Fischessen am Aschermittwoch
Warum Fisch statt Fleisch, woher das Heringsessen kommt, was die Kirche vorschreibt und wann Aschermittwoch 2027 ist.
FebruarSteckerlfisch in Bayern: was hinter dem Fisch am Holzstab steckt, welcher Fisch traditionell aufs Steckerl kommt und warum er zu Biergarten und Wiesn gehört.
Steckerlfisch ist ein ganzer Fisch, der auf einem Holzstab, dem Steckerl, schräg neben der Glut gegrillt wird. In Bayern gehört er zu Biergärten, Volksfesten, Kirchweih und dem Oktoberfest, die Hauptsaison liegt im Sommer. Traditionell wurden heimische Weißfische und Renken verwendet, heute ist die Makrele am verbreitetsten.
Man riecht ihn, bevor man ihn sieht. Irgendwo hinter den Kastanien eines Biergartens steht eine lange, flache Grillwanne, darüber dutzende Fische auf Holzstäben, schräg in Reihe gesteckt wie Soldaten bei der Parade. Die Haut wird langsam braun und knusprig, der Griller wendet und pinselt, und vor der Bude bildet sich eine Schlange. Der Steckerlfisch ist kein Gericht, das man zu Hause nachkochen muss, um ihn zu verstehen. Er ist ein Stück bayerische Festkultur, das man am besten draußen isst, aus dem Papier und mit den Fingern.
Ein Steckerlfisch ist ein ganzer, ausgenommener Fisch, der auf einen Holzstab gespießt und neben der Glut gegrillt wird. Steckerl ist das bayerische Wort für ein kleines Stöckchen oder einen Stab. Die Spieße sind etwa 60 Zentimeter lang, der Fisch hängt kopfüber schräg neben dem Feuer und gart langsam in der Hitze, statt direkt über der Flamme zu liegen.
Mit Stockfisch, also getrocknetem Kabeljau, hat der Steckerlfisch nichts zu tun, auch wenn die Wörter ähnlich klingen. Verbreitet ist er in Bayern, in Franken und in Österreich, überall dort, wo Biergärten und Volksfeste zum Sommer gehören.
Der Steckerlfisch ist älter als die bayerische Biergartenkultur. Er war ein Festessen für Tage, an denen viele Menschen auf einmal satt werden wollten: Kirchweih und Volksfeste. Dafür eignet er sich ideal, denn ein erfahrener Griller schafft sehr viele Fische auf einmal, und die meiste Vorbereitung lässt sich am Vortag erledigen.
Ursprünglich kamen kleine heimische Weißfische aus der Isar und den Nachbarflüssen auf das Steckerl, etwa die Nase, die heute teilweise geschützt ist. Als diese Fische seltener wurden, wichen die Wirte auf die Makrele aus. Die Sardine war ihnen dafür zu klein. So erklärt sich, warum ein Meeresfisch heute der typische bayerische Grillfisch ist, obwohl die nächste Küste einige hundert Kilometer entfernt liegt.
An den Seen hat der Steckerlfisch eine andere Grundlage: die Berufsfischerei. Am Chiemsee fahren 16 Fischer täglich und bei jedem Wetter hinaus, das Handwerk wird seit Jahrhunderten in den Familien weitergegeben. Hauptfisch ist die Renke, eine Felchenart: Von rund 30 Fischarten im See dreht sich fast alles um sie. Verkauft wird direkt aus Fischerhütten, Räuchereien und Ständen, allein auf der Fraueninsel gibt es sechs Fischereien. Neben geräucherter Renke und Fischsemmeln gehört der Steckerlfisch dort fest zum Angebot.
Populär gemacht hat den Steckerlfisch das Oktoberfest. 1904 errichtete der Wirt Josef Pravida auf der Wiesn ein Fachwerkhaus mit Storchennest und nannte es „Fischerhütte zum Holländer“. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm der Fischhändler Karl Winter den Fischverkauf. Den heutigen Namen hat das Zelt von seiner Frau Philippine, die in München und Umgebung als Fischer-Vroni bekannt war, und bis heute ist es ein Familienbetrieb.
Auf der Südseite des Zelts liegt eine rund 15 Meter lange Grillstraße, an der vor den Gästen Makrelen, Renken, Lachsforellen und Saiblinge gegrillt werden. Wer in München außerhalb der Wiesn danach sucht, findet ihn in den großen Biergärten der Stadt.
Im Biergarten nimmt der Steckerlfisch eine Sonderstellung ein. Zur bayerischen Biergartentradition gehört, dass Gäste ihre eigene Brotzeit mitbringen dürfen, Getränke aber vor Ort kaufen. Der Steckerlfisch ist die Ausnahme von der kalten Brotzeit: Er wird heiß serviert und deshalb direkt am Stand gekauft. Was sonst in den Korb gehört, vom Radi bis zum Obazdn, beschreibt der Chinesische Turm e.V. in seinem Beitrag über die Brotzeit im Biergarten.
Die Saison folgt dem Biergarten und damit dem Wetter. Hochsaison ist von Mai bis in den September, wenn ohnehin draußen gefeiert wird, vom Aufstellen des Maibaums bis zu den Volksfesten des Spätsommers. Die Bräuche der Hochsaison sammelt die Monatsseite Juli.
Die Fischwahl ist eine Frage von Region, Preis und Tradition:
| Fisch | Wo und warum |
|---|---|
| Makrele | Am häufigsten, günstig, fettreich, bleibt saftig |
| Renke | Klassiker an Chiemsee und anderen Voralpenseen |
| Forelle, Lachsforelle | Häufig auf Volksfesten und im Biergarten |
| Saibling | Beliebt, etwas teurer |
| Zander | Seltener, im oberen Preissegment |
| Kleine Weißfische | Die ursprünglichen Flussfische, heute kaum noch |
Steckerlfisch ist Handarbeit. Die Fische werden ausgenommen, meist über Nacht in Salzlake oder eine Würzmarinade aus Öl und Gewürzen gelegt und dann der Länge nach entlang der Mittelgräte auf das Steckerl geschoben. Neben der Glut stehen sie schräg in einer Reihe, mit dem Kopf nach unten. Während des Grillens wird der Fisch mehrmals mit der Marinade bestrichen, damit die Haut knusprig wird.
Gewürzt wird schlicht. Salz ist Pflicht, dazu je nach Griller Lorbeer, Fenchelsamen, Wacholder oder Orangenschale. Thymian und Rosmarin, die man vom Mittelmeergrill kennt, lassen viele bayerische Griller bewusst weg. Jeder Steckerlfischgriller hat seine eigene Mischung, und die verrät er so ungern wie ein Metzger sein Weißwurstrezept.
Nach dem Grillen wird der Fisch vom Steckerl gezogen und in Papier eingeschlagen. Gegessen wird er traditionell direkt daraus, im Stehen am Stand oder auf der Bierbank, mit den Fingern oder einer kleinen Gabel. Im Wirtshaus und im Festzelt kommt er auch auf den Teller. Dazu gibt es eine Breze oder Semmel, wer mehr Hunger hat, nimmt bayerischen Kartoffelsalat mit Essig und Brühe und ein paar Radieschen. Mehr braucht es nicht.
Weil Fisch vom kirchlichen Fleischverzicht ausgenommen ist, hat der Steckerlfisch auch einen Platz im Kirchenjahr. Karfreitag, 2027 am 26. März, und Aschermittwoch sind Fast- und Abstinenztage, an denen Katholiken auf Fleisch verzichten, und so steht der Steckerlfisch mancherorts auch außerhalb der Biergartensaison auf der Karte. Zum Aschermittwoch ist allerdings der Hering die Leitfigur, wie die Seite zum Fischessen am Aschermittwoch beschreibt. Wenige Wochen später lockt die Starkbierzeit, zu der ein Steckerlfisch ebenfalls gut passt.
Am häufigsten ist heute die Makrele, weil sie günstig und fettreich ist und auf dem Grill saftig bleibt. Traditionell kamen heimische Weißfische und Renken auf das Steckerl, außerdem werden Forelle, Saibling, Lachsforelle und gelegentlich Zander gegrillt. An den Seen wie dem Chiemsee ist die Renke der klassische Fisch.
Steckerlfisch wird meist im Papier gereicht, in das er nach dem Grillen eingeschlagen wird, und direkt daraus gegessen, mit den Fingern oder einer Gabel. Wer sitzt, bekommt ihn auch auf dem Teller. Dazu gibt es Brezn oder Semmel.
Die klassische Begleitung ist eine Breze oder Semmel. Wer sitzt, nimmt oft bayerischen Kartoffelsalat dazu, der mit Brühe und Essig angemacht wird und nicht mit Mayonnaise, außerdem Radieschen oder im Biergarten einen Radi.
Der Karfreitag ist wie der Aschermittwoch ein kirchlicher Fast- und Abstinenztag, an dem Katholiken auf Fleisch verzichten. Fisch ist davon ausgenommen. Deshalb passt der Steckerlfisch an diesen Tagen in den Kalender, auch wenn die eigentliche Grillsaison erst im Mai beginnt.
Gewürzt wird traditionell schlicht. Viele Fischer und Wirte legen die Fische vorher in Salzlake ein oder bestreichen sie mit Öl, Salz und Gewürzen, beim Grillen wird mehrmals nachgepinselt, damit die Haut knusprig wird. Kräftige Mittelmeerkräuter sind eher unüblich.
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