Rauhnächte
Rauhnächte in Bayern: wann sie beginnen und enden, wie viele es gibt, welche Bräuche belegt sind und alle Nächte 2026/27 mit Datum im Überblick.
DezemberBräuche zu Silvester und Neujahr in Bayern: Böllern, Neujahrsanblasen, Neujahrsbreze, Wachsgießen statt Bleigießen, Glücksbringer und woher Silvester kommt.
Zu Silvester und Neujahr gehören in Bayern neben Feuerwerk und Bleigießen, heute meist Wachsgießen, auch eigene Bräuche: Böllerschützen schießen das alte Jahr aus und das neue an, Blaskapellen ziehen zum Neujahrsanblasen durch die Orte, und in Franken schenkt man sich eine süße Neujahrsbreze. Silvester ist nach Papst Silvester I. benannt, der am 31. Dezember 335 starb; der 1. Januar ist gesetzlicher Feiertag.
Um Viertel vor zwölf an Silvester knallt es im Berchtesgadener Land nicht aus Plastikbatterien, sondern aus schweren Handböllern. Die Schützen stehen draußen in der Kälte, schießen das alte Jahr aus, schweigen eine Minute und schießen das neue an. Ein paar Stunden später ziehen in manchen oberbayerischen Dörfern Blaskapellen durch die Straßen, und in Franken liegt eine süße Breze auf dem Frühstückstisch. Silvester und Neujahr sind in Bayern zwar dieselben Daten wie überall, aber nicht ganz dieselben Bräuche.
Der 31. Dezember trägt seinen Namen nach Papst Silvester I., der an diesem Tag im Jahr 335 starb. Er wird als der Papst erinnert, der Kaiser Konstantin getauft haben soll, den ersten christlichen Kaiser. Ein kirchliches Fest ist Silvester deshalb aber nicht, sondern ein Gedenktag, der zufällig auf das Jahresende fällt.
Dass das Jahr am 1. Januar beginnt, geht auf die Kalenderreform Julius Caesars im Jahr 46 vor Christus zurück, die den Jahresbeginn an den Amtsantritt der römischen Beamten koppelte. Im christlichen Mittelalter begann das Jahr vielerorts dagegen mit Weihnachten, das Jahr endete also am 24. Dezember. Erst mit der gregorianischen Kalenderreform von 1582 setzte sich der 31. Dezember als letzter Tag des Jahres durch, später bestätigte Papst Innozenz XII. den 1. Januar als Jahresbeginn.
Der Neujahrstag ist in Bayern gesetzlicher Feiertag. Kirchlich stand an diesem Tag früher das Fest der Beschneidung Jesu im Mittelpunkt, acht Tage nach Weihnachten. Am Silvesterabend laden viele Pfarreien zur Jahresschlussandacht ein, und vor Mitternacht läuten vielerorts die Glocken.
Die bekannteste Erklärung lautet, Lärm solle die bösen Geister des alten Jahres vertreiben. Kirchliche Publikationen führen das auf germanische und römische Traditionen zurück, ebenso den Wunsch, an der Jahresschwelle in die Zukunft zu schauen. Diese Herkunft ist verbreitet, lässt sich aber nicht sicher belegen. Gesichert ist dagegen, dass das Feuerwerk vergleichsweise jung ist: Das erste deutsche Feuerwerk wird auf das Jahr 1506 datiert.
In Bayern hat der Silvesterlärm eine eigene, ältere Form, die mit Feuerwerk wenig zu tun hat.
Am eindrucksvollsten ist das Silvesterschießen im Berchtesgadener Land. Die Weihnachtsschützen, rund 3.000 Mitglieder in 17 Vereinen, seit 1925 in den Vereinigten Weihnachtsschützen des Berchtesgadener Landes zusammengeschlossen, schießen mit kurzläufigen Handböllern. An Silvester verabschieden sie das alte Jahr von 23.45 bis 23.59 Uhr, dann folgt eine kurze Pause, und von Mitternacht bis 0.15 Uhr wird das neue Jahr begrüßt. In den Gemeinden des Rupertiwinkels beginnen die Böllerschützen schon um 15 Uhr mit dem Abschiedsschießen und schießen auch am Neujahrstag. Der Brauch steht seit 2018 im bayerischen Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes.
Auch anderswo in Oberbayern verabschieden Schützen das Jahr mit Böllern, etwa in Steingaden, wo der Schützenverein an Silvester ab 15 Uhr zum Böllerschießen einlädt. Den gleichen Schützen begegnet man in Berchtesgaden schon vor Weihnachten beim Christkindl-Anschießen, mehr dazu auf der Seite Weihnachten in Bayern.
Ein verbreiteter Neujahrsbrauch in Bayern ist das Neujahrsanblasen, auch Neujahrsblasen genannt. Die örtliche Blaskapelle zieht um den Jahreswechsel durch die Gemeinde und spielt den Bewohnern ein Ständchen zum neuen Jahr. Dafür bekommt sie traditionell eine Spende für die Vereinskasse.
Wie das aussieht, zeigt Steingaden. Dort spielt die Musikkapelle am 30. Dezember in den Außenbereichen der Gemeinde und am Neujahrstag im Ort, beginnend mit einem gemeinsamen Ständchen auf dem Marktplatz für Bürgermeister, Pfarrer und Bürger. Danach teilt sich die Kapelle in Gruppen und bringt die Neujahrswünsche zu den einzelnen Häusern.
Verwandt ist das Neujahrsschreien, das in manchen Dörfern in Bayern und Österreich überliefert ist: Kinder ziehen von Haus zu Haus und rufen oder singen das neue Jahr aus.
In Franken beginnt das Jahr süß. Statt Linsen oder Karpfen gibt es dort die Neujahrsbreze, eine große Breze aus süßem Hefeteig, oft mit geflochtenem Mittelteil und Hagelzucker bestreut. Man schenkt sie sich am Neujahrstag unter Freunden, Nachbarn und in der Familie, als Wunsch für Glück und Schutz vor Unglück, Krankheit und Hunger. In Lohr am Main bekommen Patenkinder die Breze von ihren Paten.
Nicht zu verwechseln ist sie mit der gewöhnlichen Laugenbreze: Die Neujahrsbreze ist weich, süß und duftet nach Butter und Vanille. Eine ganz ähnliche Tradition kennt die Pfalz: Im Pfälzerwald rund um Hauenstein bekommen Kinder am Neujahrsmorgen von ihrer Patentante, der Goot, eine süße Brezel, und früher sagten sie beim Abholen ein Neujahrsgedicht auf.
Ein Blick in die Zukunft gehört seit langem zum Jahreswechsel. Beim Bleigießen wurde ein Löffel Blei über einer Kerze geschmolzen und in kaltes Wasser gegossen, aus der erstarrten Form las man das kommende Jahr. Woher der Brauch genau stammt, ist unklar, Forscher verbinden ihn mit Griechen und Römern.
Seit 2018 ist Schluss damit, zumindest mit dem Blei. Nach der EU-Chemikalienverordnung dürfen solche Produkte höchstens 0,3 Prozent Blei enthalten, die üblichen Sets lagen bei über 70 Prozent. Blei ist schon in kleinen Mengen gesundheitsschädlich, für Kinder besonders. Seitdem wird Wachsgießen verkauft, das genauso funktioniert, nur mit Wachs, das man auch aus Kerzenresten gewinnen kann. Was eine Figur bedeutet, ob Drache, Schildkröte oder Seepferdchen, darüber wird am Tisch gern gestritten, und genau das gehört zum Spiel.
Zu Silvester verschenkt man Glücksbringer. Die bekanntesten und was man ihnen nachsagt:
Gegessen werden an Silvester gern Krapfen, wie Berliner in Bayern heißen, und um Mitternacht stößt man mit „Prosit Neujahr“ an. Auf Bairisch wünscht man sich a guads Neis, ein gutes neues Jahr. Den Fernsehabend beschließt bei vielen der Sketch Dinner for One, den der NDR 1962 aufzeichnete und der seit 1972 an Silvester läuft.
Silvester liegt mitten in den zwölf Rauhnächten zwischen Weihnachten und Dreikönig. Viele Vorstellungen dieser Zeit, vom Blick in die Zukunft bis zu den Arbeitsverboten, berühren deshalb auch den Jahreswechsel, erklärt auf der Seite Bedeutung der Rauhnächte. Wenige Tage vorher laufen die Besuche zum Christbaumloben, und am 6. Januar schließen die Sternsinger die Weihnachtszeit ab. Alle Bräuche rund um den Jahreswechsel versammeln die Seiten Bräuche im Dezember und Bräuche im Januar.
Der Tag ist nach Papst Silvester I. benannt, der am 31. Dezember 335 gestorben ist und auf dessen Gedenktag das Datum fällt. Ein kirchliches Fest ist Silvester trotzdem nicht. Dass der 31. Dezember das Jahr beschließt, gilt seit der gregorianischen Kalenderreform von 1582.
Ja, Bleigieß-Sets dürfen seit 2018 in der EU nicht mehr verkauft werden. Die Chemikalienverordnung erlaubt in solchen Produkten höchstens 0,3 Prozent Blei, die Sets enthielten mehr als 70 Prozent. Als Ersatz hat sich das Wachsgießen durchgesetzt, alte Bleifiguren gehören in den Sondermüll.
Verbreitet ist die Deutung, Lärm solle böse Geister des alten Jahres vertreiben, Kirchenpublikationen führen das auf germanische und römische Traditionen zurück. Sicher belegen lässt sich diese Herkunft nicht. Das Feuerwerk ist jünger, das erste deutsche Feuerwerk wird auf das Jahr 1506 datiert.
Beim Neujahrsanblasen ziehen Blaskapellen um den Jahreswechsel von Haus zu Haus und wünschen den Bewohnern mit Musik ein gutes neues Jahr. Die Bewohner bedanken sich mit einer Spende für die Kapelle. In Steingaden etwa spielt die Musikkapelle an Neujahr ein Ständchen auf dem Marktplatz und teilt sich dann in Gruppen auf.
Klassisch sind Hufeisen, Glücksschwein, Marienkäfer, Schornsteinfeger und eine Münze in der Tasche. Für das Hufeisen gibt es sogar eine Legende um Papst Silvester. Die Herkunftsgeschichten der anderen Glücksbringer sind meist volkstümlich und nicht belegt.
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DezemberStand: 21. Oktober 2026. Redaktion Brauchtum in Bayern, Chinesischer Turm e.V. Hinweise und Korrekturen an servus@brauchtum-in-bayern.de.