Weihnachten in Bayern
Weihnachten in Bayern: Christkind statt Weihnachtsmann, Krippe, Christmette, Frauentragen und Herbergssuche, dazu bayerische Weihnachtsgrüße auf Bairisch.
DezemberChristbaumloben in Bayern: Was hinter dem Brauch steckt, wann man zum Christbaum loben geht, welche Sprüche passen und warum es dafür ein Schnapserl gibt.
Beim Christbaumloben besucht man in den Tagen nach Weihnachten Nachbarn, Freunde und Verwandte, um deren Christbaum ausgiebig zu loben. Der Gastgeber bedankt sich für das Lob mit einem Schnaps, oft auch mit mehreren. Der Brauch ist im Allgäu, in Schwaben, Franken und der Oberpfalz verbreitet und wird seit dem späten 19. Jahrhundert gepflegt.
Es klingelt am Abend des zweiten Weihnachtsfeiertags, draußen stehen drei Nachbarn mit roten Wangen. Sie wollen nichts verkaufen und nichts ausleihen, sie wollen nur den Baum sehen. Dann stehen sie im Wohnzimmer, treten einen Schritt zurück, legen den Kopf schief und sagen Sätze wie: „So an gradn Baam hab i no nia gseng.“ Der Hausherr nickt bescheiden und holt die Schnapsflasche. Das ist Christbaumloben, einer der geselligsten Bräuche der bayerischen Weihnachtszeit.
Beim Christbaumloben ziehen Freunde, Nachbarn oder Verwandte nach Weihnachten von Haus zu Haus und begutachten den Christbaum der Gastgeber. Der Baum wird gelobt, und zwar gründlich: Wuchs, Farbe, Äste, Spitze, Schmuck, notfalls auch der Christbaumständer. Als Dank für die Komplimente schenkt der Gastgeber einen Schnaps ein. Wer gut lobt, bekommt einen zweiten.
Im Tiroler Außerfern, gleich hinter der Grenze zum Allgäu, heißt der Brauch Chrischtbomlobn. Gemeint ist überall dasselbe: ein spontaner Besuch mit einem kleinen Ritual aus Lob und Gegengabe.
Die klassische Zeit sind die Tage nach Heiligabend, vor allem die stille Woche zwischen den Jahren bis Silvester. Angemeldet wird in der Regel nicht, wer vorbeikommt, ist willkommen, und es gibt keine Obergrenze dafür, wie viele Bäume eine Gruppe an einem Abend schafft. Im Außerfern, wo der Brauch nach örtlicher Überlieferung aus Bayern herübergekommen ist, gehen die Lober schon am ersten Weihnachtsfeiertag los. Dort wurden an einem einzigen 25. Dezember schon 17 Bäume gewürdigt.
Die Weihnachtszeit endet für viele Familien erst mit Dreikönig, wenn die Sternsinger an der Tür waren. Solange der Baum steht, lässt er sich auch loben. Was in diesen Tagen sonst noch geschieht, beschreibt die Seite zu den Rauhnächten.
Nach einem Bericht des Schweizer Rundfunks ist das Christbaumloben vor allem in Schwaben und im Allgäu zu Hause. Das Goethe-Institut nennt das Allgäu, Franken und die Oberpfalz, ein englischsprachiges Magazin spricht allgemeiner vom südlichen Bayern und von Baden-Württemberg. Wer wissen will, was Schwaben sonst an eigenen Bräuchen hat, findet sie unter Bräuche in Schwaben.
Eine genaue Ersterwähnung ist nicht bekannt. Nach der Darstellung des Goethe-Instituts wird der Brauch seit dem Ende des 19. Jahrhunderts gepflegt. Vermutlich entstand er, weil auf dem Land die harte Arbeit im Rest des Jahres kaum Zeit für Besuche ließ. Der Winter, und besonders die arbeitsarme Zeit nach Weihnachten, war die Gelegenheit, Nachbarn und Bekannte zu sehen.
Die Datierung passt gut zur Geschichte des Christbaums selbst. Der geschmückte Baum war lange eine protestantische und städtische Sache. In München stellte die evangelische Kurfürstin und spätere Königin Karoline 1799 in Schloss Nymphenburg einen Baum auf, 1809 zeigte ihn das Königspaar öffentlich in der Residenz. In Münchner Familien wurde der Christbaum erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts üblich, wesentlich befördert von evangelischen Beamten aus Franken. Katholische Regionen und die Bauernhäuser erreichte er erst gegen Ende des 19. und im frühen 20. Jahrhundert. Erst als fast jede Stube einen Baum hatte, ließ sich daraus ein Besuchsbrauch machen.
Ein festes Protokoll gibt es nicht, aber ein paar Regeln haben sich herumgesprochen:
Im Außerfern hinterlassen die Lober als Andenken eine von allen unterschriebene Christbaumkugel. Eine Rangliste führt dort niemand, jeder Baum gewinnt.
Überlieferte Formeln sind kaum belegt, gefragt ist Spontaneität. Ein paar Beispiele, wie ein ordentliches Lob klingen kann:
Das hochdeutsche Lob tut es genauso. Entscheidend ist der gespielte Ernst. Dass die Komplimente nach dem Schnaps noch überschwänglicher ausfallen dürften, hält der Schweizer Rundfunk trocken fest.
Der Brauch war mancherorts schon fast vergessen. Im Außerfern etwa hatte er sich nur noch vereinzelt in Vils gehalten, bis ein junger Vilser ihn zu Freunden in andere Orte der Gegend mitnahm. Inzwischen fragen dort Gastgeber schon unterm Jahr nach, ob die Lober wiederkommen. Alle Berichte, ob aus Tirol, der Schweiz oder Bayern, zeigen dasselbe Bild: Der Brauch lebt nicht von Vereinen oder Veranstaltungen, sondern von Freunden und Nachbarn, die ihn Jahr für Jahr wieder aufnehmen. Gerade deshalb ist er so beständig, er braucht nichts als einen Baum, eine Flasche und Leute, die gern loben.
Der Schnaps gehört zum Brauch, aber niemand muss mittrinken, um mitzuloben. Wer mehrere Häuser besucht, plant den Heimweg vorher. Im Außerfern bringen eigens bestimmte Fahrer die Gruppe nach Hause, in vielen Dörfern geht man ohnehin zu Fuß von Tür zu Tür. Für Gastgeber gilt: Ein Tee oder Kinderpunsch ist eine ebenso ehrenwerte Antwort auf ein schönes Lob.
Das Christbaumloben füllt die ruhige Zeit zwischen dem Fest und dem Jahreswechsel. Davor liegen Heiligabend, Christmette und die Feiertage, die auf der Seite Weihnachten in Bayern beschrieben sind. Danach folgt die Silvesternacht mit ihren eigenen Bräuchen, siehe Silvester und Neujahr. Alle Bräuche des Monats versammelt die Seite Bräuche im Dezember.
Christbaumloben ist ein Besuchsbrauch der Weihnachtszeit: Man geht bei Bekannten vorbei, begutachtet den Christbaum und lobt ihn so überschwänglich wie möglich. Als Dank schenkt der Gastgeber einen Schnaps ein. Kritik am Baum ist dabei nicht vorgesehen, gelobt wird jeder.
Üblich sind die Tage nach Heiligabend, vor allem die Zeit zwischen den Jahren bis Silvester. Mancherorts, etwa im Tiroler Außerfern, ziehen die Lober schon am ersten Weihnachtsfeiertag los. Angemeldet wird man traditionell nicht, wer kommt, der kommt.
Eine genaue Ersterwähnung ist nicht bekannt. Nach einer Darstellung des Goethe-Instituts wird der Brauch seit dem späten 19. Jahrhundert gepflegt, also seit der Zeit, in der der Christbaum auch in katholischen Bauernstuben üblich wurde. Erklärt wird er mit dem Winter als der einzigen Jahreszeit, in der auf dem Land Zeit für Besuche blieb.
Feste Formeln gibt es nicht, gefragt ist Einfallsreichtum. Gelobt wird alles: der gerade Wuchs, das satte Grün, die Spitze, der Schmuck, sogar ein schiefer Stamm lässt sich als besonders charaktervoll preisen. Je ernster das Lob vorgetragen wird, desto besser kommt es an.
Der Schnaps ist der Lohn für das Lob, so gehört es zum Brauch. Dazu werden oft Plätzchen oder Weihnachtsgebäck gereicht. Weil an einem Abend mehrere Bäume an der Reihe sein können, regeln Gruppen das Heimkommen am besten vorher, etwa zu Fuß oder mit einem nüchternen Fahrer.
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