Kirchweih in Bayern: Kirta und Kerwa
Warum die Kirta am dritten Sonntag im Oktober ist, was Kerwa und Kirwa in Franken bedeuten, dazu Kirtahutschn, Kirtanudeln und Gans.
OktoberBergkirchweih Erlangen: 2027 vom 13. bis 24. Mai, seit 1755 an den Felsenkellern am Burgberg. Termin-Regel, Keller, Anstich, Bierbegräbnis und Liederdebatte.
Die Erlanger Bergkirchweih ist ein zwölftägiges Volksfest an den historischen Felsenkellern am Burgberg in Erlangen (Mittelfranken). Sie beginnt am Donnerstag vor Pfingsten und endet am Montag nach Pfingsten, 2027 also vom 13. bis 24. Mai. Gefeiert wird seit 1755, seit 2026 steht das Fest im bayerischen Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes.
Man sitzt unter alten Bäumen, der Tisch wackelt ein wenig am Hang, auf dem Holz stehen Maßkrüge und eine mitgebrachte Brotzeit. Hinter einem führt ein Stollen in den Fels, in dem früher das Bier lagerte. In Erlangen sagt man dazu nicht Volksfest, sondern einfach der Berg, auf Fränkisch Berch. Wer im Mai sagt, er gehe „auf den Berg“, meint die Erlanger Bergkirchweih, das Bierfest, an dem sich in Franken viele andere messen lassen müssen.
Die Bergkirchweih ist ein zwölftägiges Volksfest am Südhang des Burgbergs, am nördlichen Rand der Erlanger Innenstadt. Im Mittelpunkt stehen keine Festzelte, sondern laut Landesverzeichnis 16 historische Felsenkeller mit ihren Biergärten. Man sitzt auf den Kellern, und anders als in vielen Bierzelten darf man dort die eigene Brotzeit mitbringen. Dazu kommen ein Warenmarkt und ein Rummelplatz mit Fahrgeschäften.
Seit 2026 steht die Bergkirchweih im bayerischen Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes. Das Verzeichnis hebt gerade das Verweilen auf den Kellern unter altem Baumbestand hervor, also das, was den Berg von einem gewöhnlichen Rummel unterscheidet.
Der Name Bergkerwa verrät die kirchliche Wurzel. Er geht auf die Kirchweih am Burgberghang zurück, nach Angaben der Wikipedia auf das Patrozinium der Altstädter Dreifaltigkeitskirche, das an Trinitatis noch mit einem Gottesdienst auf dem Gelände gefeiert wird. Mit dem Gottesdienst hat das heutige Fest wenig zu tun, mit der fränkischen Freude am Feiern umso mehr.
Die Geburtsstunde ist gut belegt: 1755 wurden der Erlanger Pfingstmarkt und das Vogelschießen der Schützenkompagnie zusammengelegt und an das Kellerareal am Burgberg verlegt. Laut der ergänzenden Darstellung bei Wikipedia beschloss der Rat am 21. April 1755, den Markt für drei Tage ab Pfingstdienstag zum Altstädter Schießhaus zu verlegen, wo auch die Schützen schossen. Das Schießhaus gibt es noch, es ist heute einer der Keller.
Die Felsenkeller wurden schnell selbst zur Attraktion. Lange diente der kühle Fels den Erlanger Brauereien als Bierlager, manche Stollen reichen weit in den Berg. Der Henninger Keller ist nach Angaben der Stadt mit 861 Metern der längste Bierkeller Erlangens. Ganz ohne Pause lief das Fest nicht: Nach Angaben der Wikipedia fiel es unter anderem 1771 und 1772 wegen einer Hungersnot aus, im 20. Jahrhundert mehrfach und zuletzt in den Corona-Jahren 2020 und 2021. 2026 feierte Erlangen die 271. Bergkirchweih.
Die Regel ist einfach und an Pfingsten gekoppelt: Die Bergkirchweih beginnt am Donnerstag vor Pfingsten und dauert zwölf Tage, bis zum Montag nach dem Pfingstmontag. Weil Pfingsten ein beweglicher Feiertag ist, wandert der Termin zwischen Anfang Mai und Mitte Juni.
| Jahr | Pfingstsonntag | Bergkirchweih |
|---|---|---|
| 2026 | 24. Mai | 21. Mai bis 1. Juni |
| 2027 | 16. Mai | 13. bis 24. Mai |
Den Termin 2027 hat die Stadt Erlangen bestätigt, dann begleitet erstmals die neu gewählte Bergkönigin das Fest. Eröffnet wird mit dem Anstich durch den Oberbürgermeister am ersten Donnerstag, seit Jahren vor dem Henninger Keller. Ausgeschenkt wird bis 23 Uhr.
Die Stadt Erlangen listet für das Fest gut ein Dutzend Keller mit Reservierungsmöglichkeit, dazu einige weitere. Jeder hat seine Geschichte und sein Publikum:
Weitere Keller sind unter anderem Hofbräu Keller, Steinbach Keller, Helbig Keller, Hübners Keller, Hartmann Keller, Weller Keller und Fleischmanns Garten. Tische reservieren die Keller selbst, online, telefonisch oder per Mail; einen Lageplan mit Kellerübersicht stellt die Stadt online bereit.
Hinter den Namen steckt ein Stück Erlanger Brauereigeschichte. Die Hofbräu-Brauerei geht auf das Jahr 1729 zurück, bei Hübners und Niklas endete die Bierproduktion um den Ersten Weltkrieg, die kleine Hartmann-Brauerei lief nur von 1872 bis 1882. Beim Steinbach Keller wird seit 1995 wieder selbst gebraut. Viele Keller sind also längst reine Ausschankorte, die Stollen aber sind geblieben.
Zum Ende gehört ein Ritual, das Ortsfremde zuverlässig verwirrt: Am letzten Montagabend wird gegen Mitternacht das letzte Fass symbolisch eingegraben. Beim Bierbegräbnis tragen die Wirte das Fass zu den Klängen von Lili Marleen durch die Menge, viele winken mit weißen Taschentüchern. Das ist Trauerfeier und Kehraus zugleich, und mancher Erlanger nimmt den Abschied ernster als den Anstich.
Neuer ist eine Debatte, die 2026 über Franken hinaus Schlagzeilen machte. Die Gleichstellungsstelle der Stadt veröffentlichte zum Festbeginn eine Liste von zwölf Liedern, darunter Layla, das Donaulied, Joana und Skandal im Sperrbezirk, die Wirte und Schausteller nach Möglichkeit nicht spielen sollten. Ein Verbot war das nicht, sondern eine Bitte zur Sensibilisierung, ausgelöst durch Berichte über Belästigungen im Vorjahr. Dazu richtete die Stadt einen Safe Space mit Mitarbeiterinnen des Frauennotrufs und Ehrenamtlichen ein. Der Sprecher der Bergwirte sprach sich gegen strenge Regeln, aber für mehr Achtsamkeit aus.
Was man sonst wissen sollte: Mitgebrachte alkoholische Getränke, Glasflaschen, Rucksäcke und große Taschen sind laut Stadt verboten, ebenso Fahrräder, E-Scooter und Hunde, ausgenommen Assistenzhunde.
In Altbayern fällt die Kirchweih meist gesammelt auf den dritten Sonntag im Oktober. In Franken dagegen feiert fast jeder Ort seine eigene Kerwa oder Kärwa, verteilt über Frühjahr, Sommer und Herbst, mit Kirchweihbaum, Ständen und Tanz. Die Erlanger Bergkirchweih ist in dieser Landschaft ein Sonderfall: eine Stadtkirchweih, die sich an Pfingsten gehängt hat und mit zwölf Tagen eher einem großen Volksfest gleicht. Wer die fränkische Festkultur als Ganzes kennenlernen will, findet mehr unter Bräuche in Franken, für die närrische Jahreszeit bei der Fastnacht in Franken.
Pfingsten ist in Bayern ohnehin eine dichte Brauchzeit. Während in Erlangen angestochen wird, reiten in der Oberpfalz die Burschen beim Kötztinger Pfingstritt, und in Altbayern wird beim Wasservogel jemand nass gemacht. Welche Feste im Mai sonst anstehen, sammelt die Seite Bräuche im Mai.
Donnerstag, 13. Mai 2027 bis 24. Mai 2027. Erlangen, Kellerareal am Burgberg, Kreisfreie Stadt Erlangen. Quelle: Veranstalter.
Termine nach Angaben der Veranstalter, ohne Gewähr. Kurzfristige Änderungen veröffentlichen die Gemeinden und Vereine.
Die 272. Erlanger Bergkirchweih findet laut Stadt Erlangen vom 13. bis 24. Mai 2027 statt. Sie beginnt traditionell am Donnerstag vor Pfingsten und dauert zwölf Tage. 2026 lief sie vom 21. Mai bis 1. Juni.
Die Keller öffnen nach Angaben eines Veranstaltungsportals für 2026 werktags um 10 Uhr und am Wochenende um 9.30 Uhr, Ausschankschluss ist täglich um 23 Uhr. Unbegleitete Jugendliche unter 16 Jahren müssen laut Stadt um 22 Uhr das Gelände verlassen. Die genauen Zeiten für 2027 gibt die Stadt Erlangen vor dem Fest bekannt.
Der Oberbürgermeister sticht am Eröffnungsdonnerstag das erste Fass an, nach Angaben der Stadt seit Jahren vor dem Henninger Keller. 2026 war das nach Angaben eines Veranstaltungsportals um 17 Uhr. Ab dann wird auf allen Kellern ausgeschenkt.
Ein formelles Verbot gibt es nicht. Die Gleichstellungsstelle der Stadt veröffentlichte 2026 eine Liste von zwölf Liedern, darunter Layla, das Donaulied und Skandal im Sperrbezirk, die Wirte und Schausteller nach Möglichkeit nicht spielen sollen. Gedacht ist sie als Orientierung, Anlass waren Berichte über sexuelle Belästigung im Jahr davor.
2026 kostete die Maß nach Angaben eines Veranstaltungsportals auf den meisten Kellern 14 Euro, im Goldmann Keller 12 Euro. Die Preise für 2027 legen die Wirte jedes Jahr neu fest.
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