuchen vergleichen will, sollte im Dezember wiederkommen. Beim Perchtenlauf tragen die Masken ebenfalls Holz, aber ein ganz anderes Gesicht, und mit dem Fasching hat er nichts zu tun. Einen Überblick über die Bräuche der Region gibt die Seite Altbayern.
Maschkera ist das Werdenfelser Wort für Maskierte, und es bezeichnet zugleich den Brauch, die Masken und ihre Träger. Ein Maschkera trägt eine geschnitzte Holzlarve, ein Seidentuch über Haar und Stirn, einen Hut und alte Tracht. Er darf nicht erkannt werden und verstellt deshalb Stimme, Gang und Gesten.
Der Unsinnige Donnerstag fällt 2027 auf den 4. Februar. In Mittenwald ist es der höchste Faschingstag, an dem die Schellenrührer den großen Zug durch den Ort anführen. Die Uhrzeit gibt der Markt Mittenwald bekannt, in den Vorjahren begann der Zug um die Mittagszeit im Obermarkt.
Die Schellenrührer sind zwölf maskierte Männer in Tracht, die große Kuhschellen auf dem Rücken tragen und damit läuten. Sie eröffnen den Zug am Unsinnigen Donnerstag. Nach örtlicher Deutung stehen sie für die zwölf Monate und sollen den Frühling wecken.
Gungln heißt das Treffen der Maschkera im Wirtshaus. An bestimmten Abenden der Faschingszeit, in Mittenwald montags, dienstags und donnerstags, kommen sie unangemeldet, fordern Frauen zum Tanz auf, singen oder spielen kleine Szenen und verschwinden wieder, ohne die Larve abzunehmen.
Manche Larven sind bis zu 300 Jahre alt. Als älteste gelten die Kirchenlarven, die vermutlich von Handwerkern geschnitzt wurden, die an Kirchenbauten der Gegend arbeiteten. Viele Larven werden bis heute in den Familien weitervererbt.
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