Osterfeuer in Bayern
Osterfeuer in Bayern: was das Feuer der Osternacht bedeutet, wann es brennt, wie es sich von Brauchfeuer und Judasfeuer unterscheidet und woher es kommt.
MärzOsterkerze: was Kreuz, Alpha und Omega, Jahreszahl und Wundmale bedeuten, wann sie angezündet wird, wie lange sie brennt und wie man sie selbst gestaltet.
Die Osterkerze ist die große Kerze, die in der katholischen Osternacht am gesegneten Osterfeuer entzündet und in die dunkle Kirche getragen wird; sie steht für den auferstandenen Christus als Licht der Welt. Sie trägt ein Kreuz, die Buchstaben Alpha und Omega, die Jahreszahl und meist fünf Zeichen für die Wunden Christi. 2027 wird sie in der Nacht vom 27. auf den 28. März entzündet und brennt in den Gottesdiensten bis Pfingsten am 16. Mai 2027.
Die Kirche ist stockdunkel, nur durch das offene Portal fällt der Schein des Osterfeuers. Dann trägt der Diakon eine Kerze herein, so groß, dass man sie mit beiden Händen halten muss, und ruft Lumen Christi. Die Gemeinde antwortet Deo gratias, und von dieser einen Flamme wandert das Licht von Hand zu Hand, bis der ganze Raum flackert. Die Osterkerze ist das Herzstück der Osternacht, und sie bleibt das ganze Jahr über in der Kirche, als stiller Verweis auf diese eine Nacht.
Die Osterkerze ist eine große, verzierte Wachskerze, die in der katholischen Osternacht neu entzündet wird. Sie steht für den auferstandenen Christus, das Licht der Welt, und für das ewige Leben. Wegen ihrer Größe steht sie auf einem eigenen Leuchter im Altarraum, wo sie von überall in der Kirche zu sehen ist. Weil sie die aktuelle Jahreszahl trägt, braucht jede Pfarrei sie jedes Jahr neu.
Auch evangelische Gemeinden verwenden die Osterkerze zunehmend. Dort brennt sie häufig das ganze Kirchenjahr über in den Gottesdiensten, nicht nur in der Osterzeit wie in der katholischen Praxis.
Wer genauer hinsieht, kann eine Osterkerze lesen wie ein kleines Glaubensbekenntnis. Auf der Vorderseite ist in Wachs ein Kreuz aufgebracht. Über dem Kreuz steht Alpha, der erste Buchstabe des griechischen Alphabets, darunter Omega, der letzte. Sie bezeichnen Christus als Anfang und Ende. In die vier Felder zwischen den Kreuzbalken kommt je eine Ziffer der Jahreszahl, für 2027 also 2 und 0 oben, 2 und 7 unten.
Dazu kommen fünf Zeichen für die fünf Wunden Christi. Früher waren das Weihrauchkörner, die der Diakon bis zur Reform der Karwoche 1951 während des großen Osterlobs in die Kerze steckte. Heute sind es oft rote oder goldene Wachsnägel, die nach Wikipedia aber nicht zur älteren Tradition gehören. Selbst das Material hat seine Deutung: Der Wachskörper wurde auf die menschliche Natur Christi bezogen, die Flamme auf die göttliche, und das Bienenwachs wurde wegen der mühsamen Arbeit geschätzt, die in ihm steckt.
| Zeichen | Bedeutung |
|---|---|
| Kreuz | Tod und Auferstehung Christi |
| Alpha und Omega | Christus als Anfang und Ende |
| Jahreszahl | Das laufende Jahr, gedeutet als Teil dieses Bogens |
| Fünf Wachsnägel oder Weihrauchkörner | Die fünf Wunden Christi |
| Flamme | Der Auferstandene als Licht der Welt |
Die Osterkerze wird zu Beginn der Osternacht entzündet. Vor der Kirche brennt das Osterfeuer, das der Priester segnet. Daran wird die Kerze angezündet und in die dunkle Kirche getragen, an drei Stationen erklingt der Ruf Lumen Christi, Licht Christi. Die Gläubigen entzünden ihre eigenen Kerzen an ihr, dann folgt das Exsultet, das große Osterlob. Später in der Feier folgt die Segnung des Wassers.
2027 fällt die Osternacht in die Nacht vom Karsamstag, 27. März, auf Ostersonntag, 28. März 2027. Viele Pfarreien feiern am Karsamstagabend, manche früh am Ostersonntag vor Sonnenaufgang. Die genaue Uhrzeit steht in der Gottesdienstordnung. Bis dahin ist es in der Kirche auffallend still: Ab Gründonnerstag schweigen die Glocken, und auf dem Land übernehmen die Ratschen ihre Aufgabe. Am Karfreitag und Karsamstag lohnt außerdem ein Blick auf das Heilige Grab, das in manchen Kirchen in barocker Pracht aufgebaut wird.
Von der Osternacht bis Pfingsten brennt die Osterkerze möglichst in jedem Gottesdienst. 2027 heißt das: vom 27. März bis zum 16. Mai 2027. Mancherorts wird sie schon an Christi Himmelfahrt gelöscht, spätestens nach Pfingsten wandert sie an das Taufbecken oder in seine Nähe.
Ihr Dienst ist damit nicht vorbei. Bei jeder Taufe wird die Osterkerze entzündet, auch außerhalb der Osterzeit, und an ihr bekommt der Täufling seine Taufkerze. Ebenso entzündet man an ihr die Kerzen bei Trauungen, Ordensgelübden und ähnlichen Feiern. Bei Beerdigungen steht sie neben dem Sarg. So verbindet die eine Kerze im Lauf des Jahres den Anfang und das Ende eines Lebens, was gut zu Alpha und Omega passt.
Der Brauch, an Ostern eine besondere Kerze zu entzünden, ist seit der Spätantike bezeugt. Das älteste bekannte Zeugnis ist ein Brief des Kirchenvaters Hieronymus aus dem Frühjahr 384, eine Antwort an den Diakon Praesidius in Piacenza. Auch Augustinus berichtet, er habe ein solches Kerzenlob verfasst.
Die heutige Gestalt hat sich erst allmählich herausgebildet. Jahrhundertelang schmückte man die Kerze nur mit Blumen und Blättern; Kreuz, Jahreszahl sowie Alpha und Omega tauchen nach Angaben der Wikipedia erst Ende des 9. Jahrhunderts auf. Dass große Kerzen auch im antiken Götter- und Kaiserkult als Ehrenbezeigung entzündet wurden, wird gern erwähnt. Wie eng die Osterkerze damit zusammenhängt, ist offen; gut verfolgen lässt sich dagegen ihre Geschichte in der Liturgie der Osternacht.
Neben der großen Kirchenkerze gibt es die kleine Osterkerze für daheim. In der Osternacht nehmen viele Gläubige das Licht in ihren Kerzen mit nach Hause, dazu oft geweihtes Wasser. Das Bistum Eichstätt hat in seiner Familienkatechese angeregt, wer Garten und Feuerschale habe, könne ein kleines Osterfeuer entzünden, daran die eigene Osterkerze anzünden und das Licht in Haus oder Wohnung tragen. Wer kein Feuer im Freien hat, kann die Kerze im dunklen Raum anzünden und zusehen, wie sich das Licht ausbreitet. Im Salzburger Land, gleich jenseits der Grenze, geht nach Angaben des Salzburger Landesinstituts für Volkskunde, wer ein Familiengrab direkt bei der Kirche hat, nach dem Festgottesdienst am Ostersonntag dorthin und zündet eine Kerze an.
Wer eine Osterkerze selbst gestalten will, ist mit den klassischen Zeichen gut beraten, weil sie die Kerze erst zur Osterkerze machen. Eine einfache Anleitung:
Moderne Motive greifen dieselben Ideen auf andere Weise auf: eine aufgehende Sonne, Lichtstrahlen, die vom Kreuz ausgehen, das leere Grab, Wasser als Hinweis auf die Taufe. Wer mit Kindern bastelt, kann die Symbole vorher erklären, dann wird aus der Bastelstunde nebenbei eine kleine Glaubenskunde.
Die Osterkerze steht am Ende einer dichten Brauchwoche, die mit den Palmbuschen am Palmsonntag beginnt. In Franken sind zur selben Zeit die Osterbrunnen geschmückt. Die Feiertage rund um Ostern stehen unter Feiertage in Bayern, alle Bräuche der Saison unter März im Jahreskreis.
Zu Beginn der Osternacht, an dem Feuer, das vor der Kirche gesegnet wird. Die Osternacht beginnt frühestens nach Einbruch der Dunkelheit am Karsamstag und endet vor dem Morgen des Ostersonntags. 2027 ist das die Nacht vom 27. auf den 28. März.
Ein Kreuz, über dem Kreuz der griechische Buchstabe Alpha, darunter Omega, und in den vier Feldern zwischen den Kreuzbalken je eine Ziffer der Jahreszahl, 2027 also 2, 0, 2 und 7. Dazu kommen meist fünf Wachsnägel oder Weihrauchkörner für die fünf Wunden Christi.
Alpha ist der erste, Omega der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets. Auf der Osterkerze stehen sie für Christus als Anfang und Ende von allem. Die Jahreszahl daneben wird meist so gedeutet, dass auch das laufende Jahr in diesen Bogen gehört.
Von der Osternacht bis Pfingsten brennt sie möglichst in jedem Gottesdienst, 2027 also vom 27. März bis 16. Mai. Danach steht sie meist beim Taufbecken und wird bei jeder Taufe entzündet, auch außerhalb der Osterzeit. Bei Beerdigungen steht sie vielerorts neben dem Sarg.
Am einfachsten mit den Zeichen der Kirchenkerze: Kreuz, Alpha und Omega, Jahreszahl und fünf rote Punkte für die Wunden. Dazu eignen sich Wachsplatten, die man zuschneidet und andrückt. Das Bistum Eichstätt regt in einer Familienkatechese an, die eigene Osterkerze an Ostern zu entzünden, etwa an einem kleinen Osterfeuer im Garten, und das Licht ins Haus zu tragen.
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AprilStand: 21. Oktober 2026. Redaktion Brauchtum in Bayern, Chinesischer Turm e.V. Hinweise und Korrekturen an servus@brauchtum-in-bayern.de.