Gebirgsschützen
Gebirgsschützen in Bayern: Geschichte seit der Landesdefension, Bund mit 48 Kompanien, Patronatstag zu Ehren der Patrona Bavariae, Tracht und Böllerschützen.
Ganzjährig; Patronatstag amBöllerschießen in Bayern: wann Böllerschützen krachen lassen, Handböller, Schaftböller und Standböller, Weihnachtsschützen und was die Erlaubnis voraussetzt.
Böllerschießen ist das Abfeuern von Schwarzpulver ohne Geschoss aus Handböllern, Schaftböllern, Standböllern oder Kanonen, um Feste, Gäste und Kirchentage lautstark zu begleiten. Nach Angaben der Stadt München wird in Bayern seit dem späten 15. Jahrhundert geböllert. Böllerschützen sind meist in Schützen- oder Trachtenvereinen organisiert und schießen bei Hochzeiten, Kirchenfesten, zu Weihnachten, an Silvester und zum Abschluss des Oktoberfests.
Um sechs Uhr früh, wenn das Dorf noch schläft, rollt ein Donner über das Tal, dann ein zweiter, dann ein dritter, jeder mit Abstand, damit das Echo von den Bergen zurückkommen kann. Wer das zum ersten Mal hört, denkt an ein Gewitter. Wer hier aufgewachsen ist, weiß: Heute ist Festtag, und die Böllerschützen haben ihn gerade angekündigt. Das Böllerschießen gehört in Bayern zu den lautesten Formen von Brauchtum und zu den am strengsten geregelten.
Ein Böller ist ein Gerät, das nur mit Schwarzpulver geladen wird und kein Geschoss abfeuert. Es geht allein um den Knall und die weiße Rauchwolke. Verdämmt wird die Ladung nach den Regeln des Bayerischen Sportschützenbunds ausschließlich mit Korken, verwendet wird eigenes Böllerpulver, das auf die Geräte abgestimmt ist.
Die Schützen heißen Böllerschützen, im bairisch-österreichischen Raum auch Prangerschützen, das Schießen entsprechend Prangerschießen. Böllerschützen treten in Tracht oder historischer Uniform auf und sind fast immer in einem Verein organisiert: als eigene Böllerschützengruppe, als Abteilung eines Schützenvereins oder innerhalb eines Trachtenvereins.
In Bayern ist das Böllerschießen nach Angaben der Stadt München seit dem späten 15. Jahrhundert belegt. Geschossen wurde, um hochgestellte Persönlichkeiten zu ehren, zu Geburten, Taufen und Geburtstagen, und in manchen Gegenden bis ins 20. Jahrhundert, um vor Gefahr zu warnen. Dass der Lärm böse Geister vertreiben sollte, wird oft erzählt, besonders für die Winterzeit. Diese Deutung ist verbreitet, sie erklärt aber eher, wie man den Brauch später verstand, als woher er kommt. Belegt sind vor allem die Ehrensalute und das Schießen an kirchlichen Festtagen.
Ein gut dokumentiertes Beispiel ist das Weihnachtsschießen im Berchtesgadener Land, das urkundlich bis 1666 zurückreicht. Laut der Tourismusregion scheiterten im späten Mittelalter Verbote des Böllerns, die vor allem die Wilderei eindämmen sollten. Seit dem frühen 19. Jahrhundert schießen die Berchtesgadener mit kurzläufigen Handböllern großen Kalibers.
Der Bayerische Sportschützenbund unterscheidet vier Gerätegruppen:
| Gerät | Kennzeichen |
|---|---|
| Handböller | kurz, großes Kaliber, wird in der Hand gehalten |
| Schaftböller (Prangerstutzen) | länger, mit Schaft, wird ähnlich wie ein Gewehr an der Schulter abgefeuert |
| Standböller | steht am Boden, deutlich größere Ladung, wird aus Abstand ausgelöst |
| Kanonen | Vorderlader mit Perkussionszündung oder Hinterlader mit Kartuschen |
Ein großer Standböller kann nach Angaben der Wikipedia bis zu 400 Gramm Schwarzpulver pro Schuss aufnehmen, ein kleiner Handböller kommt mit einem Bruchteil davon aus. Alte Vorderladergewehre mit normalem Waffenbeschuss sind übrigens keine Böller und dürfen dafür nicht verwendet werden.
Geschossen wird nach Kommando des Schützenmeisters in festen Folgen. Am bekanntesten ist das Lauffeuer, bei dem die Schützen nacheinander in gleichmäßigem Takt feuern; jeder wartet, bis er den Schall seines Vorgängers hört. Gute Gruppen erkennt man an Tempo und Präzision, also daran, dass zwischen den Schüssen kein Stolpern hörbar ist.
Einen festen Kalender gibt es nicht, wohl aber typische Anlässe:
Nicht zu verwechseln sind Böllerschützen mit den Gebirgsschützen, deren Salutschützen mit Gewehren schießen. Laut war es in Bayern auch an Stellen, an denen niemand feiern wollte: Beim Haberfeldtreiben gehörten Böller und Gewehre zum nächtlichen Rügelärm. Mit dem geregelten Vereinsschießen von heute hat das nichts mehr zu tun.
Nirgends ist das Böllern so dicht organisiert wie im Talkessel unter dem Watzmann. Laut der Tourismusregion gibt es rund 3.000 Weihnachtsschützen in 17 Vereinen, gut 1.100 davon aktiv, seit 1925 zusammengeschlossen als Vereinigte Weihnachtsschützen des Berchtesgadener Landes. Seit März 2018 steht der Brauch im bayerischen Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes.
Vom 17. Dezember an schießen die Vereine täglich um 15 Uhr von ihren Standplätzen aus das Christkind an. Ein Bericht des Evangelischen Pressediensts verbindet diese Tage mit den sieben O-Antiphonen, die in der Woche vor Weihnachten in der Vesper gesungen werden. Am Heiligen Abend krachen die Böller von 23.30 Uhr bis Mitternacht, dann wird es still. In der Christmette fallen nur noch sechs Einzelschüsse zur Wandlung. Damit der Zeitpunkt stimmt, gibt heute ein Beobachter in der Kirche das Signal per Messenger. An Silvester verabschieden die Schützen das alte Jahr von 23.45 Uhr an und begrüßen das neue bis 0.15 Uhr.
Böllern ist kein Silvesterfeuerwerk zum Selbermachen. Es fällt unter das Sprengstoffgesetz, und nach den Hinweisen des Bayerischen Sportschützenbunds sieht der Weg zum Böllerschützen so aus:
Dazu kommen Pflichten für Geräte und Pulver. Jeder Böller muss alle fünf Jahre beim Beschussamt geprüft werden, für Nordbayern in Mellrichstadt, für Südbayern in München. Pulver darf nicht in öffentlichen Verkehrsmitteln transportiert und nicht in der Kleidung getragen werden. Jedes Schießen ist mindestens 48 Stunden vorher bei der Polizei anzuzeigen, die Gemeinde wird vorher verständigt. Die Details regelt die Behörde vor Ort, verbindlich ist immer deren Auskunft.
Dass der Aufwand nicht übertrieben ist, zeigen Unfälle mit alten oder schlecht gewarteten Geräten, die es auch in Deutschland gegeben hat. Gerade deshalb legen die Vereine Wert auf Ausbildung und Kommando. Wer einmal neben einer Gruppe gestanden hat, die sauber im Takt schießt, versteht auch, warum: Hier zählt Disziplin mehr als Lautstärke. Mehr zu Musik, Tracht und Vereinsleben in Bayern sammelt die Rubrik Tracht, Musik und Tanz.
Nach den Hinweisen des Bayerischen Sportschützenbunds braucht man in der Regel ein Mindestalter von 21 Jahren, eine Unbedenklichkeitsbescheinigung der Kreisverwaltungsbehörde und einen Lehrgang bei einem anerkannten Träger, der mit einer Prüfung vor dem Gewerbeaufsichtsamt endet. Danach beantragt man die Erlaubnis nach Paragraf 27 Sprengstoffgesetz. Sie wird grundsätzlich nur für das Schießen im Namen oder Auftrag eines Vereins erteilt.
Ja. Jedes Böllerschießen ist nach den Hinweisen des Sportschützenbunds mindestens 48 Stunden vorher bei der zuständigen Polizeidienststelle anzuzeigen, die Gemeinde ist vorher zu verständigen. Sie kann bei Zeit und Ort mitreden, etwa während eines Gottesdienstes oder neben einem Krankenhaus. Bei größeren Veranstaltungen empfiehlt sich die schriftliche Meldung.
Der Handböller ist ein kurzes Gerät mit großem Kaliber, das der Schütze in der Hand hält. Der Standböller steht am Boden, ist deutlich größer und wird aus Abstand ausgelöst. Dazwischen liegt der Schaftböller, auch Prangerstutzen genannt, der wie ein Gewehr an der Schulter abgefeuert wird.
Vom 17. Dezember an schießen die Berchtesgadener Weihnachtsschützen täglich um 15 Uhr das Christkind an. Am Heiligen Abend krachen die Böller von 23.30 Uhr bis Mitternacht vor der Christmette, an Silvester verabschieden sie das alte Jahr und begrüßen das neue.
Am letzten Wiesntag um 12 Uhr stellen sich rund 60 Böllerschützen in Tracht auf den Stufen unter der Bavaria auf und schießen das Fest ab. Schon zum Auftakt gibt es nach dem Anstich einen kleineren Salut mit zwölf Schuss.
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